Jahresendzeitfragebogen 2017.

Als dieses Jahr begann, wusste ich, dass es anders sein würde als alle anderen je zuvor. Nicht nur, weil ich mir ein ganzes Jahr Zeit gegeben hatte. Ein Jahr, in dem ich nur für mich da sein wollte. Nach all den Jahren, in denen ich für den todkranken Mann da war, mein Leben ein Stück weit für seines hergegeben habe, sollte dieses 2017 meines sein. Ohne Arbeit, ohne Verpflichtungen, ohne eine klare Richtung.

Dafür habe ich einen Mittelklassewagen investiert. Und es war die beste Entscheidung meines Lebens, mich aufgemacht zu haben. Auf eine Reise, die mich nicht nur über viele Grenzen und an Grenzen gebracht hat, sondern eine, die mich wieder näher zu mir selbst gebracht hat. „Du hast dich verändert“, sagt die beste Freundin, und vermutlich stimmt es. Ich bin wieder unruhiger, getriebener als in den letzten Jahren, als ich meinen Mittelpunkt im Mann hatte. Ich bin neugieriger, offener, wilder als jemals zuvor. Ich mache, was ich will. Ich bin egoistischer als je zuvor.

Das birgt Risiken. Ich bin nicht mehr so leicht vermittelbar. Weder in der Liebe, noch im Beruf. Deshalb habe ich auch meine Konsequenzen gezogen. Der Fragebogen 2017 wird Vieles von 2018 vorweg nehmen, aber er wird auch zeigen: ich habe keine Angst. Vor nichts und niemandem mehr. Vor dem Tod nicht. Und auch nicht mehr vor dem Leben. Nennt es pathetisch. Ich nenne es meinen ganz persönlichen Rosamunde-Pilcher-Roman.

Hier aber noch einmal die letzten vierzehn (!) Jahre Bilanzierung. 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004 und 2003.*

*2011 habe ich ausfallen lassen. Aus Gründen.

Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen. Der Kummerspeck der letzten Jahre ging schon in Neuseeland verloren und in den letzten sechs bis acht Wochen des Jahres hatte mein Gehirn so viel zu tun, dass es ganz fix den kleinen Speckgürtel verbrannte.

Haare länger oder kürzer?
Kürzer. Mal wieder mit Pony und dunkler. Ich mag dabei bleiben.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Oh, je. Ich habe dieses Jahr meine Weitsichtbrille wirklich gebrauchen können. Ansonsten so blind wie eh und je.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Wie schon geschrieben, habe ich in meine Reise einen Mittelklassewagen investiert. Meine immer geführte Buchhaltung hat mir einen Durchschnittsbetrag von knapp 130 Euro pro Tag gereicht, inklusive Flügen, Mietwagen und Unterkünften. Was erheblich gespart hat: die zwei Monate in Santiago, in denen ich eine eigene, günstige Wohnung hatte, und der Urlaub mit der Familie, in der mein Stiefvater eine Menge Hotelkosten getragen hat. Ansonsten habe ich günstige Linienflüge oder Ferienflieger genutzt, um Kontinente zu überwinden und war auch sonst nicht teuer unterwegs. Am teuersten war Rockport in New England, wo das Hotel unglaublich teuer war, aber ich auch einfach nur mal ein bisschen Luxus wollte.

Der hirnrissigste Plan?
In die Atacama-Wüste reisen zu wollen und dann den falschen Flug zu einem 800 Kilometer entfernten Flughafen zu buchen. Naja, nun werde ich das halt 2018 nachholen. In Begleitung des Verehrers.

Die gefährlichste Unternehmung?
Gefühlt: Menschen zu vertrauen, die ich nicht kenne, die mir Böses hätten antun können. Aber ich bin nie, nie, nie enttäuscht worden. Diese Reise hatte ich einen Schutzengel bei mir. Ich danke dir, mein Liebster. Du warst in vielerlei Hinsicht mein Schutz.

Das beeindruckenste Buch?
Ich habe mein eigenes Buch geschrieben und nenne es einfach mal: „Mein innerer Kompass.“ Ich bin so geeicht, dass er mich ziemlich sicher ans Ziel führt. Ob ich nun ohne Navi in einer fremden Großstadt unterwegs bin oder in Patagonien im Halbdunklen auf Schotterpisten die Estancia suchen muss – ich habe da eine gute Orientierung. Dass ich aus allen Abenteuern gesund und unbeschadet zurückkam, das ist wohl das beeindruckenste daran.

Der ergreifendste Film?
Ich hätte aus dem inneren Buch auch einen Spielfilm machen können. Mit viel Freiheit, wunderschönen Bildern, einer Liebesgeschichte und durchtanzten Nächten. Und am Ende auch noch einer Weiterbildung, mit der sich vielleicht sogar was anfangen lässt. Ich verliehe mir jedenfalls einen Oscar für das beste Drehbuch. Ganz unbescheiden.

Das beste Theaterstück?
Das größte Drama war definitiv die Szene, in der der große Chilene meine Kontaktlinsen, die ich mangels Übernachtungsvorbereitung in zwei Tassen mit Wasser in der Küche aufbewahrt hatte, in den Ausguss goss und ich dazu kam. Mord auf offener Bühne, das wäre es beinahe gewesen!

Das beste Lied?
Auf jeden Fall das Lied, dem ich auf der Reise am Allerwenigsten entrinnen konnte: Despacito. Nicht das beste, aber das nachhallendste. Dann noch Cox and the Riot, Anna Depenbusch, Maximo Park, meine idealen Begleiter für lange Autofahrten durch Neuseeland, Patagonien, Kanada.

Das schönste Konzert?
Maximo Park im Huxleys im September und davor im Mai Evanescence in der Movistar Arena in Santiago. Beides allein, beides sehr genossen.

2017 zum ersten Mal getan?
Über den Äquator und die Datumsgrenze geflogen. Einmal um die Welt gereist. Mit behinderten Kindern gearbeitet. Kurz vor der Antarktis haltgemacht. Ein Erdbeben erlebt. Endlich mein Traumtattoo machen lassen. So viele erste Male. So wenige für den Rest meines Lebens.

2017 nach langer Zeit wieder getan?
Eine neue Sprache so gut gelernt, dass ich mich nun fast mühelos verständigen kann. Vor einer Klasse gestanden und gelehrt. Artikel geschrieben und veröffentlicht. Mich sehr ungewollt ein bisschen verliebt. Wieder so gelebt wie ich eigentlich bin.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Der Planung und der Durchführung von Reisen. Dem atemlosen Schauen und Sein, dem Zuhören und Aufnehmen. Dem Fühlen. Dem Freisein. Meinem Freisein.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Dem Reisen. Ich mag es, alleine unterwegs zu sein, einen Schlafsack im Auto, genügend Wasser und Schokolade. Wohl die schönste Zeit mit mir allein. Obwohl… es gab so viele Menschen, mit denen das Sein so schön war. Und der Verehrer, das war auch eine schöne Zeit mit ihm.

Vorherrschendes Gefühl 2017?
Wow! Mehr! Frei!

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Einen gebrochenen Mittelfußknochen auf Bali. Ein paar Stationen in den USA, die mich weder gereizt noch bereichert haben. Das Loch, in das ich nach der Reise fiel (und aus dem ich wieder herausgeklettert bin).

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich mich. Dass ich keine Angst mehr davor haben muss, was die Zukunft bringt. Dass Selbstständigkeit für mich funktionieren kann. Und dass ich mir durchaus vorstellen kann, auf einem anderen Kontinent, in einer anderen Gesellschaft, zu leben und zu arbeiten.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Es gab irgendwie keine Geschenke für andere. Ganz egoistisch. Vielleicht ein bisschen Einsatz und Hilfe für jemanden, der sie dringend gebraucht hat. Aber das ist kein Geschenk, das ist selbstverständlich.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Ein Schlüsselanhänger meiner neuseeländischen Freundin (mit Gebamsel aus Pass, Fotoapparat und Flugzeug). Eine Muschelkette von den Osterinseln von meiner chilenischen Freundin. Ganz viel Freundschaft überhaupt. Freundschaft ist das schönste Geschenk.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich verschiebe meinen Urlaub um ein paar Tage, dann können wir uns in Montreal noch einmal sehen.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Warum eigentlich nicht? Wie ist das Wetter in Montreal?“

2017 war mit 1 Wort…?
Freiheit.

2018, du darfst kommen. Ich bin bereit für dich. Und die ganze Welt.

6 Gedanken zu „Jahresendzeitfragebogen 2017.

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