Jahresendzeitfragebogen 2016.

2016 scheint in der Wahrnehmung vieler Menschen aus meinem persönlichen und virtuellen Umkreis ein annus horribilis gewesen zu sein. So viele Anschläge, Verluste, Tote, persönliche Krisen. Wir haben alle einen Preis gezahlt, um dieses Jahr zu Ende zu bringen.

Auch ich habe in diesem Jahr einen hohen Preis gezahlt. Den höchsten vielleicht, den ich mir vorstellen konnte. Ich habe eine große Liebe verloren. Der Tod war mir so nahe wie nur einmal in meinem Leben bisher. Und damals habe ich mich für das Leben entschieden, denn ich konnte entscheiden. Ganz im Gegenteil zum Mann, dessen Krankheit ihm keine Wahl ließ. Den Weg bewusst gemeinsam bis zur Gabelung zu gehen, war schwer. Mir fehlen heute noch die Worte für diese Zeit. Vielleicht ist es gut, die Bilder einfach verblassen zu lassen anstatt sie in Worte zu fassen.

Aber nun, so ist es, das Leben. Es bleibt nicht viel übrig, als sich damit zu arrangieren und das Beste daraus zu machen. Auch 2016 hat sein Gutes: es ist bald vorbei. Wenn Sie wissen wollen, wie das Resümee der letzten dreizehn Jahre so war, dann lesen Sie doch hier weiter: 2015, 2014, 2013, 2012, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004 und 2003.*

*2011 habe ich ausfallen lassen. Aus Gründen.

Zugenommen oder abgenommen?
Menschen, die mich eine Weile nicht gesehen haben, rufen immer aus: „Oh, du bist aber schlank geworden!“ Was mich wundert, denn ich habe die gleiche Konfektionsgröße wie zu Beginn des Jahres und habe nicht viele Kilos verloren. Vielleicht rutscht alles einfach dem Boden entgegen und die Umwelt schaut nur bis zum Gürtelansatz?

Haare länger oder kürzer?
Kürzer. Der Zauberfriseur schnitt mir zuletzt einen kinnlangen Bob, der für tropentauglich erklärt wurde (und war). Aus meinen Haaren wird in diesem Leben keine Frisur mehr.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Blind wie eh und je. Ärztlich überwacht scheint sich der hohe Augeninnendruck gesenkt zu haben. Nur meine Lehrerinnen-Lesebrille nutze ich nun etwas häufiger.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger. Der Mann und ich sind zum Schluss ja kaum noch ausgegangen. Ich habe viel selbst gekocht, um ihm Appetit zu machen. Und im zweiten Halbjahr habe ich nur einmal richtig über Stränge geschlagen, als ich mir ein Lederkleid kaufte. Selbst der spontane Urlaub in Thailand war günstig.

Der hirnrissigste Plan?
Man sollte sich ja immer hinterfragen. Vielleicht war es die falsche Entscheidung, doch sofort wieder zu arbeiten, anstatt sich eine Auszeit zu gönnen. Vielleicht. Ich weiß es nicht. Jedenfalls hat sich das Schicksal dann etwas anderes für mich überlegt und nun darf ich ganz ungehindert und geauszeitet neue hirnrissige Pläne schmieden.

Die gefährlichste Unternehmung?
Keine. Das darf dann 2017 übernehmen.

Das beeindruckenste Buch?
„Unterleuten“ von Juli Zeh. Einige Beschreibungen kenne ich so genau, als hätte ich sie selbst erlebt (habe ich auch…). Auch die Idee, mich als gelernte Großstädterin auf ein Dorf oder in eine Kleinststadt zu verfrachten, hat mich ja schon das ein oder andere Mal bewegt. Ich bin aber nicht für dieses Klein-Klein gemacht. Ich muss ein- und untertauchen dürfen.

Der ergreifendste Film?
Ach Gottchen, da fragen Sie mich was! Äh, keiner?

Das beste Theaterstück?
Auf der Arbeit, bei der Arbeit. Eine öffentliche Verwaltung ist Drama und Komödie zugleich, immer unterhaltsam, und solange man nicht die Hauptrolle spielt und hinterrücks gemeuchelt wird, geht das Stück gut aus.

Die beste CD? Das beste Lied?
Auf meinen ÖPNV-Fahrten hatte ich einige Favorites im Ohr (CD? Hat ausgedient!): Ludovico Einaudi, Armand Amar, Anna Depenbusch, Maximo Park.

Das schönste Konzert?
Mit dem Bienenkönig in der Deutschen Oper. Das davor und das danach.

2016 zum ersten Mal getan?
Einen Menschen bis zum letzten Atemzug begleitet. Eine Beerdigung organisiert. Nachlass organisiert. Witwe geworden.

2016 nach langer Zeit wieder getan?
Alleine gereist. Freiheit im Kopf und im Herzen gespürt. Mich unversehens verknallt. (Und mühsam wieder entknallt. Sagt man das so? Es hätte was draus werden können. Aus Tabu-Gründen aber leider entfallen.)

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Der Pflege des Mannes im ersten Halbjahr. Mit der Arbeit im zweiten Halbjahr.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Dem liebsten Gentleman. Auch in den letzten Tagen und Stunden seines Lebens haben wir noch miteinander gelacht.

Vorherrschendes Gefühl 2016?
Meine Gefühle hatten Nachrang. Ich musste funktionieren und habe es getan.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Krankheit, Tod, Verlust. Und ein bisschen Liebeskummer im Spätherbst.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass man die berufliche Strategie langfristig bewerten und fahren muss. Aber nun, wenigstens weiß ich, dass ich genügend cojones habe, wenn sie andere nicht haben.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Da zu sein.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Mir bis zum letzten Atemzug seine Liebe zu schenken. Mich zehn Jahre lang geliebt zu haben. Das ist so viel mehr als ich je erwartet hätte und je erwarten würde.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich warte auf dich und sitze schon mal die Wolke weich.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Hab eine gute Reise, mein Liebster.

2016 war mit 1 Wort…?
Verlust.

Mein Herz soll eine Diskokugel sein, habe ich mir für 2017 vorgenommen. Ich lasse genügend Licht darauf scheinen, dass es glitzert.

9 Gedanken zu „Jahresendzeitfragebogen 2016.

  1. Puh. Dein 2016 hat Stoff für ein Jahrzehnt. Möge das neue Jahr ein bisschen öder sein, gemütlich und sonnig. (Mit einem Plantscher bei mir im Wannsee)

  2. Pingback: Das war 2016 | Hannaxels Blog

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