Phasen.

Vor Kurzem las ich einen Artikel über die sieben Phasen, die ein Expat – das Wort bevorzuge ich deutlich gegenüber dem viel endgültigeren Auswanderer – durchlebt: angefangen von der Euphorie des Anfangs über die ersten Alltagsenttäuschungen bis hin zum Moment, in dem erwogen wird, wieder zurück zu kehren in die (frühere) Heimat und der reverse Kulturschock, nachdem man tatsächlich wieder am alten Ort ist.

Mit einer israelischen Freundin, die exakt den gleichen Zeitraum in Chile ist wie ich, diskutierte ich darüber, in welcher Phase wir uns derzeit wohl befinden mögen. Sie, verbandelt mit einem Chilenen, ist derzeit in der Gründungsphase ihres eigenen Business und sehr euphorisch ob der vielen, relativ unbegrenzten Möglichkeiten, in diesem Land selbstständig zu sein und auch davon leben zu können. Ich, nunmehr endgültig dem Verehrer abgeschworen und in Flirts und Affärchen verwickelt und mit einem festen, sowie einigen Nebenjobs, finde mich in einem Alltag wieder, der genauso ist wie in Berlin. Nichts neues, nur halt am Ende der Welt. Enttäuscht worden bin ich bislang nicht, eher angenehm überrascht, zumindest, was das Leben im Allgemeinen betrifft. Die Enttäuschungen sind wie immer eher emotionaler Natur, aber das ist standortunabhängig.

Es ist durchaus seltsam: ich habe eine Stadt gegen eine andere getauscht, ein Land gegen ein anderes, die Sprache und ein soziales und berufliches Umfeld gewechselt. Man könnte sagen, wie ein Hemd, das zu eng oder unmodisch geworden war. Das neue fühlt sich gut an, ist unbefleckt, aber so ganz das Lieblingsstück ist es noch nicht geworden. Aber es passt, es ist dem Anlass angemessen. Also alles normal.

Keine Höhen, keine Tiefen. Die Freundin sagt: „Vermutlich bist du einfach phasenresistent. Oder du bist zu deutsch.“

Die innere Preußin lebt jetzt in Chile.

 

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