Kaffee-Kultur.

In den meisten Ländern gibt es Kaffee und eine dazu gehörige Kultur. In Istanbul haben der Mann und ich die türkische Zubereitung gekostet, die nicht die meine ist, aber in diesen kleinen Kännchen und mit viel Silbergedöns so hübsch daherkommt. Auch auf den polnischen Zubereitungsprozess mit Bodensatz und Kaffeebrösel im Mund verzichte ich gern. Meinen Kaffee trinke ich am liebsten italienisch, ohne großen Aufwand aus einer Cafetera, die ich auf die Gasflamme stellen kann.

Der Mann hingegen hatte. kurz bevor wir uns kennenlernten, eine superduper Espresso- und Kaffeemaschine erstanden. Mächtig schwer, mit Ventilen, Druckanzeiger und einer halben Stunde Vorheizzeit. Laut zudem. Der mit ihr produzierte Kaffee, Espresso und Milchschaum war absolut professionell und sah immer ungemein köstlich aus. Allein: er war mir egal. Mir reicht, wie gesagt, die Cafetera-Variante, ganz ohne die Bernsteinfarbene Crema, die der Mann im Laufe der Zeit immer weiter perfektionierte.

Heute nun habe ich sie mitsamt Mühle, Tamperstation und Sudschublade – alles feinste Markenware und wie die Maschine auch höllisch schwer – verkauft. Der Käufer kam mit seinem schwarzafrikanischen und ebenso kinnbärtigen, traditionell gekleideten Kompagnon, und ganz gegen meine sonstige Gewohnheit hielt ich spontan meine Hand zum Grußschütteln hin. Er zögerte kurz und sagte etwas verlegen: „Nein, bitte nicht, ich darf nicht.“ Ich verstand sofort: ein Muslim, der nur die Regeln seines Glaubens befolgt. Ich antwortete: „Kein Problem. Kommen Sie rein.“ Die Herren zogen beim Betreten der Wohnung die Schuhe aus, was mir gefiel. Das machen die wenigsten Menschen von sich auch. Wir sprachen kurz über die Maschine, über den sehr auf die ordnungsgemäße Wartung bedachten Mann und dass ich sehr froh bin, die Maschine zu verkaufen. Ich gab die Bedienungsanleitungen mit und nach der Übergabe des Geldes verabschiedete ich die vollbepackten Herren. Der Käufer drehte sich auf der Treppe noch einmal um und sagte: „Allah beschütze Sie auf Ihrer Reise.“

Wir hatten nicht über meine Weltreise gesprochen.

Wissen Sie, ich finde jeder soll seine eigene Kultur haben. Egal, ob man sich die Hand schüttelt oder nicht, ob man Bart trägt oder nicht, ob ich zum fliegenden Spaghettimonster bete, zu Gott, Allah oder ein Anhänger Buddhas bin. Über Kopftücher müssen wir nicht sprechen. Und welche Zubereitungsart für Kaffee man auch immer bevorzugen mag: das ist doch alles gar nicht wichtig. Es reicht doch auch ein freundlicher Respekt füreinander und ein wenig Menschlichkeit.

Ein Gedanke zu „Kaffee-Kultur.

  1. Eine schöne Begegnung. Wie schön, dass die Weltreise schon bei Dir zu Hause anfängt. Möge Dich das begleiten und mögen Dich noch mehr solcher Begegnungen auf Deinem Weg um die Welt begleiten. (Vielleicht ja auch in der ein oder anderen Disco 😉 )

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