WMDEDGT 02/20.

Wie immer gehen die Dankesreden an Frau Brüllen, die den 5. eines jeden Monats als Tagebuchblog-Tag ausgerufen hat.

Ich wachte um 7.25 Uhr auf, fünf Minuten vor Weckerklingeln, und hatte den Eindruck überhaupt nicht geschlafen zu haben. Das kann einerseits daran liegen, dass ich zurzeit wirklich schlecht schlafe. Das heißt: schlecht ein, schlecht durch und tief. Woran das liegt? Keine Ahnung. Der Jetlag kann’s jedenfalls nicht sein, denn die Zeitverschiebung beträgt zurzeit nur 4 Stunden und auch in Chile schlafe ich seit ungefähr drei Monaten schlecht. Vielleicht sind es ja schon die Wechseljahre, von den Schlafstörungen habe ich gehört. Nun denn, es half ja nichts: aufstehen, anziehen, frühstücken. Um kurz vor neun war ich mit allem fertig und räumte die Wohnung noch ein wenig auf, denn ab 10 Uhr wollte der potenzielle Untermieter vorbeikommen. In der Wartezeit stellte ich noch einige Artikel für die Wochenzeitung ins Web. Nix mit Ferien, ich hatte mich verpflichtet, die ausgewählten Printartikel auch während meiner zweiwöchigen Urlaubszeit vor den eigentlichen dreiwöchigen Redaktionsferien (ja, sowas gibt’s!) zu arbeiten und dafür eben – plus Abgeltung gesammelte Überstunden – keinen Lohnabzug für unbezahlten Urlaub zu erhalten. Ein Deal, der nicht überall in Chile möglich wäre.

Der potenzielle Untermieter informierte mich, dass er es erst gegen 12 schaffen würde. Immer noch im angegebenen Zeitfenster, aber ich wurde ein wenig unruhig, denn ich wollte unbedingt  noch vor 13 Uhr aus dem Haus. Der nächste Termin im Oderkaff stand nämlich an, wie bereits an den Tagen zuvor. Da für die Erbangelegenheiten noch einige Papiere fehlten, musste ich diese entweder nachliefern oder vom Anwalt beantragen lassen. Plus die Schlüsselrückübergabe für das Haus. Ich hatte eigentlich gehofft, diese bereits in der kommenden Woche an die neuen Eigentümer übergeben zu können, aber da hatte mir das Grundbuchamt mit der Anforderung eines Erbscheins einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ohne Erbschein keine Grundbuchberichtigung zu meinen Gunsten, ohne letztere keine Auflassung für die neuen Eigentümer, ohne Auflassungseintragung kein Geld. Nun ja. Rechtspfleger sind unterschiedlich streng, aber nachdem bereits vom Nachlassgericht eine Information der Rechtmäßigkeit (aber eben kein Erbschein) an jenen geschickt worden war, fragt man sich halt doch: warum? Wie dem auch sei, ich wartete, er kam und wir verbrachten einen Kaffee miteinander und stellten fest, dass es ja eigentlich die Ideallösung für beide sei, wenn er einziehen würde.

Als dieser Termin um 13.30 Uhr vorbei war, sputete ich zur Tram, um den Regionalexpress zu erwischen. Mittagessen hatte ich vergessen, nur um eine knappe Stunde später am dortigen Bahnhof Hunger zu schieben. Aber es half nichts, denn ich war ohnehin schon knapp in der Zeit und ich musste sowohl zum Notar als auch zum Anwalt, beide in weit auseinanderliegenden Vierteln ansässig. Nach Erledigung der Termine gönnte ich mir beim ehemaligen Bäcker des Vertrauens ein saftiges belegtes Brötchen und machte mich auf den Weg zurück nach Berlin. Leider verpasste ich den ersten der halbstündig fahrenden Regionalexpresse, sodass ich doch erst um halb acht abends in Berlin ankam. Die gesamte Rückfahrt schwebte vor meinem inneren Auge ein Döner „mit alles“ und diesen holte ich mir, bevor ich samt Beute nach Hause trabte. Ich aß mit großem Genuss und schaffte es auch, kein einziges Fitzelchen Füllung noch Sauce auf mir oder dem Sofa zu verteilen. Schon allein deshalb küre ich diesen Tag zu einem der erfolgreichsten der Woche.

Ich telefonierte noch mit der Freundin, mit der ich am nächsten Morgen um 9 Uhr in Richtung Wellnesstage an die Ostsee abfahren wollte und sah mir auf Netflix noch eine Folge von „Peaky Blinders“ an. Nett.

Um halb zwölf wurde ich hundemüde, aber der Caballero rief noch an und hatte Redebedarf. Sein Projekt läuft gerade – gelinde gesagt – Scheiße und es sieht aus, als würde auch er von der Krise in Chile erfasst werden. Nicht nur kleine und mittlere Unternehmen entlassen Mitarbeiter oder dünnen die mittleren Führungsetagen aus. Für jemanden, der sowieso kurz vor dem Rentenalter steht wie der Caballero und der zwei studierende Kinder sein eigen nennt, wird es langsam prekär. Ich lieh ihm mein Ohr und versprach, ihn nach meiner Rückkehr bei seinem Kulturfestival, auf dem er Einsatz haben wird, zu besuchen.

Um viertel nach zwölf schlief ich wie ein Stein ein.

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