Plastikologie.

Es scheint ja bei vielen (Frauen wie Männern) ein gut gehütetes Geheimnis zu sein, was man so alles an sich machen lässt, um dem Alterungsprozess entgegen zu wirken. Hollywoodstars faseln da ja ganz gerne mal von drei Litern Wasser täglich, mindestens acht Stunden Schlaf und gesunder Ernährung samt Yoga-Workouts. Dass die meisten Aktricen und Schauspieler bereits mit Mitte 30 ein Soft-Lifting machen lassen, mit Botox und Fillern arbeiten, und ansonsten arg hart für ihre Traumkörper arbeiten müssen, ist dem (deutschen) Ottonormalkörperhirn nur schwer zu vermitteln. Zumal oft das Credo herrscht: Ich altere in Würde, ich lasse nichts machen, meine Werte sind andere oder innerlich. Geschenkt. Jeder, wie er soll und mag.

Ich für mich habe entschieden, dass ich das eine oder andere machen lasse, um mir selbst und meinem Anspruch an das gefühlte Alter zu genügen und natürlich auch, um bei den jüngeren Männern besseren Schneid zu haben. Letzteres stimmt zwar nicht, ich bin altersmäßig sowohl nach oben als auch nach unten sehr flexibel, aber die Aussage entspricht vermutlich dem männlichen Duktus. Sie bekommen jetzt mal exklusiv meine Antiverfallserscheinungsstory zu lesen und dürfen gerne Fragen stellen oder kommentieren.

Seit 2014 gibt es ein- bis zweimal jährlich die Mindestmenge an Botox in meine Stirn, um die fiesen Querfalten ein wenig zu entspannen. Mimik bleibt zum größten Teil erhalten und wenn das von Profis gemacht wird, zieht es auch die Augenbrauen nicht in irritierende Ecken. Meine Augen selbst bleiben Botox-frei. Die Fältchen rundherum finde ich schön und Lachen an sich muss auch weiterhin mit den Augen möglich sein.

Vor einigen Jahren habe ich mir die Lippenkontur auffüllen lassen. Ich spreche mit sogenanntem „spitzen“ Mund und sehr aktiv. Daher entstehen mit der Zeit Falten an der Oberlippe, ähnlich wie bei Rauchern. Das war sehr dezent, nicht mal der Mann hat es gemerkt und der war ja immerhin Dermatologe mit äußerst scharfen Augen. Ein wenig mehr Volumen gab es daher schon, aber ich bin weit entfernt von Schlauchbootlippen.

Da ich Merkel-Mundwinkel bekommen habe – möglicherweise wegen des Kummers, kann aber auch genetisch sein -, lasse ich mir nach Notwendigkeit Hyaluron unterspritzen.

Filler in die Nasolabialfalten habe ich einmal machen lassen, aber das ist nicht akut und ich finde, man sieht diese Filler meistens viel zu sehr um schön zu wirken.

Seit eh und je habe ich tiefe Augenringe, da kann ich hollywoodlike so viel schlafen wie ich will. Vor einigen Monaten las ich über die Möglichkeit, Augenringe durch Hyaluron aufzufüllen und abzumildern. Ich beriet mich daraufhin mit dem Plastikolgen meines Vertrauens hier in Chile (Freund eines Freundes und einer der Spitzenleute). Der sah da kein Problem und machte mir einen Freundschaftspreis. Normalerweise kostet das ca. 450 Euro. Er korrigierte nach zwei Wochen einmal nach, weil ein Auge mehr Filler angenommen hatte als das andere, aber jetzt sehe ich sehr viel erholter und entspannter aus.

Summa summarum habe ich in den vergangenen sechs Jahren rund 2500 Euro in mein Gesicht investiert. Dass ich da sehr privilegiert bin, ist mir bewusst.

Ich bin gerade sehr zufrieden und sehe mit fast 50 gut acht bis zehn Jahre jünger aus.

Und Sie so?

6 Gedanken zu „Plastikologie.

  1. Bislang ist meine einzige Maßnahme gegen das älter Aussehen, die grauen Haare zu überfärben (dies allerdings auch schon seit über 20 Jahren – schönen Dank an Vaters Gene). Aber ich lese Deinen Bericht mit großem Interesse. Eine wirksame Maßnahme gegen die tiefen Augenringe, DAS wäre mal was!
    Was mich abschreckt, ist die Sorge, an jemand unseriöses zu geraten, der mehr verspricht, als er halten kann, oder schlicht handwerklich minderbegabt ist. Ein verpfuschter Haarschnitt ist nach sechs Wochen vergessen und lässt sich notfalls mit Bändern und Tüchern kaschieren, aber so ein Eingriff im Gesicht, wenn der schief geht… *schauder*

    • Deswegen sollte man zu einem ausgebildeten Dermatologen mit einer Spezialisierung gehen. Es gibt eine Menge Chirurgen, die sich auf plastische Chirurgie geworfen haben und nebenbei Filler machen. Nach Meinung einer Dermatologin, der ich mal nicht unterstelle, dass sie Kollegenbashing nötig hat, haben die wenigsten jener das Händchen, die Haut und Hautunterschichten sensibel zu behandeln. (Chirurgen werden ja nicht umsonst „Metzger“, Orthopäden „Knochenbrecher“ genannt…)

  2. Ich sehe das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks als ähnliche Verjüngungsmaßnahme: Während mir egal ist, wie alt mich Falten, Dellen, graue Haare aussehen lassen (ohne dass ich mich denen überlegen fühle, denen das wichtig ist), möchte ich doch bitte sehr gerne nicht gehen wie eine 80-Jährige. Also lasse ich demnächst mein Gangbild verjüngen, I’m getting a hip job.

  3. Ich war seit Jahren in der Branche tätig, in der für die Rolle einer 50jährigen Upperclass-Gattin mit vier erwachsenen Kindern gern mal eine 38jährige besetzt wurde.
    Natürlich wollen die alternden Frauen mithalten, weil jenseits der 35 die Rollen rar sind. Es geht schließlich darum, auch in Zukunft noch die Miete zahlen zu können.
    Nachdem alle wettbewerbsmäßig in Thirtysomething-Aussehen investierten (und kosmetIsch-plastische Verschönerungen sind heute wesentlich risikoloser, gut abgewogen in Milde und Wirksamkeit und dazu relativ preiswert) gab es plötzlich eine Marktlücke. Es gab keine alten Frauen mehr. Wenn die Geschichte eine nette Omi oder eine alte Lady wollte, gab es sie nicht. Es gab nur perfekt zurecht diätetgesportete, abgesaugte und gezurrte Frauen unbestimmbaren Alters mit erschrockenen Kinderaugen ( bei der Lidstraffung etwas übertrieben). Oder aber die proletarischen die Wrackdarstellerinnen. Ok., ja, Berufszynismus.
    Ich saß mittendrin, merkte den Druck, Kolleginnen erteilten Auflagen, einen Vertrag gäbe es erst, wenn XY sich die Schlupfllider machen ließe, die Z. Könne die Serien-Hauptrolle nicht mehr lange spielen, sie altere vor der Kamera weg, das ließe sich nicht her wegleuchten etc., Fachwechsel ins wahre Alter wurden gefeiert wie Wiedergeburten und als „mutig“ deklariert.
    Ich erlebte eine PR-Frau aus dem Team eines Formel1-Bosses, wo als Frauen nur gutaussehende, selbstredend junge Blondinen arbeiten durften. Sie als erfahrene Profi in ihrem Job hatte alles darangesetzt, dabei zu bleiben und sah aus, als wäre ihr Gesicht durch eine schwere Allergie zu einem Vollmond geschwollen. Zuviel Filler.
    Ich wollte das für mich nicht. Das wußte ich schon Anfang 40. Manchmal schwierig zu ertragen, weil die alte Frau im Spiegel bin ich. Aber mir isses Wumpe. Natürlich hatte ich überlegt, hier und da mal was zu tun. Aber die wenigsten haben das Augenmaß der Frau Wortschnittchen. Oft ist es zu viel, zieht anderes nach sich und vieles altert einfach blöd.

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