Mütter.

In der vergangenen Woche feierte ein Theaterpädagogikprojekt Premiere, das sich mit dem Thema Mütter und ihren Geschichten in der Geschichte befasste. Die beiden Theaterpädagoginnen hatten gemeinsam mit 10 Seniorinnen und Senioren deren Beziehung zu ihren Müttern und die darin verorteten Geschichtskontexte zu einem Stück gestrickt. Nicht zuletzt dank der begehbaren Rauminstallationen, die Oberthemen wie „Zuhause“, „Heimat“ oder auch „Vater“ als Rahmen vorgaben, wurden die geschichtlichen Stationen greifbarer für die Zuschauer. Die Laienschauspieler erzählten Episoden aus dem Leben ihrer Mütter, von Momenten, die ihnen in der Beziehung am prägnantesten erschienen und malten so gleichzeitig nach, wie es den Frauen in der Zeit im und nach dem zweiten Weltkrieg, teilweise als Vertriebene, teilweise als junge DDR-Pioniere, aber auch als schon vorher bettelarme Kleinbauern in Thüringen ergangen war.

Ein Bestandteil des Projektes waren auch direkte Fragen an die kleinen Zuschauergruppen, die von den Laiendarstellern durch die Installationsstationen geführt wurden. Eine der Damen fragte mich direkt, was ich von meiner Mutter gelernt hätte. Ich musste stutzen, denn mir fiel nichts ein. So schob ich meine Großmutter vor, von der ich kochen und haushalten gelernt habe. Mir wollte einfach nicht einfallen, was mich meine Mutter gelehrt haben könnte. Und das tut es bis heute nicht. Das brachte mich im Nachgang doch sehr zum Nachdenken, wie weit der Arm der Mutter-Kind-Beziehung doch ins Heute reicht, selbst, wenn sie eher eine Nicht-Beziehung war und ist.

Nach der – für meine Begriffe – sehr, sehr gelungenen und mitnehmenden Premiere standen wir noch im Foyer und besprachen unsere Erlebnisse. Die Kollegin meinte, dass sie teilweise den Tränen nah war, wenn sie an ihre eigenen Kinder denkt und wie diese vielleicht einmal über ihre Beziehung sprechen würden. Und mir wurde bewusst, dass die Frauen und Männer, die ich soeben über ihre Mütter sprechen sah, meine Elterngeneration sind. Ich habe sie die gesamte (Proben-) Zeit als Großelterngeneration wahrgenommen, die ein gutes Stück weiter weg ist von mir als meine Mutter, der ich mich aber dennoch näher fühle. Meine Mutter wird nächstes Jahr 70 und ist damit genau ein Jahr jünger als die jüngste Laienschauspielerin des Stücks.

Ich bin nicht mehr jung. Und irgendwie habe ich das vergessen.

Edit: Natürlich könnte ich auf das Stück und die Rezensionen verlinken. Aber damit würde ich möglicherweise eine Verbindung schaffen, die ich in meinem Arbeitsumfeld nicht möchte. Googlen Sie selbst, wenn es Sie interessiert. Die Schlüsselworte finden Sie im Text.

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