Jahresendzeitfragebogen 2020.

Letztes Jahr schrieb ich in der Einleitung zum Jahresentzeitfragebogen „Die 20er werden anders sein“. Und was soll ich sagen – schon das erste Jahr des neuen Jahrzehnts überraschte durch eine vorher nie gekannte Andersartigkeit. Es gab ja immer einige Jahre, die für mich persönlich „anders“ waren, weil Lebensereignisse sie einschneidend werden ließen. Aber wenn es auch mein Umfeld in ähnlicher Weise betrifft, ganze Länder und Kontinente – dann ist dieses Jahr ein ausgesprochen denkwürdiges und ich bin gespannt, wie man in einigen Jahren darüber sprechen oder schreiben wird.

Im Rückblick würde ich die Jahre 2001, 2011 und 2016-19 als die Jahre bezeichnen, die für mich in jeder Hinsicht anders waren, ganz unabhängig von den positiven oder negativen Ereignissen. 17 Jahre sind es schon, die ich diesen Jahresrückblick ins Internet schreibe, wie viele andere Menschen auch. Fast schon eine historische Bilanz. Wer – ganz unhistorisch bedeutsam – meine Bilanzen nachlesen mag: Hier entlang. 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004 und 2003.*
*2011 habe ich ausfallen lassen. Aus Gründen.

Kommen wir zu 2021. Das Jahr des Büffels nach dem chinesischen Horoskop wird hoffentlich alle glücklicher machen.

Zugenommen oder abgenommen?
Zwei Dinge haben mich rund und fett werden lassen: Die Ausgangsbeschränkungen der monatelangen Quarantäne und die Hüftbeschwerden. Letztere wurden vom Orthopäden mit striktem Sportverbot und vorsichtigen Übungen belegt. In der letzten Woche vor Jahresende gab er mir endlich das Go wieder langsam mit Sport beginnen zu können. Ich freue mich darauf, denn ich möchte mir nicht schon wieder eine neue Garderobe zulegen müssen.

Haare länger oder kürzer?
Gleich lang und mit der pandemiebedingten Erfahrung, dass ich mir nicht nur selbst die Haare schneiden kann sondern auch ganz gut darin bin, Männern die Haare in eine halbwegs ordentliche Frisur zu schnippeln. Youtube-Tutorials sei dank!

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Blind wie eh und je.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Ein bisschen mehr als im vergangenen Jahr. Ersparnis: Ich ging nicht mehr aus, sparte wegen Selbstkochens am Essen und Reste wurden verwertet. Ich habe viel gekocht und gebacken, ein erstes Mal Lemoncurd und Marmelade selbst gemacht. Außerdem bin ich in eine günstigere Wohnung umgezogen und nicht gereist. Ausgaben: Ich musste eine Wohnung einrichten, was ungefähr den Ausgaben für die geplanten Reisen entspricht. Und der größte Batzen war der Erwerb meiner Vespa im November. Aber ich muss auch gestehen, dass ich durch Erbschaften und Aktienverkäufe so viel Geld wie noch nie auf meinen Konten habe und es bislang nicht angerührt habe. Ich muss mir überlegen, wie ich 2021 investieren möchte.

Der hirnrissigste Plan?
Dieses Jahr verlief ausgesprochen ruhig in Bezug auf hirnrissige Pläne. Pandemiebedingt aufgeschoben aber nicht aufgehoben, hoffe ich doch. Hirnrissige Pläne sind toll.

Die gefährlichste Unternehmung?
Wäre in diesem Jahr 2020 jede Begegnung mit anderen Menschen gewesen. Jeder menschliche Kontakt außerhalb der eigenen vier Wände hätte für mich Krankheit und im schlimmsten Fall Tod bedeuten können. Das sollte ich nicht vergessen, denn es ist noch nicht vorbei.

Das beeindruckendste Buch?
Dieses Jahr habe ich mich überwiegend auf Fachliteratur beschränkt. Ich habe ein zusätzliches Unterrichtsfach übernommen und musste meine Studieninhalte wiederholen. Daher: alles zu BWL und VWL gelesen, was ich fachlich umsetzen wollte.

Der ergreifendste Film?
Dieses Jahr könnte ich auch als mein Netflix-Jahr benennen. Während der monatelangen Ausgangssperre habe ich viele, viele Serien und Filme gesehen. Bei den Serien kann ich bislang Ozark und Better call Saul empfehlen, auf den letzten Metern hat mich noch Bridgerton angenehm überrascht. Viele Filme sind mir nicht in Erinnerung geblieben. Aber ich habe mich sehr über „Er ist wieder da“ mit einem großartigen Oliver Masucci amüsiert. Und Christoph Maria Herbst ist auch immer ein Garant für gute Drehbuchwahl.

Das beste Theaterstück?
Das beste nun nicht gerade, aber das einzige. Während des ganzen Januars findet hier in Santiago das Theater- und Kulturfestival Santiago a mil statt. Und ich hatte für meinen Geburtstag Karten für die Zauberflöte des deutsch-chilenischen Theatermachers Antú Romero Nunes im Kulturzentrum Matucana ergattert. Was in dieser Inszenierung von der Mozartschen Zauberflöte übrig blieb, war wenig. Umso mehr wurde (lateinamerikanische) Gesellschaftskritik mit absurd-burlesken Stilmitteln inszeniert. Mir war es ein wenig zu plakativ und ich habe auch nicht alle Anspielungen verstanden, aber es gefiel dem überwiegend jungen Theaterpublikum – ganz anders als dem begleitenden Caballero, dessen rechtskonservative Grundeinstellung sich auch in seinem Kulturgeschmack niederschlug und der um ein Haar wütend aus dem Theatersaal gestürmt wäre.

Das beste Lied?
Immer noch und immer wieder „Quero ser feliz tabem“ von Natiruts.

Das schönste Konzert?
Wegen Pandemie ausgefallen. Ich hatte Karten für Soda Stereo im Mai, aber nun ist dieses Konzert auf unbestimmte Zeit verschoben.

2020 zum ersten Mal getan?
Unter Pandemiebedingungen gelebt. Und eine Art eigene Familie bekommen: „Du bist jetzt meine Plus-Mama. Ich habe dich lieb.“ (Tränchen verdrückt.)

2020 nach langer Zeit wieder getan?
Mit jemandem zusammengelebt und dann getrennt. Einen Job gekündigt. Mich verliebt.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Arbeiten. Dem Hund.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Dem Wundertütenmann und seiner Tochter. Und dem Hund, dem sowieso.

Vorherrschendes Gefühl 2020?
Ich möchte hier raus.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Pandemie. Pandemie. Pandemie.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass es Momente gibt, in denen man Verantwortung abgeben kann, weil der andere stark genug ist, sie zu übernehmen.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
„Du bist mein Geschenk. Du machst mich zu einem besseren Menschen.“

Ich lasse das mal so stehen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Mir die Angst davor zu nehmen, eine Familie zu haben und zu leben.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Siehe unter schönstes Geschenk, das ich jemandem gemacht haben mag.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Du warst der Motor, der mich dazu gebracht hat, mein Leben zu verändern. Dafür werde ich dir mein ganzes Leben dankbar sein.“
Der Ex-Verehrer und ich haben uns ausgesprochen und es ist gut so.

2020 war mit 1 Wort…?
Erinnerungswürdig.

2021, du hast es in der Hand, den Planeten und die Menschen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wir alle sind 2020 ins Taumeln geraten und möchte wieder einen geraden Weg gehen können.

(Außerdem werde ich 50 und möchte das neue Jahrzehnt mit guten Vibes beginnen. Go, 2021.)

Ein Gedanke zu „Jahresendzeitfragebogen 2020.

  1. Ich bin letztes Jahr im Januar 50 geworden, da sah es noch nach einem tollen Jahr aus … ich wünsche Ihnen das Ihre 50 so viel besser wird! Rundherrm besser, fröhlicher, freier … viel Spaß!

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