All(Tag).

Langsam werden die Häuser niedriger, die herbstlich bunten Bäume dichter, und endlich verlässt der Zug die große Stadt. Felder ziehen an mir vorüber, kleine Dörfer. Eigenheimsiedlungen für die Großstadtmüden, die nur ein ganz klein wenig an amerikanische Vorstadthöllen erinnern.

Der Regen bettet alles in ein weiches Tuch. Tropfen an der Fensterscheibe ziehen sich zu langen Wasserschlieren und über allem singt Anna Depenbusch:

Stumm und leise gehst Du auf die Reise
Schwerelos, ziehst Du Kreise durchs tiefblaue All
Du schaust in die Ferne, Du brauchst nur die Sterne
Astronauten sind gerne, für sich allein

Ich schaue in den Himmel und denke an den Astronauten, der mich so lange begleitet hat. Er zwinkert mir zu und nimmt meine Hand. „Komm“, sagt er, „ich nehme dich mit, willst du mit mir fliegen?“ Und ich fliege mit ihm, die Regentropfen peitschen mir ins Gesicht, bis sie zu Eis werden und mit einem kleinen, zärtlichen Geräusch an meiner Haut zerplatzen und zurück zur Erde fallen. Höher, immer höher, wir verlassen den Mantel, der die Erde umgibt.

Zwischen Planeten spielst Du blinde Kuh
Unbeschreiblich diese Aussicht, dieses Licht
Du jagst nach Raketen und bunten Kometen
Nur das Leben hier unten siehst Du nicht

„Halt“, sage ich. „Ich möchte das nicht. Ich will zurück. Da unten ist das Leben. Lass mich los.“ Er schaut traurig. Dann nickt er. „Geh“, antwortet er und gibt mir einen kleinen Schubs. Ich falle, falle immer schneller. Ich stürze, gleich werde ich aufschlagen und zerschmettert auf dem Boden liegen, in kleinen Eiskristallen verstreut, die langsam schmelzen. Bis nichts mehr von mir übrig ist.

„Die Fahrkarten, bitte.“

Adieu, Astronaut. Ich mache mich auf meine Reise. Aber ich sehe manchmal in den Himmel und zwinkere dir zu.

[Was schön war] #kw42.

Eine Woche ohne Chef ist auch mal schön.

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Die Schwiegermutter hat sich entschieden, in ein Seniorenheim zu ziehen. Nun soll ich ihr helfen, das richtige herauszusuchen und alles mit ihr zu organisieren. Das tue ich gern, weil ich mir doch zunehmend Sorgen um sie mache. Mit 77 ist sie – mit einigen Grunderkrankungen versehen – auch sehr auf sich selbst zurückgeworfen. Ich kann ihr den Sohn nicht ersetzen, aber wenigstens ein bisschen mental unterstützen. Was das Tagesgeschäft betrifft, so hoffe ich, dass wir eine gute Einrichtung für sie finden, in der sie sich noch einige Jährchen wohlfühlen kann. Allein, dass sie ihr Leben nun wieder aktiv in die eigene Hand genommen hat, ist schön.

Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich bald zwei Drittel meines Lebens gelebt haben werde. Bei guter Führung bleiben mir vielleicht noch 30 Jahre Leben, plus minus ein paar Jahre. Falls sich allerdings die Gene der weiblichen Mitglieder der Vaterfamilie durchsetzen, könnte ich die 90 gut erreichen. Was werde ich mit diesem Leben noch anfangen, und wie werde ich erst (über)leben, wenn ich so alt bin wie meine Schwiegermutter heute?

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Zunächst einmal fange ich mich den Vorbereitungen für die geplante Reise Ende Februar an. Nach den ersten Recherchen zu Flugpreisen und -dauer bin ich schon wieder schwankend geworden. Im schlimmsten Fall bin ich fast 2 Tage unterwegs, um 10 Tage Asien zu erleben. Das erscheint mir gerade sehr anstrengend. Sri Lanka als Alternativziel rückt wieder in den Fokus. Dort war vor einiger Zeit Andrea Diener, deren Fotos und Erlebnisse ich immer gern verfolge, und es hat mich wieder neugierig gemacht auf die Gewürz- und Teeinsel.

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Vor einigen Tagen kam eine E-Mail mit einer Todesmeldung. Der letzte Hippie sei verstorben. Farewell, Claude, du hast mir ein wunderbares Abenteuer und deine Geschichten geschenkt, an die ich heute noch sehr gern zurückdenke.

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Ein Opernbesuch am Dienstag, an den ich ebenfalls gern denke, denn neben der unterhaltsamen Musik und der Entdeckung, dass mir der berühmte Ben Becker im Restaurant die Türe aufgehalten hat, erheiterte mich vor allem die Begleitung.

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Einen guten Film gesehen: Frantz. Ganz großartige, dicht erzählte Geschichte mit überraschenden Wendungen und einer überragenden Paula Beer in der Hauptrolle.

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Im Auto vor dem Haus sitzen und quatschen, während langsam die Scheiben beschlagen und draußen der Herbst vor sich hin nebelt. Gemütlicher ist wohl nur ein Kaminfeuer.

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Erwähnte ich schon, dass das Internet toll ist? Durch Alexander von Kettenritzel habe ich den Tipp erhalten, wo ich einen guten Rollerschrauber in meinem Kiez finde. Und was soll ich sagen: Er mag meine Vespa. „Wir bringen das Schätzchen schon gut über den Winter.“ Internet ist toll, erwähnte ich möglicherweise ja irgendwo.

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Ich habe einen neuen Fan. Er ist bald zwei Jahre alt und ich glaube jetzt gern, dass Kinderspucke am Hals Glück bringt.

Verlernt.

Das ungute Gefühl, mich aufgedrängt und missverstanden zu haben. Ich habe es anscheinend verlernt, andere Menschen zu lesen. Nun, dann packe ich das Lächeln vorerst wieder ins Schließfach und schalte um auf inneren Herbst.

[Was schön war] #kw41.

Es sind die kleinen Momente der Schönheit. Nichts Großes, nur ein Hauch von Zufriedenheit, von innerem Frieden.

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Ein Dorf besucht, aus beruflichen Gründen. Der Ortsvorsteher führte mich voller Stolz durch seine auf märkischem Sand gebauten Feldsteinhöfe und erzählte mir die Dorfchronik wie auch seine eigene Geschichte, die in einem der Höfe begann. Ich durfte Pferde streicheln, mit einem schüchternen Esel schäkern und hörte über mir die Wildgänse und Kraniche rufen. Wie wäre es wohl, auf dem Land zu leben? Eine hübsch romantische Stimmung erfasste mich.

Das dachte sich wohl auch der Ortsvorsteher, der sogleich begann, Werbung für das Wohnen im Dorf zu machen. Drei Höfe gäbe es, die wohl mit dem in den kommenden Jahren zu erwartenden Ableben ihrer Bewohner von deren Erben verkauft würden. Günstig, denn man wolle ja auch nur an Menschen verkaufen, die es wert seien. Es gebe übrigens Breitbandinternet, sein ganzer Stolz. Und Reitbeteiligungen, die hätte er auch zu vergeben. Ob ich denn nicht…?

Ach nein. Ich bin kein dauerhafter Landmensch. Immer gern ein, zwei Wochenenden hintereinander, aber dann treibt es mich wieder in die Stadt. Außerdem: möchte ich wirklich so eng mit anderen Menschen verbunden sein wie die Menschen auf dem Dorf? Das wäre nur möglich, wenn ich mich mit einem der Dorf-Menschen verbinden würde. Den gibt es aber nicht. Aber dafür schöne Fotos.

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Es wäre schön gewesen, einfach und ein Stück Sicherheit für das Alter. Eine schöne Wohnung, gut vermietet, in einer sehr guten Gegend, okayer Zustand. Dann der Anruf der Maklerin: der Eigentümer möchte lieber doch an seinen Bruder verkaufen, man ziehe sich zurück. Nun, es kommt alles, wie es kommen soll. Vielleicht ist es doch der Hof? Kleiner Scherz.

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Kleine Tagträume. Man wird doch wohl noch mal träumen dürfen. Halt, stopp, nicht aufwachen…! Mist. Ach, aus der Traum. Andere Mütter haben auch hübsche Söhne. Hat er eben Pech gehabt.

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Silvester. Ein Platz für mich sei am Tisch freigehalten.

 

Sex im Alter.

jungbrunnenWissen Sie, man kann sich nach einer solchen, von einem durchaus charmanten Herrn hoch in seinen Siebzigern geäußerten, Bemerkung schon ein wenig alt fühlen. Was mich aber dazu brachte, darüber nachzudenken, wie das denn so ist und sein könnte, als älterer Mensch mit dem Flirten, aber auch mit dem Sex. Und was genau ist überhaupt Alterssexualität?

Fangen wir mal der Definition des Begriffs an. Als ich mich durch Wikipedia und einige andere Seiten mit soziologischen Einordnungsversuchen las, erschreckte mich vor allem die Aussage, dass altersbedingte Veränderungen der Sexualität bereits um das 40. Lebensjahr entstehen„. Hui! So früh?

Aber es stimmt in der Tat. Nicht nur, dass sich mit Anfang 40 meiner Erfahrung nach manche Ansichten deutlich ins Konservative drehen, Äußerlichkeiten weniger Wichtigkeit beigemessen wird und es allgemein eher um eine schonendere Nutzung zunehmend schwindender Energiereserven geht. Natürlich ist nach etlichen Jahren Beziehung, ein bis mehreren Kindern und dem ganzen Kram, der einen immer ablenkt, möglicherweise auch das Sexualleben zweit- bis x-rangig geworden. Wiederbelebungsversuche inbegriffen. Aber bisweilen, so die einhellige Meinung der befragten Freundinnen, ergibt man sich dem Umstand, sich zu alt und müde zu fühlen. Und gibt den Sex ab 40 zwar nicht völlig auf, aber nimmt ihn eben als eine abgeschwächte Version früherer Leidenschaft hin.

Kommt dann noch bei den Damen das Klimakterium samt körperlicher Veränderungen im Untenrumbereich und bei den Herren ein neues Hüftgelenk, eine Midlife-Crisis oder Potenzprobleme hinzu, wird es noch schwieriger. Auch (Zivilisations-)Krankheiten lassen die Lust auf ein Minimum schrumpfen. Natürlich gibt es Hilfsmittel. Gleitgel, Sexspielzeug, Medikamente – alles kann helfen. Aber manchmal hilft wohl nur das Internet.

Ich las mich durch weitere Seiten und Erfahrungsberichte der Generation Silbersee. Was die Damen und Herren dort beschreiben, liest sich oft, als ob ein Umbruch notwendig gewesen wäre, um wieder Spaß am Sex und überhaupt Sex zu haben. Und das Internet spielte eine große Rolle, denn es hat offenbar erst ermöglicht, Sexpartner zu finden oder über LeidgenossInnen Zugang zu Lösungsansätzen. Stellen Sie sich mal vor, wie das früher war: man ging in den Puff (Männer), suchte sich einen neuen Mann im Kegel-Verein (Frauen) oder entsagte der körperlichen Liebe. Heute klickt man sich durch das WWW und hat die Qual der Wahl – wenn man möchte.

Rat und Tat lässt sich also gut finden. Als Frau sollte man aber darauf gefasst sein, dass die meisten Hinweise auf Frauenportalen in Rollenbildern und Äußerlichkeiten erstarrt bleiben. Ratschläge à la „so gefällst du ihm auch noch jenseits der 50“ oder „Lichtdimmen hilft“ sind meiner Meinung nach eher dazu geeignet, das Frusträdchen noch eine Stufe weiter zu drehen.

Dazu passt ja auch ein wenig der Kommentar meines Friseurs, mit dem ich ganz unbefangen über jeden Blödsinn plaudere (und der natürlich auch immer die guten Geschäfte im Blick behält):

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Das Gefundene beschreibt aber überwiegend die Generation Ende fünfzig bis oben offen, also jene, für die das Internet ein Hilfsmittel ist, aber kein Zuhause, wie für die meisten Menschen, die ich kenne. Wie werden wir – digital natives oder residents – einmal unser Sexleben im Alter gestalten? Welche sozialen Netzwerke und Codes werden wir nutzen, um uns einander anzunähern? Und wann geht es von der Digitale in die Horizontale? Wie sehen Sie das?

Ich bin gespannt. Und habe mir natürlich heute die Haare gefärbt.

Edit: Gemerkt, dass in diesem Thema noch viel mehr steckt und der Text noch überarbeitet und ergänzt werden muss. Stay tuned.

Geister.

Kennen Sie auch alle diesen Film mit dem jungen Patrick Swayze: „Ghost – Nachricht von Sam“? Diese unsägliche Töpferszene, Sinnbild für erotische Sauerei, nur übertroffen vom auf ewig verdorbenen Boléro in „Zehn – Die Traumfrau“?

Ist ja auch egal. Auf jeden Fall gibt Sam in seiner Zwischenwelt keine Ruhe und bleibt bei Molly, um ihr auch weiterhin nahe zu sein. Meine Geister sitzen des Nachts auf der Bettkante und plaudern ganz beiläufig über dies und jenes. Meine Großmütter, mein Großvater und meine Urgroßmutter – alle waren sie schon zu Gast und lächelten in ihren Altersgesichtern, ganz so, wie ich sie zu Lebzeiten kannte. Ich habe keine Angst vor Geistern. Sie sind gut zu mir und ein Teil des Lebens. Da bin ich sehr nah bei der asiatischen Lesart von Leben und Tod, von Ahnen und Schutzgeistern. Das gute Gefühl, dass sie auf mich aufpassen.

Den Mann habe ich noch nicht gesehen. Aber ich habe auch so gut wie nie zu seinen Lebzeiten von ihm geträumt. Falls er mich aber einmal besuchen kommt, lasse ich gern von Ihnen grüßen.

 

[Was schön war] #kw40.

Der Montag war ein Feiertag und den Dienstag hatte ich mir auch noch freigenommen, um einen Banktermin im Weserbergland wahrnehmen zu können. Das hieß: noch zwei Tage länger Familie, mehr Essen, mehr Trinken.

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20161004_164223_resizedVon Reisen bringe ich immer gern Alltagsgegenstände mit. Oder Kunst. Das Gemälde aus Vietnam in meinem Wohnzimmer erfreut mich jeden Tag aufs Neue. Muss ja keiner wissen, dass es mit uns zum Schutz zusammengerollt in einem Abwasserplastikrohr durch das Land gereist ist. So geht man doch nicht mit Kunst um! Aus dem Weserbergland habe ich Wurst mitgebracht. Sie haben dort einen ausgezeichneten Fleischer und Metzger, dessen Leber- und Hausmacherwurst mich immer wieder begeistert. So habe ich mich für kriegsähnliche Zeiten damit bevorratet.

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Es regnete die halbe Woche, sodass ich die Vespa stehenließ und mit den Öffentlichen fuhr. Durch den Regen zu radeln war aber auch schön.

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Einen Jobtermin in einem der zahlreichen Ortsteile gehabt und morgens über schmale Landstraßen gefahren. Kleine Nebelbänke auf den Feldern, dazwischen die Ahnung einer Rehwildherde. Die Unmittelbarkeit der Natur im Frühherbst bringt mich immer in eine friedliche Stimmung.

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Auf einer katholischen Taufe eingeladen gewesen und mich sehr geehrt gefühlt, da ich als ehemalige Chefin doch gar nicht so in den engen Kreis gehöre. Der Franziskanerpater sprach mit deutlich bayrischem Dialekteinschlag und gestaltete die Zeremonie so kurzweilig und den Menschen zugewandt, dass er mich fast mit den langweiligen und steifen Messen meiner Kindheit versöhnte. Ich bin zwar nach wie vor froh, aus der Kirche ausgetreten zu sein und bezeichne mich als Agnostikerin, aber ich sehe, wie Rituale Menschen erfreuen, beruhigen und stärken können.

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Wieder sehr schöne Essenseinladungen gehabt. Das sollte man viel öfter machen, dieses gemeinsam und unprätentiös zu Abend essen.

WMDEDGT 10/16.

Frau Brüllen fragt, was wir eigentlich den lieben langen Tag so machen und zwar immer am 5. eines Monats. Da ich derzeit auf jeden Zug aufspringe, mache ich ab sofort auch mit.

Um fünf vor sieben klingelt mein Wecker, weil ich heute meine Haare nicht waschen muss. Wenn ich meine Haare waschen möchte – also jeden zweiten Tag, denn sonst sehen sie nach Sauerkraut und Rüben aus -, stehe ich um viertel vor sieben auf. Heute dauerte das Aussuchen der Kleidung länger als sonst, denn am Nachmittag war eine festliche Veranstaltung angesagt, die ich mit meiner Anwesenheit beehren musste. Ich habe mich für ein schwarzes Cocktailkleid mit meiner dunkelroten chinesischen Jacke entschieden, dazu blickdichte Strümpfe und hohe Schuhe. Zum Mitnehmen und dann auf der Arbeit anziehen. Angezogen habe ich es dann doch nicht, weil die als „Herbstball“ titulierte Veranstaltung mitnichten Ball- oder Cocktailgekleidete Menschen erfreute, sondern allenfalls festlich gekleidete oder halt eben einfach so gekleidete. Immerhin: mein normales schwarz-weiß gemustertes Kleid passte perfekt zur Krawatte des Bürgermeisters. Wenn das mal kein Gerede gibt.

Um kurz nach acht, nach einem schnellen Frühstück, ein bisschen Twitter-, News- und Blogschau, stieg ich bei feuchten 11 Grad auf die Vespa, um zum Regionalbahnhof zu fahren. Das dauerte heute länger als die sonst üblichen 15 Minuten, weil ich keine Lust auf riskante Fahrmanöver bei nasser Straße hatte. So kam ich gerade rechtzeitig am Bahnhof an, um dann im Städtchen am Bahnhof auf mein nasses Fahrrad zu steigen und zur Arbeit zu fahren.

Dort habe ich mir erst einmal die gefühlt 1.000 Mails durchgelesen, von denen mich wirklich keine einzige ernsthaft betraf (ich muss das unbedingt ändern), eine private Antwortmail geschrieben und telefoniert. Viel telefoniert. Sehr viel telefoniert.

Zu Mittag holte ich mir vom Wochenmarkt ein frisches, knuspriges Kaiserbrötchen und einen nicht ganz so leckeren Hähnchenschenkel. Freitags ist der andere Hähnchenbrater auf dem Markt, der macht unschlagbar gute Hähnchenkeulen. Naja, der Hunger trieb’s rein.

Am Nachmittag die besagte festliche Veranstaltung, ich musste Weiterlesen

[Was schön war] #kw39.

Die Woche fing erst einmal eher mau an, steigerte sich aber zum Ende hin, so dass die Gesamtschau durchaus ein wenigstens „mittleres schön“ ergibt.

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Sollte ich jemals einen Roman schreiben, so wird er „Die Pendlerin“ heißen und in einem Regionalexpress spielen. Sie glauben nicht, was man sowohl an menschlichen als auch organisatorischen Dramen in den maximal 25 Minuten Regioexpress morgens und abends erleben kann.

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Nicht immer schön, aber immer unterhaltsam. Und wenn es mich nervt, stöpsele ich Musik ein.

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Der Patensohn und ich haben nun eine Verabredung für die Herbstferien. Wir gehen Trampolinspringen. Es war nicht ganz leicht, einen Termin zu finden, denn: „Wir müssen mal schauen, ich habe so viele Verabredungen!“ Aus ihm wird mal ein ganz Großer, vor allem, wenn er dereinst eine Sekretärin für seine Terminplanung hat.

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Die Freundin hat sich nun entschieden, nicht nach Kambodscha mitkommen zu wollen. Einerseits bin ich erleichtert, da sich unsere Urlaubsansprüche doch ein wenig auseinander entwickelt haben. Ich bin gern an wenig massenkompatiblen Orten unterwegs und versuche, so viel wie möglich von den Menschen, der Gesellschaft und der Umwelt mitzubekommen, während sie gern von einem Ort aus kleine Tagesausflüge macht. Das ist völlig okay, aber ich möchte nicht in einem Resort gefangen sein. Jedenfalls nicht in einem Land wie Kambodscha. Andererseits ist es natürlich schade, denn ich hätte sehr gern eine/n Mitreisende/n gehabt für diese zwei Wochen im Februar. Zusammen ist man weniger allein, und obwohl ich das ganz gut kann, dieses Alleinsein, fände ich es schön, sich bei einem guten Essen und einem Drink auszutauschen und den Tag Revue passieren zu lassen. Nun denn. Der Stiefvater und seine Frau waren in diesem Jahr eine Woche von China aus dort und haben mir sowohl den Reiseführer als auch gute Tipps überlassen.

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Bei der Familie im Weserbergland gewesen. Die Schwester des Stiefvaters hat ihren Mann nur zwei Wochen nach dem Tod des meinen an den Krebs verloren, die Cousine damit ihren Vater. Wir haben immer noch ähnliche Bilder im Kopf, obwohl ihr Mann die Gnade hatte, im Schlaf in ein Koma zu fallen, aus dem er nicht mehr erwachte und sie sich von einem scheinbar Schlafenden verabschieden konnten.

Meine Bilder seiner, unserer gemeinsamen letzten Tage und Stunden habe ich erst einmal in einer Trauma-Kiste aufgehoben, ganz tief hinten im Verdrängungskeller meines Bewusstseins.

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Gegen Malaisen aller Art helfen in der Familie bekanntermaßen zwei Dinge: gutes Essen (Kassler mit Sauerkraut) und Schnäpse. Das gab es zum Einheitswochenende satt und dazu noch meine persönlichen Anti-Trauma-Medikamente: ein knisternder Kaminofen und ein Rosenstock, dessen Ranken sich von der Fachwerkfassade fortstrecken. Das Haus aus dem 17. Jahrhundert hat so viele Dramen gesehen, dass es mich in seine Arme aus Lehmputz und Eichenbalken schließt und mir zuflüstert: „Alles gut. Die Zeit vergeht. Ich bin da.“

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Reise Nummer 2 im Sommer ist auch schon in Grundzügen vorgeplant: den dann in den USA arbeitenden Stiefvater in Detroit besuchen, die Niagarafälle ansehen und dann gemeinsam mit ihm, seiner aus China anreisenden Frau und deren Sohn von San Francisco aus die Westküste herunterfahren. Ich würde mir noch gern Vancouver und den Yosemite National Park ansehen, Otter und Seelöwen in Carmel und knackige Surfer in Monterey beobachten.

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Mit Freundinnen einen Cocktail trinken gegangen. Hicks und Hugs.

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Das Oktoberhoroskop für den Wassermann hat wenig Aufregendes zu bieten. Das muss sich ändern.

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Was schön wäre: eine breite Schulter zum Anlehnen und Ausruhen. Ich bin so müde und kann doch nicht schlafen.