[Was schön war] #kw44/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war, mit leichter Verspätung (zu viel zu tun).

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Eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch gehabt, das via Skype stattfinden sollte. Kein Problem, bin ich durchaus gewohnt, alle Informationen zur gegenseitigen Kontaktaufnahme hatte ich gegeben. Und dann am Mittwoch das Gespräch, das mit einem ungerechtfertigten und sehr unfreundlichen Einstieg begann. Im Hintergrund Menschen, die umherwuselten, die Interviewpartnerin musste gleichzeitig die Infos aus dem Gespräch in ihren PC tippen und war kurz bis unfreundlich in ihrer Wortwahl. Alles in allem: ein erster Eindruck des Unternehmens, das mir wenig Lust machte, dort zu arbeiten. Ganz anders als die gut gestaltete Webseite des Unternehmens, das sich als geradezu ideal darstellte für Menschen mit eigenständigem Denken, Struktur und Managementqualitäten – und einer ungebremsten Reiselust! Das mit seiner Menschlichkeit warb.

Ganz anders also als das Interview in einer Call-Center-Atmosphäre, in der ich mich als Mensch nicht wahr- und noch weniger ernstgenommen fühlte. Ich schlief eine Nacht drüber und schrieb am nächsten Morgen eine Absagemail mit drei Punkten, die mir negativ im Interview aufgefallen waren. Man antwortete mir noch am selben Tag, „als data driven Company“ sei man halt auf kurze Interviews und standardisierte Abfragen angewiesen und bei mehr als 400 Bewerbungen auf einen Job sei dies ohnehin notwendig. Und ich sei ja schon unter die ersten 50 gekommen, sonst hätte man mit mir gar kein Interview geführt. Ich halte das Zahlenwerk für unsinnig, das damit verbundene HR-Management für unzureichend und damit bin ich sehr froh, dass ich aus meinem Herzen keine Mördergrube gemacht habe. Immerhin: man wolle die Interviews jetzt nicht mehr im Großraumbüro durchführen. Viel Glück wünsche ich.

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Mich mit einem charmanten Mann getroffen, der nicht nur eine Hula-Figur wie ich auf dem Armaturenbrett seines Autos kleben und wackeln hat, sondern auch eine Ukulele besitzt. Zudem mit mir gemeinsam das Home-Brewing-Kit in Aktion setzen will. Man wird sehen.

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Gute Traditionen sollte man nicht brechen, und so aßen wir Freundinnen am Martinstag die obligaten Gänseteile mit Rot- oder Grünkohl, Klößen und tranken dazu gutes Bier.

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Ich war auch noch auf einem Geburtstag eingeladen, der dann – eine reine Frauenrunde – damit endete, dass wir uns zu siebt in einen Golf quetschten, um uns von der sehr resolut fahrenden Freundin der Gastgeberin in einen Club fahren zu lassen und bis sehr früh am Morgen zu tanzen.

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Der Verehrer schrieb sehr trunkene Nachrichten. Was bringt Männer dazu, ihre Nostalgie, Sehnsucht, Saudade oder was auch immer nur dann auszuleben, wenn sie sich allein daheim mächtig einen hinter die Binde gegossen haben? Selbstmitleid?

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Den Ex-Chef gesprochen und einen Termin ausgemacht. Mal sehen, ob wir uns einig werden und zu meinen – sehr freien – Bedingungen zusammen kommen.

[Was schön war] #kw43/17.

Ach, na, guck! Jetzt hatte ich den Wochenrückblick für die vergangene Woche ganz vergessen. Vielleicht war auch gar nicht so viel Schönes dabei? Mal schauen…

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Die Woche begann mit der Aussicht auf einen Feiertag und das damit verbundene Kaffeetrinken mit der spanischen Freundin. Sie erzählte mir von ihrem VHS-Kurs Salsa, der am kommenden Wochenende stattfinden solle und fragte, ob ich nicht spontan Lust darauf hätte. Hatte ich und meldete mich umgehend an. So kam es, dass ich samstags und sonntags ungewöhnlich früh aufstand, meine müden, alten Knochen sehr weit in einen Randbezirk Berlins bewegte und seitdem wieder weiß, dass meine Hüft-Dysplasie nicht nur eingebildet ist. Aber ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß mir Tanzen macht!

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Schwimmen gewesen, in einem der schönsten Bäder Berlins.

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Polnisch essen gewesen, mit Freunden und Freude.

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Viel geschrieben, viel vorbereitet, spontan einen Amtstermin bekommen. Ich habe eine Ahnung, dass ich die Dinge anschiebe, weil ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen will. Aber ob ich sie tatsächlich realisiere?

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Die Erkenntnis gehabt, dass sich meine Gefühle für den Verehrer leider verabschiedet haben. Es war abzusehen, das auch. Aber wie es oft bei den mich interessierenden Männern ist: sie langweilen irgendwann. Natürlich tun mehr als 12.000 Kilometer auch ihr Übriges dazu. Aber es geht mir auch bei deutlich weniger Entfernung so. Nun denn, da trifft es sich ja gut, dass da ein neuer spanischsprechender Verehrer am Horizont auftauchte.

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Mein Konzept kam gut an. Das war schön, auch wenn es im Nachhinein betrachtet keine Basis für eine Zusammenarbeit gibt. Dafür mit dem Ex-Chef telefoniert. Und hier gibt es eine Basis.

Betrug.

Als ich gebeten wurde, einer Bekannten ein wenig zu helfen, die sich als chilenische Witwe eines im Land verstorbenen Deutschen mit dem deutschen Rentenanwartschaftsrecht nicht auskennt, sagte ich gern zu. Natürlich helfe ich als Witwe einer anderen Witwe! Außerdem war es dringend Zeit, etwas fürs eigene Karmapunktekonto zu tun, schien mir. Ich bin ja nie ganz uneigennützig.

Ich erhielt Papiere, übersetzte ein wenig, ordnete und informierte nach bestem Wissen und Gewissen. Dann stolperte ich über einen Artikel in einer chilenischen Zeitung. War das etwa ihr verstorbener Mann, der da des Betrugs und Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz angeklagt und verhaftet worden war, mehr als zehn Jahre zuvor? Der etliche Frauen wie Unternehmen um ihr Geld erleichtert hatte und schon seit 11 Jahren illegal mit einem Touristenvisum im Land lebte? Sich als Angehöriger einer elitären Berufsgruppe ausgab, ohne dies zu sein, aber dafür Zugang zu Entscheidern in Verwaltung und Wirtschaft erhielt? Ja, nach Prüfung aller Daten und Informationen bin ich mir sicher.

Ich habe ihr nichts davon gesagt, aber ich glaube, sie wird ein Problem haben, wenn sie entdeckt, dass ihr Mann niemals in Deutschland in die Rentenkasse eingezahlt hat. ich hoffe nur, dass sie jetzt nicht noch in Schulden gerät durch ihn. Eine schwierige Situation. Wie gemein das Leben sein kann! Ich fühle mich schlecht. Hätte ich doch niemals nachgeforscht…

WMDEDGT 11/17.

#WMDEDGT fragt immer am 5. eines Monat, was der gemeine Tagebuchblogger so den lieben langen Tag treibt. Initiatorin des Ganzen und Linksammlerin ist Frau Brüllen.

Mein Wecker klingelte an diesem Novembersonntag um halb neun, denn auch heute hatte ich einen Tanzworkshop, der um 10 Uhr beginnen sollte. Zuvor musste ich noch meine sevillanische Mitstreiterin einsammeln und in den nicht ganz so hübschen Teil von Marzahn-Hellersdorf fahren. Es gibt sicherlich schöne Eckchen auch in diesem Stadtteil, aber unsere Tanzschule lag im zweiten Stock eines zur Hälfte leer stehenden Einkaufszentrums inmitten mehrstöckiger Plattenbauten und ein frischer Novemberwind voller DDR-Nostalgie umwehte uns, als wir um kurz nach zehn eintrafen. Jorge, der kubanische Tanzlehrer, erwartete uns schon. Als einzige zum Kurs Erschienenen hatten wir bereits gestern Salsa in einer Art Privatunterricht erlernt. Heute widmeten wir uns Bachata und Merengue. Ich muss gestehen, ich kann meine europäische – zudem noch mit einer leichten Dysplasie versehene – Hüfte nicht ganz so locker bewegen, wie es diese Tänze erfordern, aber Jorge und meine Mitstreiterin versicherten mir, dass ich sehr gut tanze. Nun denn, ich werde weiter fleißig üben, denn ich habe das Tanzen lange vermisst.

Um kurz vor eins waren wir fertig und das in jeder Hinsicht. Meine linke Hüfte tat weh, M. stöhnte über ihre Lendenwirbelsäule und auch Jorge zeigte erste Ermüdungserscheinungen. M. und ich entschieden uns, noch etwas gemeinsam Mittag zu essen und fuhren zu einem Asiaten bei uns ums Eck. Gegen kurz nach zwei waren wir gesättigt, hatten ein wenig über unsere Ex-Freunde ausgelästert und verabschiedeten uns für einen Salsaabend in nicht allzu weiter Ferne. Daheim packte ich meine Schwimmsachen für später ein, denn ich war noch mit Madame Modeste im Stadtbad Oderberger Straße verabredet, einem Bad, das lange leer stand und letztendlich doch eine sehr schöne Funktion innerhalb eines Hotels gefunden hat und überaus entspannt zu beschwimmen ist. Nach einem kurzen Mittagsschläfchen ging ich zu Fuß durch mein Viertel; es tröpfelte schon und ich war froh, das erste Mal meine neue, graue Wintermütze aufgezogen zu haben.

Madame, ihr kleiner Sohn und ich schwammen ein, zwei Stündchen und gingen dann durch den Regen nach Hause. Dort aß ich zu Abend, bevor mich der Anruf meiner Schwiegermutter ereilte. Ihr geht es gerade nicht ganz so gut, aber außer regelmäßiger ärztlicher Kontrolle ist halt nichts zu ändern. Alt sein ist schon nicht schön, sich alt fühlen noch schlimmer, besonders, wenn der einzige Sohn noch vor der Zeit starb, nur zwei Jahre nach seinem Vater. Aber so ist es das Leben, und ich hoffe nur, dass ich, sollte ich dereinst mein Ende erwarten, den Mut und die Kraft besitze, meine Zeit selbst zu wählen.

Ich war nach den ganzen sportlichen Aktivitäten zu nicht mehr viel in der Lage, plauderte aber noch kurz mit dem Verehrer, dessen Lieblingsmannschaft heute ein wichtiges Spiel kickte. Dann setzte ich mich vor den Fernseher, um einmal mehr „Tribute von Panem“ zu sehen, eine Film-Dystopie, deren Buchvorlage wirklich gut und spannend umgesetzt wurde.

Danach ging ich ins Bett.

Alles muss raus.

Zwei Monate hat es in mir gesimmert, dieses Gefühl. Dass da noch etwas ist, was ich nicht benennen kann. Pläne, Gedanken, Wünsche. Das Aufräumen, Ausmisten und Verschenken von Dingen hat ein wenig geholfen, Platz zu machen für die Zukunft. Noch ist nicht alles klar und sauber und vielleicht wird es das nie sein. Der Perfektionswahn der vergangenen Jahre, das Funktionierenmüssen, die Furcht davor, dass irgendjemand merkt, dass mir Kenntnisse und/oder Kapazitäten fehlen, um etwas zu erledigen – alles ist nicht mehr wichtig. Nicht, dass ich ein schlauerer Mensch geworden wäre oder gar mit mehr Selbstbewusstsein als früher. Aber ist mir einfach egaler, was andere von mir denken.

 

Was schön war] #kw42/17.

Montag ist’s und Zeit, die vergangene Woche Revue passieren zu lassen. Was war schön, was lohnt sich, für schlechte Zeiten in der inneren Belletristik-Bibliothek aufzuheben?

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Eine Woche kann nicht schlecht beginnen, wenn eines meiner Lieblingsessen auf dem Programm steht: Pho Bo. Glücklicherweise erhältlich in Laufweite meiner Wohnung. Soulfood!

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Noch mehr Soulfood gibt es bekanntlich meist innerhalb der Familie. Zwei Tage Weserbergland mit Grünkohl (und Bregenwurst), Linsensuppe, einem schönen Feuer im Ofen. Dazu trinkt Tantchen gern einen Wacholderlikör aus Ostwestfalen, den natürlich alle mittrinken müssen.

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„Wir müssen Wein einkaufen für Weihnachten.“ Erstaunlich, was in eine A-Klasse so reinpasst. Damit ist das (friedlich alkoholisierte) Familienweihnachten gesichert.

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Termine, Termine, Termine. Mich unendlich über Dienstleister geärgert. Dann gedacht: ach, was soll’s. Die innere Zen-Buddhistin übernimmt langsam die Macht. Ich entschleunige und setze mich nicht mehr unter Druck. Was geschehen soll, wird geschehen, auch ohne mein Zutun.

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Auf einer Halloween-Party gewesen. Mir ein Hexen-Zombie-Vampir-Outfit verpasst und unheimlich in die Kamera geguckt (dieser Weichzeichner-Filter ist der Hammer, man sieht automatisch ein paar Jahre jünger aus!). Ein bisschen mit dem Tod geflirtet. Er heißt Michael. Aber der Tod wurde langweilt schneller als erwartet, daher habe ich mich für das Tanzen entschieden.

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Mit Buenos Aires telefoniert. Ich denke, der Jahreswechsel wird nicht in Berlin stattfinden.

[Was schön war] #kw41/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war, wie immer heiß und frisch nach Abschluss derselben auf den Tisch geliefert.

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Da bereits der Wochenbeginn unter den Zeichen zwischenmenschlicher Missverständnisse stand, fuhr ich mit recht gemischten Gefühlen von der SchwieMu fort. Es ist ja ohnehin etwas schwierig, denn die verbliebenen Dinge des Mannes müssen langsam aber sicher gesichtet, ausgeräumt und/oder entsorgt werden. Darunter eben nicht nur Bücher, Bücher, Bücher, Akten und diverser Kleinkram, den er aus nostalgischen Gründen aus der DDR in die Jetztzeit hinübergerettet hatte. Sondern auch zwei halbauseinandergebaute Teile eines DDR-Rollers, für den es einen Interessenten gibt. SchwieMu indes tut sich schwerer als ich, die Dinge loszulassen. Wir sprachen am Abend darüber und alles war wieder gut.

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Am nächsten Tag war erst einmal gar nichts gut. Ich hinterließ einen mittelgroßen Scherbenhaufen zwischen Chile und Deutschland. In Stresszeiten bin ich ein Druckkessel. Ich kann sehr, sehr lange Druck aufbauen, aber irgendwann fliegen die Ventile raus und der Kessel ist schlagartig leer. So war das auch mit dem Verehrer. Die Entfernung, eine gewisse Grundsehnsucht innerhalb des berühmten Projektionsflächenpingpongs, die mitunter nichtssagende Kommunikation wie auch die stetigen Nachfragen seinerseits, warum ich denn nicht antworte und/oder mich so komisch habe, all das machte mich wütend, weil ich es eben gerade nicht ändern kann. Eine Sprachnachricht später war der Kessel leer, ich ebenso sauer wie traurig und der Verehrer verstand die Welt nicht mehr. Was ihn indes auszeichnet: er lässt meiner Zerstörungskraft ihren Raum. Und er lässt nicht los.

Ich vermute, jeder zweite hätte sich gesagt „lass die Irre, muss man nicht verstehen, ich melde mich nicht mehr“. Der Verehrer hat da ein bis zwei Punkte gut gemacht und bemüht sich seitdem ebenso um mehr und anregendere Konversation wie ich auch. Wir sind zwei. Perspektivisch gesehen.

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Der Zauberfriseur verpasste mir nicht nur wieder eine gute Farbe sondern aktivierte auch seinen Gatten, dass er mir eventuell beruflich weiterhülfe. Der Zauberzahnarzt verpasste mir eine Aufbissschiene und oh, Wunder! seitdem habe ich morgens keine Kieferschmerzen mehr. Ich verpasste eine Gelegenheit, die nicht wiederkommen wird, über die ich aber auch nicht traurig bin.

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Ich bin ja kein spiritueller Mensch. Aber ans Karmapunktesammeln glaube ich. Da helfen, wo es geht, öfter lächeln, als es vielleicht müsste und ansonsten versuchen, Menschen als das zu nehmen was sie sind. Ich wurde von einem chilenischen Bekannten gefragt, ob ich seiner Freundin nicht helfen könnte. Sie sei vor kurzem Witwe geworden, war mit einem Deutschen verheiratet, einen kleinen Sohn hatten sie. Nun steht sie da, im Süden Chiles, mit nur wenigen Papieren, denn er sei „ein Flüchtender gewesen, der alles hinter sich gelassen habe“.  Bei solchen Aussagen macht man sich so seine Gedanken. Ich suchte die entsprechenden Formulare bei Rentenversicherungsträger, Botschaft und die Adresse einer deutsch-chilenischen Kanzlei heraus und übersetzte notdürftig die für sie relevanten Passagen der Witwen- und Waisenanwartschaften. Sie leitete alles in die Wege und gab positive Rückmeldung. Bleibt zu hoffen, dass die Anwälte alles für sie regeln können. Denn mir scheint der Fall recht kompliziert, samt Schwiegermutter in Franken, die in einem Haus sitzt, das dem Sohn gehörte. Da geht’s dann ganz schnell um Geld und Angst und Gefühle.

Ich meinerseits hoffe auf einen kleinen Karmapunkt, den ich einst in einer ähnlich verzwickten Lage einlösen würde. Immerhin: ich darf bei der Witwe wohnen, sollte ich mich einmal in Puerto Montt einfinden. Die Einladung sowie ein gewisses Grundvertrauen stehen.

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Neue Bekanntschaften über das internationale Netzwerk geschlossen. Immer wieder eine Bereicherung, diesmal aus Polen, Frankreich und Griechenland. Alte Bekanntschaften und Freundschaften gepflegt. Manches macht mir Sorgen, aber ich hoffe, die Beteiligten werden eine Lösung finden.

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Ich schrieb auf Twitter: „Was fehlt: eine App, die einen morgens beim Aufstehen motiviert. Quasi Runtastic für Langschläfer. Mit Applaus und Medaille bei Erfolg.“ Und wurde dafür im Newsletter der ZEIT zitiert und vielfach beherzt und retweetet. Es scheint Bedarf für eine derartige App zu geben. Gleich mal etwas anzetteln gegangen. Es kann doch nicht so schwer sein!

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Mich langsam aus der deprimierten Stimmung herausgewurschtelt.

 

[Was schön war] #kw40/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war, hier in der aufgrund des famosen 22-Grad-wir-haben-einen-Superherbsttag-Wetters in der Kurzfassung.

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Endlich, endlich die letzten Überweisungen des Pflichtteils erledigen können. So ist das, wenn auf der einen Seite eine leicht verpeilte Stieftochter ihre Bankdaten nicht im Griff hat und auf der anderen Seite erst einmal die Witwe ihr normales Laptop (nicht Reiselaptop) wieder aktivieren muss, weil ausgerechnet die Infos zur vertraglich vereinbarten Summe dort und nur noch dort archiviert sind… Nun ist alles erledigt.

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Weiter ausgemistet. Ich werde diese Wohnung noch so aufgeräumt bekommen, dass ich mich wieder wohlfühlen kann. Oder mein Hab und Gut in zwei, drei Koffer, getreu dem Motto meiner Omama: „Pack dein Wissen und deinen Humor ein, den Rest kannst du ersetzen.“ Gute, kluge Omama. Nächsten Monat wäre sie 95 Jahre alt geworden, fast so alt wie meine Urgroßmutter. Wenn sich die Gene durchsetzen, habe ich noch viel zu lange was mit dieser Welt zu tun. Zeit, sie sich so schön wie möglich zu machen.

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In mir selbst ein wenig ausgemistet. Sind meine Gefühle für manche Menschen noch dieselben? Oder muss ich eine Neujustierung angehen? Manchmal hilft es, sich die eigene Gefühlswelt einmal ein wenig analytischer anzusehen. Oder man klappt seelisch kurzzeitig zusammen, heult sich tüchtig aus und rappelt sich nach zwei Tagen wieder auf, um unter Menschen zu gehen. Beide Varianten getestet und für gut befunden.

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Sehr nette Konversationen gehabt. Einer anderen Witwe am anderen Ende der Welt geholfen, in den beinahe undurchdringlichen Antragsformulardschungel für die Rentenversicherung in Deutschland eine kleine Schneise zu schlagen. Alles übersetzt und für gut befunden worden. Despacito.

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Beim Zahnarzt fasst nicht gekotzt.

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Die beste Freundin kennt mich besser als ich mich selbst und sagt, dass ich mich doch schon entschieden hätte. Vielleicht hat sich recht. Ich weiß nur, dass ich Dinge immer gern zum Abschluss bringe. Ob positiv oder negativ.

[Was schön war] #kw39/17.

Was in der vergangenen Woche schön war – in aller Kürze und mit Würze. (Und meinem ganz eigenen wirtschaftswunderlichen Humor.)

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Am Montag bekam ich die Zusage für eine Fortbildung. Es wird sehr, sehr anstrengend werden und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich hinterher den tatsächlichen Zweck der Fortbildung realisieren werde. Aber es ist ein sehr rarer Platz auf einer langen Liste gewesen und es kann nur ein freundlicher Zufall sein, dass ich von der Warteliste ins Team gekommen bin. Das heißt allerdings: im November und bis in den Dezember täglich zehn Stunden plus x lernen, arbeiten und viel, viel Input aus einem mir bis dahin eher unbekannten Arbeitsbereich. Ich spreche in Rätseln, ich weiß. Aber mein berufliches Fortkommen soll hier keine große Rolle spielen. So viele Pläne gehen derzeit den Bach runter, dass ich mir so recht gar keine Gedanken mehr dazu machen mag.

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Immerhin gab es am Montagabend noch ein Treffen zu einem sehr spannenden Projekt, das dann doch hoffentlich bald realisiert werden kann. Wenn der Kunde sich endlich ausmehrt, nicht zu sehr an der Kostenbremse zieht und die Agentur mich buchen will. Zehn Tage Mexiko wären schon ziemlich Klasse. Aber der Job, der wäre noch viel mehr Klasse. Bislang bleibe ich on hold. Nichts Neues weiß man.

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Dienstag machte ich einen Ausflug ins Oderbruch, um mir endlich den „Landsitz“ eines Freundes anzusehen. Das war schon längstens geplant, aber wegen meiner Nachtblindheit müssen solcherlei Ziele immer tagsüber erreichbar und auch wieder zu verlassen sein. Über 100 Kilometer Fahrt durchs dunkle Nirgendwo klemme ich mir lieber. Sehr schön gegessen und erzählt. Ein schönes Fleckchen Erde zum Wohlfühlen.

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Diverse To Do-Listen abgearbeitet und voran gekommen. Den Bewilligungsbescheid so schnell bekommen, dass es mich überraschte. Einstufungstests gemacht und eine phänomenale Punktzahl erreicht. Mein Englisch scheint nicht ganz so schlecht zu sein wie erwartet. Wenn ich nur wüsste, was ich mit diesem ganzen Sprachgedöns anfangen kann. Ich bin so furchtbar verplant, äh. Verpeilt trifft es wohl eher.

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Am Donnerstag in ein kleines Tief gefallen und sehr müde geworden. Wozu mache ich das eigentlich alles? Sollte ich mir nicht doch einfach einen Job suchen, so einen wie früher? Dann an die Träume gedacht, die ich habe. Ich würde es den Rest meines Lebens bereuen, nicht wenigstens alles dafür getan zu haben sie zu realisieren. Was schert es, dass andere so viel jünger sind, wenn sie sich aufmachen, ganz unbedarft und lebensfroh und motiviert? Auf Null zurückgehen kann ich immer.

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Am Freitag einen Gesprächstermin gehabt, an dessen Ende eine sehr positive Bilanz gezogen wurde. Wir werden sehen. Danach zu einer Gindegustation gehetzt, wo die Freunde schon gemütlich beisammen saßen. Es war sehr nett, aber das nächste Mal würden wir wohl etwas mehr Klasse in der Auswahl der Getränke und des Ortes walten lassen.

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Samstagabend auf einer Netzwerk-Party gewesen und bis in den Morgen getanzt, viel Spanisch gesprochen und geflirtet. Auf Acht-Zentimeter-Absätzen durchgehalten, bis die Wirbelsäule tatsächlich aus Stahl schien. Am Sonntag alles bereut. Naja, nur ein bisschen bereut. Aber das nächste Mal vielleicht doch lieber flache Schuhe.

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Der Verehrer plant tatsächlich einen Monat für seine Reise nach Deutschland und Europa ein. Und er will, dass ich mit ihm reise. Ich glaube das ja alles erst, wenn er hier vor der Türe steht oder wir gemeinsam in ein Flugzeug steigen. Bis dahin wird noch viel Wasser die Spree und den Maipo hinunterfließen und ein Winter, ein Frühling und möglicherweise ein Sommer vergehen. Viel Zeit, um sich zu vergessen. Oder sich wiederzusehen. Wir werden sehen.

WMDEDGT 10/17.

#WMDEDGT bringt einmal monatlich und immer am 5. den Tagesablauf ins Internet. Initiatorin des Ganzen ist Frau Brüllen. 

Warum auch immer, ich hatte in der vergangenen Nacht unglaublich schlecht geschlafen. Vielfach aufgewacht, mit der Decke um mich gewickelt, als ob ich mich selbst erdrosseln wollte. Entsprechend gerädert wachte ich um viertel nach acht zum Weckerklingeln des Handys auf. Ich schälte mich mühsam aus dem Bettdeckenwirrwar, duschte und wusch mir die Haare. Nach einem halben Kaffee – ich hatte vergessen, eine neue Packung Kaffee zu kaufen! A-po-ka-lyp-se! – und einem kleinen Müesli saß ich gegen halb zehn am Schreibtisch, um die noch von gestern offenen Punkte der To Do-Liste zu erledigen.

Als da wären: dem Ex-Ex-Chef die letzten Änderungen ins Arbeitszeugnis zu diktieren, das seit über einem Jahr sowohl auf seinem als auch meinem Schreibtisch vor sich hin simmerte. Es ging nur um die Einschätzung des Anteils der Geschäftsführungsaufgaben, die ich unbestreitbar mitleistete (mitleisten musste), obwohl sie überhaupt nicht in meiner Stellenbeschreibung auftauchte. Nun sind wir uns wohl einig und werden eventuell zukünftig noch einmal auf anderer Basis zusammenarbeiten. Auch die nächsten Punkte drehten sich um Arbeit und Organisation. Sich selbst Arbeit zu organisieren, gehört mit Sicherheit zu den schwierigsten Dingen der Welt. Dann noch ein wenig Orgakram mit dem Nachlass des Mannes – immer noch. Ich hoffe, ich kann das Kapitel irgendwann einmal abschließen.

Mittlerweile war es Mittag geworden und ich machte mir zwei Toasts mit Gurkenquark. Ohne Gurkenquark mag ich nicht mehr leben. Man möge mich gern dereinst darin einbalsamieren. Wie üblich überkam mich nach dem Lunch eine bleierne Müdigkeit, der ich – ohne jegliche Zwänge – einfach nachkam. Um viertel vor drei erwachte ich nach einer Stunde und setzte mich noch einmal kurz an den Schreibtisch. Danach trabte ich ins Fitnessstudio (ja, Sie haben richtig gelesen, ich gehe da wieder hin), um unter den wachsamen Augen von Mario ein paar Hantelübungen für den Schulterbereich zu machen, ein bisschen vor mich hin zu traben und ganz allgemein froh zu sein, den inneren Schweinehund und den anschwellenden Sturm „Xavier“ überwunden zu haben – hier legte ich eine Gedenksekunde an den gleichnamigen lang vergessenen französischen Ex-Verlobten ein.

Ich ließ mich gegen viertel nach fünf von den wirbelnden Blättern und sich biegenden Bäumen nach Hause wehen, holte aber unterwegs noch eine kleine Portion Nudelmischgemüse vom Chinamann. Wenn das so weiter geht, sind wir bald per Du. Mittlerweile hatte auch der Verehrer in Chile seine ersten Meetings hinter sich gebracht und schrieb mir Küsse und so weiter. Nach dem frühen Abendessen hatte ich noch Hunger und kramte einen Erdnussschokoriegel von der Untermieterin aus dem Vorratsschrank. Es geht schlimmer.

Gegen acht setzte ich mich auf Sofa und schaltete mich ein wenig durch die Kanäle, bevor ich entnervt aufgab und mir eine DVD aus dem Regal holte. Mit „Mademoiselle Populaire“ macht man nichts falsch und ein bisschen Instant-Liebe kann derzeit nicht schaden.

A propos Liebe (oder auch eher nicht): gegen zehn kamen sie dann wieder alle aus den Löchern gekrochen, die Männer. Noch ein wenig Chat, aber ich bin mittlerweile so gelangweilt von diesem ganzen Projektionsflächenpingpong, dass ich mich schon gar nicht mehr mit ihnen treffen will. Der, den ich treffen wollen würde, sitzt am anderen Ende der Welt, wenn wir schon über Projektionsflächen sprechen. Aber das führt für einen Fünften des gerade einmal begonnenen Monats zu weit.

Gegen halb elf ging ich ins Bett, um noch ein wenig zu lesen und mich auf Morgen zu freuen.