[Was schön war] #kw14/17.

Die vergangene Woche war ganz schön. Staubig. Also, schön und staubig. Aber vor allem staubig. Wenden wir uns den schönen Dingen zu, die nicht von Andenstaub bedeckt sind.

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Mein Sprachkurs begann sehr optimistisch. Ich hatte nicht alles vergessen, was ich in den dreieinhalb Wochen Januar-Intensivkurs gelernt habe. Allein, die Verbkonjugation musste ich intensiver üben.

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Ich konnte nicht widerstehen und habe mir ein paar Stiefeletten in Schlangenlederoptik gekauft. Manchmal gibt es solche Tage, da denkst du dir: ach egal, komm, scheiß drauf, dass du nur Reisegepäck bis 23 Kilo mitnehmen darfst und außerdem: die ollen aus Deutschland wolltest du ja spätestens in Argentinien entsorgen.

(Was ich mir allerdings dabei gedacht habe, mir ein paar sehr, sehr outdoortaugliche Gummi-Goretex-Stiefel anzuschaffen, weiß ich nicht. Hier sind tagsüber 23 Grad. Plus. Ich muss dringend an den Polarkreis.)

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Die Freiwilligenarbeit fordert im positiven Sinne. Ich schlage mich ganz gut darin, andere Menschen meine körperlichen Grenzen überschreiten zu lassen.

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Es war eine gute Entscheidung, am Karfreitag nach Valparaiso zu fahren. Im Hostel eine nette Truppe aus Deutschen und Chilenen kennengelernt. Nun habe ich Bekannte in Santiago und so ziemlich täglich trudeln WhatsApp-Nachrichten ein, was man denn zusammen unternehmen könnte.

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Mich für einen Fotografie-Kurs angemeldet.

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Mich zum Yoga angemeldet.

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Mich an die Stadt gewöhnt.

[Was schön war] #kw13/17.

Die Reise-Edition „Schönheit wochenweise unterwegs“ stellt fest: es gibt wieder schöne Aspekte der vergangenen Kalenderwoche. Auch in Südamerika, genauer in Santiago de Chile.

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Über die Datumsgrenze geflogen. Mir wurde sozusagen ein Tag im Leben geschenkt. Ich bin also einen Tag jünger als gestern. Oder so. Naja, jedenfalls, das ist doch auch schön, oder?

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Die gemietete Wohnung in Santiago bezogen. Ein Mietauto genommen und mich langsam an den Verkehr (rechts) und die vielen Einbahnstraßen gewöhnt. Die Parksituation rund um meine Wohnung ist und bleibt eher unbefriedigend. Es gibt nur wenige freie Parkplätze ohne Bezahlstatus, aber ab 18 Uhr abends ist wenigstens die in meinem Viertel arbeitende Bevölkerung auf dem Weg nach Hause und es gibt wieder freie Plätze. Da ich ab kommender Woche immer von Mittags ab quasi antizyklisch zu meiner Volunteerstelle fahre, schaue ich mal, wie sich das anlässt. Wenn es gar nicht geht, werde ich wieder zu meinem neuen Freund, dem Parkplatzwächter des Geriatriezentrums, zwei Sträßchen weiter pilgern. Er versprach mir, dass er gegen entsprechend Bakschisch einen Platz organisiert.

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Die Orientierung fällt leicht, Großstädte sind sich doch sehr ähnlich. Im Kino gewesen – ohne Untertitel, aber ich war doch schon dankbar, dass „Una mujer fantastica“ überwiegend mit Bildern und klassischem Emotionsspiel arbeitet. Aber ich muss mich ja einhören in diese mir noch unbekannte Sprache. Obwohl mir mein fließendes Französisch und meine Italienischkenntnisse doch beim Ausschöpfen meines Vokabulars helfen. Man hat mich bereits zweimal für eine Italienerin gehalten, vermutlich betone ich sehr italienisch.

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An einem Abend mit Heimwehanteilen und ein wenig Herumgeschluchze Nachrichten von Zuhause bekommen, die sehr gefreut haben.

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Ich habe meiner digitalen Bezugsgruppe meine Adresse bekanntgegeben und nun freue ich mich auf Post und Nachricht nach Chile!

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Von Neuseeland Abschied zu nehmen, fiel einerseits nicht leicht, denn die Inseln und ihre Bewohner machen es sehr einfach, sie so zu mögen, dass man bleiben möchte. Aber ich bin und bleibe auf Reisen. Und andererseits: in 24 Stunden kann man von Berlin aus mit etwas Glück – und einem funktionierenden Flughafen – zu jedem Punkt der Erde gelangen. Und wer weiß? Vielleicht kehre ich ja eines Tages noch einmal ins Land der Kiwis zurück und kann mir dann noch ein bisschen mehr von der Südinsel ansehen. Und Freunde besuchen, denn die habe ich dort gewonnen.

WMDEDGT 04/17.

Frau Brüllen fragt, was wir eigentlich den lieben langen Tag so machen und zwar immer am 5. eines Monats. Wir haben den 5. April und endlich, endlich nach dreieinhalb Wochen Neuseeland stimmen zumindest die Tagesdaten weitgehend wieder mit der Bezugsgruppe daheim überein. Gestern bin ich das erste Mal in meinem Leben an einem 4. April abends losgeflogen und an einem 4. April mittags angekommen. Das Überfliegen der Datumsgrenze hat allerdings Auswirkungen bis in den heutigen 5. des Monats und so gestaltete sich mein Tag entsprechend ungeordnet.

Um 2.38 – 7.38 nach deutscher Zeit – wachte ich das erste Mal in Santiago de Chile auf. Da ich am Abend zuvor um kurz vor elf todmüde und erschlagen ins Bett gegangen war, erwischte mich der Jetlag eben knappe vier Stunden Schlaf später. Ich kann mit wenig Schlaf ganz gut umgehen, aber die sofort einsetzenden Kopfschmerzen musste ich mit einer Ibu bekämpfen. Ich las ein wenig dem morgendlichen Erwachen meiner Twitter-Timeline hinterher, freute mich über eine Mail aus Mittelamerika samt Reisebeschreibungen (wie anders das Erleben doch sein kann, wenn Reisen mit Arbeiten verbunden ist!) und horchte auf die Geräusche der Stadt, in der ich nun knapp zwei Monate sein werde.

Gegen halb fünf schlief ich wieder ein, nur um kurz nach sieben von den ersten Biep, Bieps der Autoschließanlagen, einem hysterisch bellenden Hund und dem anschwellenden Verkehr auf der ums Eck liegenden Avenida Providencia zu erwachen und mich zu wundern. Nun war ich tatsächlich in Südamerika! In meiner eigenen Mietwohnung! Ich wurde oft gefragt, wie ich es geschafft habe, das alles und die ganze Reise innerhalb von knapp drei Wochen zu organisieren, denn genauso lange hat es von der endgültigen Entscheidung kurz nach Weihnachten bis zum Erledigen der letzten Vorbereitungen (exklusive: Leerräumen der untervermieteten Wohnung) gedauert. Es war sicher ein bisschen Glück dabei, weil ich auf Anhieb fand, was ich wollte (Volunteer Workstelle, Wohnung, Reiseroute auch, die war irgendwie von Beginn an klar). Und ich hatte wenigstens den halben Tag Zeit, mich intensiv um alles zu kümmern. Und ausreichende Geldmittel. Ein Luxus. Mein eigenes, nicht ganz kleines Talent zum Organisieren, Planen und Entscheiden mag mir da auch geholfen haben.

Nach etlichen Wochen relativer Ruhe und mit viel Natur um mich herum muss ich mich erst wieder an eine Großstadt gewöhnen. Berlin ist ja schon für viele ein Härtetest, aber irgendwie sind die meisten Großstädte dieser Welt in ihren Strukturen ähnlich und so habe ich wenig Bedenken, mich hier durchzuschlagen. Nur die Sprache, ja, die muss ich noch bedeutend besser lernen. Ich schlief wieder ein, träumte wilde Dinge, an die ich mich nicht erinnern kann, aber die mit Sicherheit auch die mannigfaltigen Autoalarmanlagentöne einbanden. Ob es tatsächlich Anlass für deren Einsatz gab?

Gegen halb elf stand ich dann endgültig auf und versuchte, mich mit der Dusche anzufreunden. Die Wohnung ist hübsch, aber alt und der Wasserdruck ist nicht eben der Allerbeste. Aber ich werde das noch lernen: mit der einen Hand den Duschkopf auf die schampoonierten Haare halten und mit der anderen die Temperatur auf genau diesen einen schmalen Grat zwischen kochendheiß und eiskalt regeln.

Ich frühstückte das gestern erstandene Müesli mit Banane und Joghurt und winselte ein bisschen vor mich hin, weil ich den Kaffee vergessen hatte. Ein Tagesbeginn ohne Kaffee, nun ja, stellen Sie sich die Apokalypse vor, nur schlimmer. Dann telefonierte ich mit der Agentur, die hier in Chile vieles für mich erledigt hatte und fragte nach einem Autovermieter. Man gab mir einen guten Rat und telefonierte für mich, sodass ich Morgen Vormittag meinen Kleinwagen abholen kann. Endlich wieder Rechtsverkehr! Dann kann ich auch den Großeinkauf im „Jumbo Bilbao“ erledigen, denn in der Wohnung fehlen kleine Dinge, die ich bereits vermisse und für unerlässlich halte (Klobürste, Verlängerungsschnur,…).

Danach ging ich gegen halb drei einen Kaffee trinken im Benevento Jazz-Café, nur einen kleinen Fußweg von meiner Wohnung entfernt. Endlich Kaffee! Und dann noch einen so guten!

Da mir nach den langen Wochen „aushäusigen“ Essens doch sehr nach einer Eigenproduktion gelüstete, ich dringend Geld abheben musste und mir ohnehin noch die „Tarjeta Bip“, also die hiesige aufladbare Karte für U-Bahn und Bus fehlte, machte ich mich auf den Weg die Avenida Providencia entlang. Gerade rechtzeitig, um die After Work-Treffen in den Cervezerias und kleinen Cafés zu erleben. Man trinkt einen Kaffee oder ein Bier, isst ein Dulce dazu und verabredet sich möglicherweise noch für später. Da ich mich noch nicht gewappnet fühlte für den Eintritt ins Santiagoer Nachtleben, tätigte ich nur noch meine Einkäufe und ging – ja! – heim. Hier machte ich mir einen großen Salat mit meiner Hausvinaigrette (geht auch mit dem hiesigen Essig und aus Frankreich importiertem Senf) und Nudeln mit Gorgonzolasauce. Den Rest des Abends verbrachte ich auf dem Sofa, übte ein wenig meine Vokabeln und freute mich darüber, dass ich durchaus schon in der Lage bin, einfachen Handlungsabläufen der hiesigen Soap-Operas im Fernsehen zu folgen. Übrigens: TVN Chile setzt dem Bachelor/der Bachelorette übrigens ein charmantes Format namens „Match“ entgegen, in dem Kinder für ihre alleinerziehenden Eltern den passenden Partner/die passende Partnerin suchen. Nix mit Traummenschen, da präsentieren sich schon interessante Charaktere – natürlich alle gut gecastet, aber überaus amüsant zu sehen, wie sich Tochter und Sohn über die Kandidaten für ihre Mutter beömmeln.

Gegen elf ging ich schlafen, mit dem festen Vorsatz, dem Autoalarmanlagenbesitzer, den ich beim Heimkommen vor dem Haus erwischte – es war gar keine Alarmanlage, sondern einfach nur seine ganz individuelle automatische Türschließung anstatt des üblichen kurzen Biep, Bieps -, bei ausreichend vorhandenem Sprachschatz zur Schnecke zu machen. Oder vielleicht doch nicht und ich gewöhne mich einfach wieder an den Krach der Großstadt. Wir werden sehen. Es gibt ja noch einen zweiten 5. des Monats in dieser Stadt.

[Was schön war] #kw12/17.

Was war eigentlich in der vergangenen Woche schön? Vor allem wohl die nach wie vor große Freude an dieser Reise. Denn wieder habe ich andere Landschaften gesehen, neue Menschen kennengelernt, den inneren Akku aufgeladen und neue Bilder auf der Festplatte in meinem Kopf gespeichert.

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Delfine! Auf der Überfahrt von der Nord- zur Südinsel habe ich endlich meine ersten Delfine in freier Natur gesehen! Nach Jahrzehnten, in denen ich immer wieder Ausschau von allen möglichen Booten gehalten habe.

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Weine verkostet, Interviews geführt, terminiert. Es fühlt sich nicht nach Arbeit an, wenn es Spaß macht. Bezahlt werde ich auch nicht dafür. Aber es ist schön, die Jagd nach Geschichten wieder aufgenommen zu haben. Meinen Freizeitjournalismus behalte ich mir ganz im Herzen.

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Beflirtet worden. Widerstanden. Auch, wenn er mit frischgefangenem Fisch lockte, den er zuvor selbst getötet hatte. Ich stehe einfach nicht auf diese Surferjungs. Selbst, wenn die schon Mitte Vierzig sind und ihrer 14-jährigen Tochter den Papaabend schön machen müssen.

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Jobangebot erhalten. Widerstanden.

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Konzertkarten für Evanescence und Bryan Adams in Santiago de Chile erstanden. Den Klassikkalender des Sinfonieorchesters gescannt. Für Musik brauche ich keine Sprache.

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Beschenkt worden. „Es ist alles nur leicht, das kannst du gut mitnehmen“, schreibt die Freundin, als ich in ihr Haus komme, das sie mir in ihrer Abwesenheit zur Verfügung gestellt hat. Ich habe einen wunderbaren Schal mit Motiven von Silberfarn und meinem Lieblingsvogel Tui bekommen, einen Schlüsselanhänger für die Wohnung in Chile und hübsche Kiwi-Untersetzer. Lustigerweise habe ich letztere vor einer Woche ebenfalls gekauft und sie in zwei Päckchen getan, die nach Deutschland gingen.

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An einem wunderschönen, sehr pilcheresken Ort übernachtet, bei einer liebenswerten Landlady.

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Einen ganzen Tag Kilometer gefressen. Anstrengend, aber ich fuhr durch zwei Orte, die ich schon von meiner Reise kannte und die mir sehr gefallen haben. Das Gefühl, sich aufgehoben und sicher zu fühlen in einem Land.

[Was schön war] #kw11/17.

Nochmal im Zuge der Zeitumstellung genauer hingeschaut: und ja, es ist schon die 12. Kalenderwoche. Ich hänge also volle acht Tage hinterher in meinen Wochenrückblicken, habe es aber nie gemerkt. Und das mir, die ich sonst so ein Deadline-/Termin-/Projektplanhonk bin! Aber dieses Jahr ist alles etwas anders, also bleibt es bei meiner ganz persönlichen Zeitrechnung für die Wochenrückblicke. Eine eigene Zeitrechnung, nur für mich! Was ja auch wieder irgendwie schön ist.

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Seit Samstagnacht trennen meine Bezugspersonen daheim und mich nur noch 11 Stunden. Und in nicht einmal anderthalb Wochen sogar nur noch vier Stunden.

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Diese Woche stand unter dem Stern des Treffens vertrauter und bekannter Menschen. Da sitzt man am Ende der Welt und zufällig hat die Cousine des Mannes mit ihrem Mann einen Urlaub zur selben Zeit ebendort geplant! Und nur die SchwieMu hat uns darauf gebracht. Was lag also näher, sich auf einen Ort – irgendwo in der Mitte, denn ihr Reiseweg verläuft genau in der Gegenrichtung – und eine Zeit zu einigen – jawoll, auch da haben wir so ziemlich die Hälfte unserer jeweiligen Aufenthalte in Neuseeland geschafft. Wir machten kleine Ausflüge, aßen gemeinsam zu Abend und plauderten über dies und das. Nun sind beide mehr als zehn Jahre älter als ich, bereits Großeltern und dem öffentlichen Dienst sehr eng verhaftet, aber wir hatten immer genügend Themen und freuen uns nun auf ein Wiedersehen nach meiner Rückkehr.

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Einen Flug über Vulkane gemacht. Der Pilot gab mir den Co-Pilotensitz und ich fühlte mich fast, als dürfte ich selbst fliegen. Obwohl die scherzhaft gemeinte Frage des Piloten, ob ich denn mal kurz das Steuer übernehmen wolle, mich kurzfristig in Panik versetzte. Mitunter dauert es etwas bei mir, bis ich Scherze als solche erkenne.

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Vor ziemlich genau 20 Jahren war ich mit einem Über-zwei-Meter-Mann zusammen. M. paddelte in seiner Freizeit bei den „Drachenbootlern“ und führte mich bei der sich gerade formierenden Mädelstruppe ein. Drachenbootfahren hatte damals noch nicht den Firmenevent-Teambuilding-Incentive-Charakter von heute, sondern war irgendetwas Exotisches, Archaisches, gleichwohl aber sehr anstrengend als Sport. Was die Teammitglieder aber nicht davon abhielt, gemeinsam zu feiern und zu Regatten oder in den Urlaub zu fahren. Daher rührt auch meine Bekanntschaft zu A. aus Wellington. A. war die Organisatorin an der University of Wellington für das Drachenboot-Team, das nach dem Willen der Uni eben nicht nur aus Studenten sondern auch aus Uni-Angestellten bestehen sollte. Und A. als Sekretärin im Hausmeisterbereich hatte dafür ein ausgesprochen gutes Händchen. Unter ihrer Organisation fuhren über 30 Leute 1997 gemeinsam nach Europa, besuchten Regatten in London, tourten mit einem Doppeldecker-Bus von Frankreich nach Berlin und hatten viel Spaß. Einige Mitglieder entschieden sich, über die eigentlich geplante Zeit hinaus in Berlin zu bleiben, um noch gemeinsam mit dem Berliner Team zur jährlichen Drachenbootregatta nach Malmö zu fahren, darunter auch A., ihre Schwester L., „Haggis“ und sein Kumpel A. Der erwähnte Ex M. und ich mieteten noch ein Zusatzfahrzeug, packten die Kiwis ein und los ging es! Wir verbrachten eine tolle Woche in Schweden und die Bekanntschaft mit A. überdauerte die Beziehung zu M. doch um ein Erhebliches, denn ich entschied mich kurz nach unserem Schweden-Trip, dass uns nicht nur gut 40 Zentimeter trennten. Nun sah ich die A. also wieder, mehr als zehn Jahre nach unserem letzten Treffen in Berlin. Eine so große Freude, denn wir nahmen uns Zeit füreinander, kochten gemeinsam, gingen den Hund auswringen und trafen einige Bekannte aus der wilden Drachenbootzeit. Sie gab mir eine Auszeit vom Reisen und ihren Schlüssel, damit ich nach der Rückkehr von der Südinsel bei ihr übernachten kann, während sie in Brisbane ein Projekt betreut. Freundschaft ist etwas sehr, sehr Wertvolles und Schönes.

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Ich gehe ja sehr gerne in Supermärkte und auf Märkte, wo auch immer ich bin und sondiere das Angebot. Was mich an den Produkten in NZ begeistert: hier ist die Glutenfrei-laktosefrei-Intoleranzmode offenbar noch weitgehend unbekannt. Die Milch hat ziemlich fette 3,5 bis 3,8 Prozent Fettanteil und über Double-Creamcheese und Cracker mit Rote Bohnen/Beete-Aufstrich müssen wir uns ebensowenig unterhalten wie über die Liebe der Kiwis zu Hummus. Dafür gibt es äußerst aromatische Tomaten, Avocados und simplen Kopfsalat, den ich mir am letzten Abend der vergangenen Woche in meiner Motelzimmerküche zubereitete.

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Ich bin anscheinend sehr Rentneraffin. Auf der Fähre nach Süden saß eine Truppe kartenspielender Engländer am Nebentisch, die mich sogleich adoptierten und mir Schnäpse und Pies (vor 10 Uhr morgens) anboten. Das ist mir nicht zum ersten Mal passiert, dass gerade ältere Reisende auf mich zugehen und neugierig fragen, was ich denn so mache. Oder ich habe einfach vergessen, dass ich schnurstracks in Richtung Rentnerdasein wandere. Nur noch so um die 20 Jahre oder so…

[Was schön war] #kw10/17.

Ist es zu fassen? Ich bin schon seit über einem Monat unterwegs! Am 12. Februar bin ich bei eisigen Temperaturen in Berlin aufgebrochen und nun, am 20. März, sitze ich am Fuße eines Vulkans in Neuseeland. Das allein ist ja schon schön, aber die vergangene Woche hatte natürlich auch sehr viel Schönes zu bieten.

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Neuseeland empfing mich mit grandiosem Wetter. Man hatte mir herbstlich-kühle Temperaturen und bisweilen Sturm mit Regen prophezeit. Nichts davon trübte die erste Woche am Ende der Welt. Eitel Sonnenschein beleuchtete alle meine Wege im vermaledeiten, aber letztendlich doch nicht ganz so schrecklichen Linksverkehr. Wenn man in ein fremdes Land kommt und mit unproblematischem Wetter beginnt, erleichtert es den Einstieg und ist – genau! – schön. Und wenn man die ersten Tage überhaupt keine Lust hat zum Bloggen, weil man einfach nur mit Schauen, Staunen und Freuen beschäftigt ist.

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Unter dem Sternenfirmament der südlichen Hemisphäre gesessen, auf die fluoreszierenden Wellen des Pazifik gestarrt und mich sehr als Teil des Universums gefühlt.

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Den sechsten Hochzeitstag begangen und nur wenig geweint. Er ist nicht mehr da, aber als ich mich auf die Bank am Steilufer des Pazifiks setzte, hielt er meine Hand und lächelte schweigend. Es hätte ihm hier so verdammt gut gefallen. Lass nun aber meine Hand los, mein Liebster. Ich möchte frei sein.

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Mit der Freundin mitten in der Nacht telefoniert. Gelacht und geweint.

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Durch die Dünen und am Strand geritten, über Schafweiden und auf Hügeln über dem Kratersee. Das Pferd immer besser beherrscht. Zum Schluss entspannt über die Wiesen galoppiert und die Schafe auseinander stieben lassen.

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Das sichere Gefühl, dass da irgendwo ein kleines Haus auf dem Land sein muss, das nur darauf wartet, von mir bewohnt zu werden. Ich möchte wieder mehr hören und sehen können.

[Was schön war] #kw09/17.

Heute fiel mir doch noch ein, dass es keinen Wochenrückblick gegeben hat. Aber wenn man am anderen Ende der Welt am Pazifik sitzt und in die Wellen starrt, dann kann man das schon einmal ein bisschen verschieben.

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Letzte Woche saß ich aber noch nicht am Pazifik sondern am Indischen Ozean. Der tat ein bisschen so, als sei er der Atlantik und machte große Wellen. Mit Surfern darin, sehr hübsch anzuschauen. Der ganze Ort bestach durch die Anwesenheit schöner Menschen. Menschen aus aller Herren Länder, jung, hungrig und überaus kommunikativ. Keiner, der nicht seine Nase in seinem Smartphone stecken hatte. Also ich auch. Wenn ich nicht meine Nase in einem Obstteller mit Joghurt und Honig stecken hatte. Es gibt nichts besseres. Das war sehr schön, hilft aber leider nicht beim Abnehmen.

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Darum habe ich mich auch bemüht, wenigstens alle zwei Tage zu joggen. Bei Temperaturen um die 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit geht auch das, wenngleich langsamer. Und ich werde deutlich fitter. Das habe ich in Denpasar gemerkt, als ich den Stadtpark gleich mehrfach umrundete, gemeinsam mit vielen Balinesen, die ihre Joggingrunde schon einmal barfuß ableisteten. Meine Adidas-Gazelle lassen mich zwar nicht wie eine laufen, aber sie sind bequemer als gedacht und Knieschmerzen habe ich auch nicht wie bei meinen Superduper-Laufschuhen daheim (extra angepasst und vermessen, sauteuer übrigens, ich hasse sie).

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Ich bin die Treppe heruntergefallen und habe mir den Fuß aufgeschlagen. Eine satte Prellung in schöner Eiform und eine Schürfwunde. Sehr nette Hotelangestellte fanden in irgendeinem Kühlschrank sogar ein Kühlpack. Nach drei Tagen war von der Schwellung nichts mehr zu sehen, die Schürfwunde verheilt nun auch. Ich hatte sehr lange keine Schürfwunde mehr und daher ganz vergessen, wie sehr Schorf jucken kann. Früher war ich übrigens immer die mit den aufgeschlagenen Knien und Ellenbogen. Aber ich habe gutes Heilfleisch, sagte der hauseigene Arzt immer und das ist natürlich auch etwas Schönes

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Ich hatte mir einen Motorroller gemietet und fuhr durch diesen völlig bekloppten Verkehr auf Bali. Linksverkehr auch noch. Zwischendurch, als die Straße leerer wurde, habe ich ein bisschen gesungen. „Where do you go my lovely“ von Peter Sarstedt und irgendwelche Fragmente anderer Songs, die ich dann mit einem fröhlichen Lalala refrainierte.

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Gut geschlafen. Die Betten in Asien sind eher härter als in Europa, was mir gut bekommt. Nach meiner Rückkehr werde ich als erstes die Matratze wechseln. Nicht nur, dass sie eine Tempurauflage hat, in die man in sommerlichen Nächten unschön einsinkt. Sie ist auch noch eine Erinnerung an den Mann, in guten wie in schlechten Tagen. Ich kenne das von meiner Tante, auch von meiner Großmutter, die jeweils sehr bald nach dem Tod ihrer Männer die Doppelbetten auseinandersägten (Tante) und gesamte Schlafzimmereinrichtung wechselten (Oma), natürlich auch mit Matratzenwechsel. Es scheint eine Art innerer Reinigung zu sein. Nun ja, aber es dauert ja noch eine Weile, bis ich wieder zuhause bin, und wer weiß, wie ich die Betten in den noch zu bereisenden Ländern finde. Nicht, dass mir eines so gut gefällt, dass ich bleiben möchte!

WMDEDGT 03/17.

Frau Brüllen fragt, was wir eigentlich den lieben langen Tag so machen und zwar immer am 5. eines Monats. Wir haben den 5. März, bei Ihnen müsste es jetzt sieben Stunden früher sein als hier, wo ich sitze. An meinem Schreibtisch inmitten von Reisfeldern, mit Blick in den Wald. Hier ist alles grün, denn ich bin in Ubud, auf Bali.

Ich wachte das erste Mal um halb sieben auf, denn die Hähne – und davon gibt es gefühlt 50 in der näheren Umgebung – veranstalteten ein Wettkrähen. Ich nahm die Geräusche als „gehört ab sofort halt dazu, wenn man in der Natur wohnt“ in mein Akustikgedächtnis auf und schlief wieder ein, bis der Wecker um halb acht den Morgen für begonnen meldete.

Schnell ins Bad, die Kontaktlinsen einsetzen, kurz über das Gesicht feudeln, Haare zusammenknüddeln und in die Sportklamotten springen. Raus aus dem Haus und eine halbe Stunde Intervalllaufen zwischen Reisfeldern. Mehr geht bei 28 Grad vor acht Uhr morgens auch nicht. Außer mir ist nur der Hausherr mit seinem hechelnden Golden Retriewer Leon auf der Morgengassirunde unterwegs. Wir grüßen uns, wie auch alle Arbeiter auf den Reisfeldern immer ein freundliches Lächeln und ein „Good Morning“ für mich übrig haben. Die Menschen hier sind an Touristen gewöhnt, aber das ist es nicht, es gibt eine Grundfreundlichkeit der Balinesen, die unaufdringlich ist, ganz anders als jene in Thailand, bei der hinter vielen lächelnden Lippen die Dollarzeichen blinken.

Zurück im Haus, duschte ich, wusch mir die Haare, nur um verzweifelt die Abwesenheit jeglicher Frisur zu bejammern. Meine Haare sind keinesfalls für tropische Temperaturen gemacht. Sie kringeln sich, werden wattig oder stehen gleich ganz zu Berge, wenn sie nicht einfach nur schlapp machen. Einzige Alternative zur Frisur: ein halbwegs geknüdelter Dutt. Die Kreuzköllner Hipster-Dutts wurden garantiert in den Tropen erfunden.

Dann ging ich zum Frühstück in den Kreativraum. Der heißt nicht nur so, meine Nachbarin arbeitet dort auch tatsächlich an ihren Fotoprojekten. Morgens um neun ist sie allerdings noch nicht auf, und sie frühstückt lieber in ihrem Zimmer. Dafür leistete mir Kaya Gesellschaft. Kaya und Ida sind die Hofkatzen. Kaya legte sich einfach mitten auf den riesigen Tisch und sah sehr zufrieden aus. In meinem nächsten Leben möchte ich gern als Katze wiedergeboren werden. Gern auf Bali, gern in diesem Haus. Ihnen geht es gut.

Ich trödelte ein wenig herum, schrieb einige E-Mails und rief Robert an, den Fahrer, der mich am ersten Tag von A nach B gebracht hatte, und der sehr freundlich und auch günstig war. Ich buchte ihn gleich für Morgen, denn ich verlasse Ubud und fahre an die Küste, nach Canggu, juvenile Surferkörper betrachten. Ich stand ein oder zweimal in meinem Leben auf einem Surfbrett und verstehe diese Sportart nicht. Aber es sieht halt gut aus.

Dann machte ich mich auf den Weg ins Dorf. Ich wollte den „Campuhan Ridge Walk“ bewandern. Seit dem Tag zuvor hatte ich die üblichen Tropenprobleme (Ödeme an den Knöcheln, Zehen und Fingern) und dagegen hilft bei mir Bewegung. Der Himmel war mit Schattenverheißenden Wolken betupft und die waren auch bitter nötig. Denn auf dem Ridge Walk war es stellenweise so heiß, dass ich jeden Baum ansteuerte, um ein wenig im Schatten zu rasten. Ich wanderte nicht ganz bis zum Ende, denn dort ist nur ein Café und der schöne Teil ist ohnehin nach knapp einem schweißtreibenden Kilometer zu Ende. Also drehte ich um und lächelte ein wenig in mich hinein, denn das balinesische Jugendlichen-Pärchen unter seinem Baum, das ich aufgrund meiner Rastbedürftigkeit aufstörte, saß noch in genau der gleichen Pose wie auf dem Hinweg (sie, ihren Kopf an seine Schulter gelegt, er aufrecht sitzend und mit dem kleinen Oberlippenbärtchen Erwachsenheit vorspielend). Dass die Bäume und die Aussicht darunter ins Tal ein beliebtes Sonntagsziel sind, wurde mir bewusst, als mir immer mehr verliebte Pärchen entgegen kamen.

Wieder im Tal angekommen, war ich völlig durchgeschwitzt. Ich glaube, ich habe noch nie so sehr geschwitzt wie an diesem Tag. Daher musste ich feststellen, dass mein Lunchpausenselfie in der Bachklamm auch die riesigen Schweißflecken abbildet. Naja, gibt bestimmt irgendeinen Filter dafür.

Ich setzte mich ins Café des Artistes, aß ein Eis und trank ein Lassi dazu. Dann war ich wieder halbwegs hergestellt und wanderte zur Post, um Postkarten einzuwerfen. Da ich vorher noch Wasser und eine Tüte von meinen Lieblingschips (Seetanggeschmack, ja, seltsam, ja, lecker!) gekauft hatte, wollte ich die gut anderthalb Kilometer zu meiner Unterkunft nicht mehr laufen. Daher heuerte ich ein Moto-Taxi an, das mich schnell, gut und sicher an mein Ziel brachte.

Die ungewohnte Anstrengung hatte mich sehr ermüdet und so schlief ich einen kleinen Nachmittagsschlaf bis um halb fünf. Ich überlegte, ob ich noch einmal ins Dorf gehen sollte, um mir eine Tanzperformance anzusehen, hatte aber keine Lust. Viel mehr Lust hatte ich darauf, mir heute ein richtig gutes Essen zu gönnen. Mir war beim morgendlichen Joggen ein kleines Hotel aufgefallen, nur knapp 200 Meter über den Reisfelddamm von meinem B&B entfernt. Im Netz hatte ich gelesen, dass Paul und Grace hier vor zwei Jahren ihren Traum vom eigenen Hotel verwirklicht haben, das auch ihren Ansprüchen als Weitgereiste genügt. Nun, mein B&B kostet ein Viertel des günstigsten Zimmers, aber das Hotel ist wirklich sehr schick, sehr edel und bis auf die schummrige Beleuchtung, mit der ich als halbblinder Mensch wenig anfangen kann, sieht das so aus, wie man es sich nur wünschen kann. Auf jeden Fall sagte mir aber die Karte des BBQ-Restaurants sehr zu, und ich entschied mich für eine Seebrasse mit Kapernsauce als Starter sowie Black Angus-Filet mit Rotweinsauce, dazu einen Weißwein aus Neuseeland (ja, da werde ich wohl auch das ein oder andere Weingut besuchen), weil ich Rotwein nicht so gut vertrage, obwohl es besser gepasst hätte.

Vor der Vorspeise kam als Gruß aus der Küche eine Mini-Bruschetta mit Kresse und salsa verde – ausgezeichnet! Als Brotteller gab es eine in Butter gebratene Briochescheibe mit Hummus – ebenfalls ausgezeichnet! (Hier bitte ein sehr glückliches Wortschnittchen vorstellen, das selig von seinem Fensterplatz im ersten Stock über die Reisfelder blickend den kitschigen Sonnenuntergang bewundert.)

Die Vorspeise war dann schon fast eine Hauptspeise und, ja, wieder ausgezeichnet. Und während draußen die ersten Frösche zu quaken anfingen, dachte ich daran, wie sehr das dem Mann hier gefallen hätte. Sein leichter Hang zum Luxus wäre hier sehr erfüllt worden und das Essen hätte ihn ebenfalls begeistert.

Zum Hauptgang kam dann das perfekt auf den Punkt Medium gebratene Filet. Die Kartoffel-Wedges hätten dazu nicht sein müssen, das war meine eigene schlechte Wahl. Dazu hätte sicher etwas anderes besser gepasst, z.B. Gratin. Der Service schenkte immer wieder kaltes Wasser nach und weil eine kleine Familie und ich die einzigen Gäste des frühen Abends waren, kam das Team abwechselnd, um mich ein wenig auszufragen.

Draußen funkelten die ersten Sterne und zwischen den Palmwedeln blinkte ab und zu ein Glühwürmchen – auch das hätte dem Mann sehr gefallen, denn seine erste Reise nach dem Fall der Mauer ging nach Italien, wo er zu seinem Entzücken Glühwürmchen en masse sehen konnte. So ist der Mann eben doch immer ein bisschen mit dabei, und mit den selbstgemachten Zitronenwodka aufs Haus habe ich dann kurz in den Himmel geprostet.

Ich bezahlte (nicht günstig, das gebe ich zu) und lehnte die freundlichen Angebote ab, mich doch gratis mit dem Moped bis vor die Haustür zu fahren. Ich wollte, ausgerüstet mit einer Taschenlampe, noch ein bisschen über den Damm laufen. Angst vor Schlangen oder Überfällen habe ich hier keine. Im B&B war der Strom ausgefallen, aber der Haustechniker Wayan hatte das Problem nach einer Viertelstunde im Griff. Der Router für den bachseitigen Bereich blieb aber gestört, und so stellte ich mir über den besseren Handyempfang ein Netzwerk zum anderen WLAN-Netz des B&B her. Wie immer musste ich alles erst einmal im Web nachlesen, aber nun kann ich auch das und finde es wunderbar.

Jetzt sitze ich am Schreibtisch, habe die Beine auf die Tischplatte gelegt, damit ich Morgen nicht wieder geschwollene Knöchel habe und gehe heute früher ins Bett. Draußen plätschert der Bach, die Grillen zirpen vor sich hin und aus dem Reisfeld singen die Frösche ihr Lied. Mir geht es schon ganz schön gut in diesem, in meinem neuen Leben.

 

[Was schön war] #kw08/17.

Die achte Kalenderwoche endete mit Vielem, was schön war und einigem, was sehr schön war. Und einem kleinen Rant.

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Ich bin angekommen. In meinem Dasein als Alleinreisende. Ich muss nicht unbedingt in Kontakt mit anderen Reisenden kommen und reduziere menschliche Kontakte auf fokussierte mit jenen, die notwendig sind oder die ich auch wirklich möchte. Dieses Suchen nach Kontakten, um nur ja nicht einen Abend allein zu verbringen oder den nächsten Ausflug gemeinsam zu planen, das, was jüngere Traveller in ihren Lonely Planet-Hotspots so gern tun, das ist für mich nicht mehr wichtig. Ich lese lieber Jane Austens Lady Susan in Ruhe zu Ende oder recherchiere ein bisschen vor mich hin.

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Dennoch bleibt die Kommunikation nicht auf der Strecke. Mit der Freundin via WhatsApp zu telefonieren und herumzukichern, weil es eben alles lustig ist (happy Pizza…). Mit den Daheimgebliebenen zu mailen, die mich an ihrem Alltag weiterhin teilhaben lassen. Sich mitfreuen, wenn sie ebenfalls einen kleinen Auszeitschlenker in ihre notwendige Reise einbauen. Per Skype telefonieren. Alles schon in der vergangenen Woche geschrieben, fällt mir auf. Es scheint also doch nicht so unwichtig zu sein. Vielleicht auch ein Ersatz für die Travellergemeinschaft, der ich nicht angehören will, weil sie immer auch ein Element des Urteilens birgt. Wieder gemerkt, als ich mich mit B. aus Konstanz unterhielt, die mit ihrem Mann fünf Wochen in Kambodscha weilt und mich mit hochgezogener Augenbraue fragte: „Wie, du hast alles schon vorgeplant? Aber das ist doch kein travellen!“ Ja, richtig. Das ist wohl nicht die Art zu reisen, wie du sie bevorzugst, liebe B. Aber erstens bin ich auch allein unterwegs und zweitens nicht mehr 25 (du auch nicht, du bist nur ein Jahr jünger und hast schon die erste Enkelin), und außerdem mag ich es einfach, Dinge vorzuplanen.

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Das Strandleben. Egal, ob in Wustrow, meinem bevorzugten Ferienort in Deutschland, oder in Otres Beach – Meer und Wind und Sonne streicheln die Seele.

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Die Menschen. Die hier lebenden Menschen. Die, welche sich hier engagieren und versuchen, in ihrem Rahmen und mit ihren Mitteln, etwas zu schaffen, was nachhaltig ist und Hoffnung gibt. Diese Menschen machen die Touristen wieder wett, die sich über die zwei-, dreimal Stromausfall am Tag und das mitunter wackelige Internet beschweren. Was denken sie sich eigentlich? Sie sind in ein Land gereist, das vor knapp 20 Jahren einen langandauernden Bürgerkrieg und eine Schreckensherrschaft hinter sich gebracht hat, ein Land, in dem es fast keine alten Menschen mehr gibt, weil sie alle umgebracht wurden, um einen neuen Menschen zu erschaffen. Sie sind in ein Land gereist, weil es cool und chic ist, mal da gewesen zu sein, aber mit den Erwartungen, dass hier alles so läuft wie in Phuket oder Pattaya oder auf Koh Samui oder in Europa? Die gut geölte Tourismusmaschine? Bleibt doch zuhause. Ihr stört hier. Ihr stört und verstört die Menschen, die hier eine Siebentagewoche haben, die sich für euch hier in tropischer Hitze – und ja, auch Kambodschaner finden es heiß – ein Bein ausreißen, um euch kühle Drinks zu servieren. Ihr verliert euer Gesicht, wenn Ihr am Pool hängt, ein Bier in der Hand, eine Zigarette in der anderen und rummault, weil halt eben keiner das neue Bier so-fort!!! gebracht hat. Fremdscham.

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Ach, ich wollte ja über das Schöne schreiben: Es ist schön, unterwegs zu sein und Dinge zu erleben. Es ist schön, dass die Bilder vom sterbenden Mann nur noch selten auftauchen und wenn, dann nur geblitzdingst und von anderen Bildern sofort überlagert. Es ist schön, dass ich mich auf die nächsten Ziele freue. Und es ist schön, dass ich bei aller Reiserei doch das Gefühl habe, dass meine Wurzeln so tief in die preußische Erde eingewachsen sind, dass ich wohl nicht auf die Idee kommen werde, sie woanders einzupflanzen.