WMDEDGT 01/18.

Frau Brüllen hat’s erfunden und so schreiben am 5. eines jeden Monats viele Menschen, was sie eigentlich so den lieben langen Tag treiben. Ich auch.

Ich wachte schon um 4:48 auf. Ob das nun die Zeitverschiebung von 4 Stunden nach Deutschland ist oder ich einfach meine üblichen Schlafstörungen mit nach Südamerika genommen habe – egal. Es war jedenfalls deutlich zu früh, denn mein Wecker sollte ja erst um 7:00 klingeln. Ich las ein bisschen im Internet, kommentierte hier und da und regte mich ein wenig über die für mich nervige Art auf, hier und an vielen weiteren Orten der Welt Betten zu machen. Ich bewege mich nachts viel und die unter der Matratze quasi fest getackerten Lacken samt Überschlag über eine wollene oder andere Überdecke machen das fast unmöglich. Von der meiner Ansicht nach zweifelhaften Hygiene der – seltener gewechselten – Überdecke mal abgesehen. Aber gut.

Um 7:00 stand ich dann mittelmäßig wach auf, zog die Vorhänge des Hotels auf und erfreute mich sofort an einem knallblauen Himmel, liebevoll mit kleinen Wolkenfetzen betupft. Im Gegensatz zum komplett verregneten gestrigen Tag, den ich abwechselnd in einer der leckeren Schokoladenmanufakturen und in der Panoramabar des Hotels verbrachte. Bariloche in den Andenkordilleren Patagoniens sollte um diese Jahreszeit eigentlich Kurortähnliche 20 bis 27 Grad haben. Aber bereits gestern sagte mir der Portier, dass der Winter zu kalt und schneereich und das Frühjahr zu feucht gewesen sei, und nun sei der Sommer auch noch nicht wirklich ein Sommer geworden. Das käme erst in der kommenden Woche. Wenn ich schon unter der chilenischen Sonne bei hoffentlich höheren Temperaturen weile.

Ein schnelles Frühstück und einen halbwegs starken Kaffee später setzte ich mich in die Lobby und wartete auf meine Tour. Wäre ich fitter (Bänderdehnung) und es weniger windig (Sturm mit Orkanböhen, der See ist dem Atlantik an rauen Tagen nicht ganz unähnlich), dann hätte ich mir ein Mountainbike geliehen und eine kleine Tour durch den Nationalpark gemacht. Es gibt im Netz mehrere Tourvorschläge, die mit 19 Kilometern sehr handhabbar sind und außerdem bieten mehrere Agenturen Halbtages- oder Tagestouren an. Aber ich hatte gestern in weiser Voraussicht eine Bustour gebucht, den Circo chico, der mich an die schönen Panoramablicke nahe bei Bariloche führen sollte.

Ich wurde pünktlich abgeholt und in einem Minibus mit ausschließlich argentinischen Touristen unter spanischsprachiger Reiseleitung fuhren wir los. Sandra, die Reiseleiterin, sprach sehr verständlich und hatte viele interessante Informationen über Bariloche und Umgebung parat. Auch die Nazivergangenheit einiger zu Bariloche gehöriger Kommunen ließ sie nicht aus. Überhaupt fand ich die Tour für den Preis (knapp 30 Euro) gut strukturiert und sehr entspannt. Wir fuhren bis zum Cerro Campanario, wo wir mit einem Sessellift auf 1.500 Meter über Meeresspiegel kamen und eine wirklich traumhafte Panoramasicht auf den See Nahuel Huapi mit seinen vielen Buchten, Inseln und Halbinseln sowie auf das schneebedeckte Massiv des Cerro Catedral hatten. Ich holte mir in der Confiteria eine heiße Schokolade, DAS Getränk dieses sehr durch Schweizer und Deutsche Einwanderer geprägten Fleckchens Erde.

Danach ging es weiter auf die Halbinsel Llau Llau, auf der ein Riesenklotz an Hotel sowie die oben bereits erwähnten Naziverstecke die Attraktionen menschlichen Daseins sind. Die Natur dagegen ist die wahre Schönheit und bietet neben unterschiedlichen Seefarben von eisblau und jadegrün bis modderbraun je nach Bucht atemberaubende Ausblicke. Auch die endemische Fauna ist interessant, aber von eingeschleppten Usurpator-Pflanzen bedroht. Wir wanderten ein wenig herum, genossen die stärker werdende Sonne und picknickten am Ufer des Sees, wo einige der Mitfahrer abgesetzt wurden, um ihren zweiten Halbtagesteil mit dem Boot zu machen. Danach ging es um 14:00 wieder zurück nach Bariloche, wo ich mich an einem Movistar-Shop absetzen ließ, um meine Prepaid-Card aufzuladen. Ich bummelte ein bisschen durch die gut besuchte Fußgängerzone, erwog kurz, Postkarten zu kaufen, verwarf es wieder und erstand noch Wasser und Kekse für die Busfahrt morgen ein. Denn dann geht es über die chilenische Grenze nach Osorno, von wo aus ich weiter in den Süden reise, um den Arbeitsteil meiner Reise weiter zu betreiben.

Gegen vier – ich hatte noch in chilenische Pesos gewechselt, denn ich erinnerte mich, wie schwierig es war, am Wochenende irgendwo einen ATM zu finden, der Geld ausspucken würde – ging ich ins Hotel zurück und holte den fehlenden Schlaf des frühen Morgens nach. Bis ich eine Nachricht des Verehrers bekam, der einen richtigen Scheißtag hinter sich gebracht hatte. Das Management seines Bereichs hatte einige seiner engsten Kollegen gefeuert, weil sie Umstrukturierungen planen. Ob er selbst davon betroffen ist, wird sich noch herausstellen, aber die rabenschwarze Laune floß aus jeder seiner Nachrichten. Ich hoffe für ihn, dass dem nicht so ist. Eigentlich hat er einen Job, der schlecht zu ersetzen ist.

Ich schrieb und recherchierte noch ein wenig vor mich hin und ging um 20:00 ins Kotèlo, gleich um die Ecke meines Hotels. Es war auf allen Seiten empfohlen worden (nicht billig, aber!) und es wurde der guten Reputation durchaus gerecht. Mein Steak war sehr zart, aromatisch, der Salat frisch und die obligatorischen Pommes handgeschnitzt. Dazu einen dreiviertel Liter Patagonia Pale Ale und gute Musik von der argentinischen FunkJazzReggae-Band CuatroCientosOnce.

Gegen halb zehn war ich wieder im Hotel, für argentinische Verhältnisse deutlich früh, aber ich musste ja noch meine Sachen fertig packen, denn mein Bus sollte um zehn am nächsten Tag gehen und ich wollte wenigstens einmal in Ruhe frühstücken. Gegen halb elf hatte ich diesen Beitrag fertig geschrieben und ging ins Bett.

[Was schön war] #kw51 und 52/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war – diesmal für die korrekte Buchhaltung zusammengefasst in zwei Wochen, damit ich im neuen Jahr schön ordentlich mit der KW1 beginnen kann.

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Die beiden Weihnachtsfeiertage verliefen so entspannt wie sie in meiner Wahlfamilie nur sein können. Ich kann das so sehr genießen, weil die Weihnachten der Vergangenheit oft von Stress, familiärem Streit und bisweilen meiner vorzeitigen Abreise geprägt waren.

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Ein bisschen Terminkuddelmuddel machte meine Wochenplanung zunichte. Zudem fühlte ich mich noch reichlich lädiert mit meinem Fuß und der starken Gewichtsabnahme (fast fünf Kilo) der letzten beiden Wochen. Aber letztendlich ging doch alles gut aus, einiges konnte auf den letzten Drücker erledigt werden und anderes muss dann eben bis Februar warten.

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Gut angekommen in Buenos Aires.

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Wegen eines Taxinotstandes beinahe auf dem Flughafen gestrandet, aber ich konnte mir eines der letzten Taxis mit einem südafrikanischen Paar teilen. Wir feierten daher den Jahreswechsel nicht auf dem Flughafen wie die anderen Passagiere sondern bei Tempo 100, einem wild mit seiner Familie telefonierenden Taxifahrer (6 Kinder! Und alle musste er anrufen!), Despacito im Radio und einer sehr guten Aussicht auf das Feuerwerk der Stadt von der Autobahn aus. Aki Kaurismäki hätte seine helle Freude an diesem Szenario gehabt.

[Was schön war] #kw50/17.

Was in der vergangenen Woche schön war, zum vorletzten Mal in diesem Jahr. Ab dem 1. Januar 2018 dann auch wieder in der korrekten Kalenderwochennummerierung, die mir in diesem Jahr irgendwie verschütt gegangen ist.

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Die gedehnten Bänder in meinem „schwachen“ rechten Fuß taten immer noch ziemlich weh, aber eine elastische Manschette machte es erträglicher. Ich danke der netten Angestellten von meinem Sanitätsfachhandel um die Ecke sehr, die mich noch aus der Zeit kannte, als ich mit dem kranken Mann und seinen vielfältigen Hilfsmittelbedarfen Stammkundin bei ihr war. Wir plauderten beim Anpassen ein wenig, ich erzählte von meiner Reise, und sie freute sich so sehr und herzenswarm für mich, dass dieses Jahr mir gut getan hatte.

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Mit dem Verehrer via WhatsApp und Skype die Reise in die Wüste geplant. Von Flugbuchungen (er, besser ist das und diesmal geht es auch an den richtigen Zielflughafen, da wollte er mit mir kein Risiko eingehen) über Hostelsichtungen (beide, aber er hat die günstigeren Angebote gefunden) bis zur Jeepbuchung (beide, ich habe mich beim GPS durchgesetzt – ohne geht auch, aber…) – wir haben uns als ziemlich gutes Team erwiesen. Hätte ich die Reise alleine geplant, wäre es schneller gegangen, aber auch teurer geworden. Ich bin immer noch geflasht, dass er das so durchgezogen hat. Wow. Wie wunderbar, diesem Menschen begegnet zu sein.

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In Buenos Aires und Santiago warten Menschen auf mich, mit denen die ersten Begegnungen viel zu kurz erschienen. Hätte ich die Wahl, würde ich immer einen Monat in Berlin und einen Monat unten verbringen. Anscheinend bin ich immer noch auf der Reise. Betwixt and between.

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Alle An- und Abmeldungen bei Finanzamt, Arbeitsamt, KSK getätigt. Die Selbstständigkeit ist ab dem 1. Januar offiziell.

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Einen fiesen Magen-Darm-Virus eingefangen, der mir einige Pläne durcheinandergeworfen hat. Wenigstens ein paar Kilo abgenommen habe ich. Das einzig Gute daran.

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Wie immer Heiligabend in der (Wahl-)Familie verbracht. Entspannt, mit viel gutem Essen und viel geistigen Getränken, einer heißen Rommé-Runde und Ofenfeuer. So viel schöner als die Weihnachten aus vielen vergangenen Jahren, in denen Streit vorprogrammiert war.

Jahresendzeitfragebogen 2017.

Als dieses Jahr begann, wusste ich, dass es anders sein würde als alle anderen je zuvor. Nicht nur, weil ich mir ein ganzes Jahr Zeit gegeben hatte. Ein Jahr, in dem ich nur für mich da sein wollte. Nach all den Jahren, in denen ich für den todkranken Mann da war, mein Leben ein Stück weit für seines hergegeben habe, sollte dieses 2017 meines sein. Ohne Arbeit, ohne Verpflichtungen, ohne eine klare Richtung.

Dafür habe ich einen Mittelklassewagen investiert. Und es war die beste Entscheidung meines Lebens, mich aufgemacht zu haben. Auf eine Reise, die mich nicht nur über viele Grenzen und an Grenzen gebracht hat, sondern eine, die mich wieder näher zu mir selbst gebracht hat. „Du hast dich verändert“, sagt die beste Freundin, und vermutlich stimmt es. Ich bin wieder unruhiger, getriebener als in den letzten Jahren, als ich meinen Mittelpunkt im Mann hatte. Ich bin neugieriger, offener, wilder als jemals zuvor. Ich mache, was ich will. Ich bin egoistischer als je zuvor.

Das birgt Risiken. Ich bin nicht mehr so leicht vermittelbar. Weder in der Liebe, noch im Beruf. Deshalb habe ich auch meine Konsequenzen gezogen. Der Fragebogen 2017 wird Vieles von 2018 vorweg nehmen, aber er wird auch zeigen: ich habe keine Angst. Vor nichts und niemandem mehr. Vor dem Tod nicht. Und auch nicht mehr vor dem Leben. Nennt es pathetisch. Ich nenne es meinen ganz persönlichen Rosamunde-Pilcher-Roman.

Hier aber noch einmal die letzten vierzehn (!) Jahre Bilanzierung. 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004 und 2003.*

*2011 habe ich ausfallen lassen. Aus Gründen.

Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen. Der Kummerspeck der letzten Jahre ging schon in Neuseeland verloren und in den letzten sechs bis acht Wochen des Jahres hatte mein Gehirn so viel zu tun, dass es ganz fix den kleinen Speckgürtel verbrannte.

Haare länger oder kürzer?
Kürzer. Mal wieder mit Pony und dunkler. Ich mag dabei bleiben.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Oh, je. Ich habe dieses Jahr meine Weitsichtbrille wirklich gebrauchen können. Ansonsten so blind wie eh und je.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Wie schon geschrieben, habe ich in meine Reise einen Mittelklassewagen investiert. Meine immer geführte Buchhaltung hat mir einen Durchschnittsbetrag von knapp 130 Euro pro Tag gereicht, inklusive Flügen, Mietwagen und Unterkünften. Was erheblich gespart hat: die zwei Monate in Santiago, in denen ich eine eigene, günstige Wohnung hatte, und der Urlaub mit der Familie, in der mein Stiefvater eine Menge Hotelkosten getragen hat. Ansonsten habe ich günstige Linienflüge oder Ferienflieger genutzt, um Kontinente zu überwinden und war auch sonst nicht teuer unterwegs. Am teuersten war Rockport in New England, wo das Hotel unglaublich teuer war, aber ich auch einfach nur mal ein bisschen Luxus wollte.

Der hirnrissigste Plan?
In die Atacama-Wüste reisen zu wollen und dann den falschen Flug zu einem 800 Kilometer entfernten Flughafen zu buchen. Naja, nun werde ich das halt 2018 nachholen. In Begleitung des Verehrers.

Die gefährlichste Unternehmung?
Gefühlt: Menschen zu vertrauen, die ich nicht kenne, die mir Böses hätten antun können. Aber ich bin nie, nie, nie enttäuscht worden. Diese Reise hatte ich einen Schutzengel bei mir. Ich danke dir, mein Liebster. Du warst in vielerlei Hinsicht mein Schutz.

Das beeindruckenste Buch?
Ich habe mein eigenes Buch geschrieben und nenne es einfach mal: „Mein innerer Kompass.“ Ich bin so geeicht, dass er mich ziemlich sicher ans Ziel führt. Ob ich nun ohne Navi in einer fremden Großstadt unterwegs bin oder in Patagonien im Halbdunklen auf Schotterpisten die Estancia suchen muss – ich habe da eine gute Orientierung. Dass ich aus allen Abenteuern gesund und unbeschadet zurückkam, das ist wohl das beeindruckenste daran.

Der ergreifendste Film?
Ich hätte aus dem inneren Buch auch einen Spielfilm machen können. Mit viel Freiheit, wunderschönen Bildern, einer Liebesgeschichte und durchtanzten Nächten. Und am Ende auch noch einer Weiterbildung, mit der sich vielleicht sogar was anfangen lässt. Ich verliehe mir jedenfalls einen Oscar für das beste Drehbuch. Ganz unbescheiden.

Das beste Theaterstück?
Das größte Drama war definitiv die Szene, in der der große Chilene meine Kontaktlinsen, die ich mangels Übernachtungsvorbereitung in zwei Tassen mit Wasser in der Küche aufbewahrt hatte, in den Ausguss goss und ich dazu kam. Mord auf offener Bühne, das wäre es beinahe gewesen!

Das beste Lied?
Auf jeden Fall das Lied, dem ich auf der Reise am Allerwenigsten entrinnen konnte: Despacito. Nicht das beste, aber das nachhallendste. Dann noch Cox and the Riot, Anna Depenbusch, Maximo Park, meine idealen Begleiter für lange Autofahrten durch Neuseeland, Patagonien, Kanada.

Das schönste Konzert?
Maximo Park im Huxleys im September und davor im Mai Evanescence in der Movistar Arena in Santiago. Beides allein, beides sehr genossen.

2017 zum ersten Mal getan?
Über den Äquator und die Datumsgrenze geflogen. Einmal um die Welt gereist. Mit behinderten Kindern gearbeitet. Kurz vor der Antarktis haltgemacht. Ein Erdbeben erlebt. Endlich mein Traumtattoo machen lassen. So viele erste Male. So wenige für den Rest meines Lebens.

2017 nach langer Zeit wieder getan?
Eine neue Sprache so gut gelernt, dass ich mich nun fast mühelos verständigen kann. Vor einer Klasse gestanden und gelehrt. Artikel geschrieben und veröffentlicht. Mich sehr ungewollt ein bisschen verliebt. Wieder so gelebt wie ich eigentlich bin.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Der Planung und der Durchführung von Reisen. Dem atemlosen Schauen und Sein, dem Zuhören und Aufnehmen. Dem Fühlen. Dem Freisein. Meinem Freisein.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Dem Reisen. Ich mag es, alleine unterwegs zu sein, einen Schlafsack im Auto, genügend Wasser und Schokolade. Wohl die schönste Zeit mit mir allein. Obwohl… es gab so viele Menschen, mit denen das Sein so schön war. Und der Verehrer, das war auch eine schöne Zeit mit ihm.

Vorherrschendes Gefühl 2017?
Wow! Mehr! Frei!

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Einen gebrochenen Mittelfußknochen auf Bali. Ein paar Stationen in den USA, die mich weder gereizt noch bereichert haben. Das Loch, in das ich nach der Reise fiel (und aus dem ich wieder herausgeklettert bin).

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich mich. Dass ich keine Angst mehr davor haben muss, was die Zukunft bringt. Dass Selbstständigkeit für mich funktionieren kann. Und dass ich mir durchaus vorstellen kann, auf einem anderen Kontinent, in einer anderen Gesellschaft, zu leben und zu arbeiten.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Es gab irgendwie keine Geschenke für andere. Ganz egoistisch. Vielleicht ein bisschen Einsatz und Hilfe für jemanden, der sie dringend gebraucht hat. Aber das ist kein Geschenk, das ist selbstverständlich.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Ein Schlüsselanhänger meiner neuseeländischen Freundin (mit Gebamsel aus Pass, Fotoapparat und Flugzeug). Eine Muschelkette von den Osterinseln von meiner chilenischen Freundin. Ganz viel Freundschaft überhaupt. Freundschaft ist das schönste Geschenk.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich verschiebe meinen Urlaub um ein paar Tage, dann können wir uns in Montreal noch einmal sehen.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Warum eigentlich nicht? Wie ist das Wetter in Montreal?“

2017 war mit 1 Wort…?
Freiheit.

2018, du darfst kommen. Ich bin bereit für dich. Und die ganze Welt.

[Was schön war] #kw49/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war – wie immer heiß und frisch am Montagfrüh auf den Tisch!

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Kurz vor knapp noch mal mit dem Ex-Chef über die Vertragsmodalitäten sprechen müssen. Mein Nachfolger ist vor kurzem verstorben und hat aufgrund seiner schweren Erkrankung dann doch nicht mehr viel von dem übernommen, was ich vorbereitet und übergeben hatte. Da kommt es zukünftig auf wirklich ganz genaue Absprachen an und ich möchte ungern für eine Pauschale arbeiten, weil ich den Arbeitsaufwand einfach noch nicht abschätzen kann. Aber wir haben uns geeinigt, der Vertrag ist in der Post und ich denke, wir werden mindestens ein Jahr gut miteinander arbeiten.

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Mir den Fuß beim Putzen verstaucht. Aber eben nur verstaucht und nicht die Bänder gerissen oder etwas gebrochen. Das ist durchaus auch schön.

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Mich ein bisschen bei den Nachfolgeseminaren von den anstrengenden vier Wochen zuvor erholt. Jetzt kann der Input langsam sacken und Platz machen für neue Planungen. Ich hoffe, alles klappt, wie ich es mir vorstelle. Noch bin ich optimistisch und freue mich auf den Jahresrückblick sowie den Ausblick auf 2018!

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Der Verehrer hat tatsächlich Nägel mit Köpfen gemacht und Flüge in die Wüste gebucht. Wir werden uns dort mit einem seiner besten Freunde und dessen Lebensgefährtin treffen und ein paar Tage im Jeep herumreisen. Ich bin immer noch geflasht davon, dass er wahr gemacht hat, was ich als Scherz abgetan hatte.

[Was schön war] #kw48/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war – gar nicht so schwer, diesmal.

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Die letzte Unterrichtseinheit gehalten. Eine Doppelstunde Wortschatz und Schreiben. Ich hatte Spaß, die Schüler hatten Spaß und mit der Wiederholung von „sich verletzen“, „schwitzen“ und weiteren Worten mit Zisch- und tz-Lauten haben wir sogar eine Art Rap-Battle veranstaltet. Nachdem ich mich am Ende der Stunde bei den Versuchskaninchen-Schülern für ihre Geduld mit mir Lehrer-Darstellerin bedankt hatte, bekam ich vom größten Ego der Klasse das netteste Kompliment: „Vielen Dank für die schone deutschä Wortä“.

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Ich darf dann offiziell als Sprachlehrerin arbeiten.

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Noch einmal mit dem Hula-Mann getroffen, bevor er in sein Heimatland zurückkehrt. Mehr bedauert, dass er seinen Fisch Harvey mitnimmt als dass er geht. Manche Menschen bleiben nur für eine kurze Zeit im Leben und im Gedächtnis. Wir sind uns zu ähnlich, als dass es auf Dauer gut gegangen wäre.

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Die traditionelle Vorweihnachtsparty der Freundin war wie immer wunderbar, mit vielen Menschen, die ich so selten sehe, mit denen mich aber mehr als zwanzig Jahre gemeinsames Erleben verbindet. Oder wie die Mutter der Freundin sagte: „Es ist schon über ein Vierteljahrhundert her, aber an Sie erinnere ich mich immer ganz besonders gut, denn Sie haben sich so nett für das gute Essen damals bedankt.“

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Der Verehrer machte wieder von sich Reden. Ob wir denn nun die eine Woche in die Wüste fahren wollten? Und wann genau ich denn in Santiago sei? Wieso ich meine Unterkunft so weit weg vom Zentrum gebucht hätte? Warum ich ihm denn nie etwas von meinen Plänen erzähle (ja, wenn ich diese immer so genau wüsste, würde ich ja!)? Wir werden noch eine Menge Spaß miteinander haben, glaube ich. Und Stress, den auch. Der superpünktliche Informatiker und die chaotische Unverbindliche. Na, auf ein paar Bier und ein paar Tage in der Wüste lassen wir es mal ankommen.

 

WMDEDGT 12/17.

#WMDEDGT, erfunden und fortgeführt von Frau Brüllen, legt der Welt immer am 5. eines Monats den Tagesablauf zu Füßen. 

Der Handywecker klingelte um 7.15 Uhr, aber ich wachte schon eine gute Stunde vorher auf, konnte mich aber nicht aufraffen. Ich las ein bisschen das Internet leer und dachte über den beginnenden Tag nach.

Nach der Morgenhygiene trank ich einen schnellen Kaffee, aß eine kleine Schüssel mit Haferflocken und irgendeinem Knusperzusatz und packte meine Schulsachen zusammen. Gegen Viertel nach acht ging ich los, einmal quer durch den Prenzlauer Berg, gut 20 Minuten dauert der Weg bis zum Schulgebäude.

In der gegenüber liegenden Bäckerei kaufte ich mir einen Nudelsalat (der ist dort ausgezeichnet auf mediterrane Art) und ein Brötchen für zwischendurch. Dann ging ich ins Lehrerzimmer, wo meine Mitstreiterinnen in Sachen Vermittlung der Deutschen Sprache als Fremdsprache schon an ihren PCs saßen und das seit mindestens halb neun. Ich schaffe das nie so früh.

Ich besprach mich mit meiner Kollegin, mit der ich am Mittwoch eine Doppelstunde zum Themenbereich Gesundheit/Fitness/Sport gestalten muss. Ich führe den Wortschatz ein, mache eine Schreibübung und sie übernimmt Grammatik und Sprechen. Ich erstellte eine erste Übung zur Überprüfung des Wortschatzverstehens und entwarf ein Kreuzworträtsel, damit ich eine Zwischenübung einfügen kann, die ein bisschen spielerischer ist. Die Schreibübung hatte ich schon gestern vorbereitet; die Schüler – allesamt Nivau A1/A2 – werden eine E-Mail an eine Freundin/einen Freund schreiben und für ihr Fitnessstudio werben.

Um viertel nach zehn gingen wir alle in unseren Seminarraum, wo wir bis zum 14 Uhr noch einigen Input zum Thema spielerische Übungen und weitere Inhalte bekamen. Ich aß meinen Nudelsalat und bekam um halb drei meine begleitete Unterrichtsvorbereitung durch die Teacher Trainerin. Anders als in der Vorwoche abgesprochen, wollte sie, dass ich den Fokus nun doch mehr auf Gesundheit lege, aber das passt nun einmal nicht in den weiteren Kontext mit Fitness und Sport, also war ich entsprechend wenig begeistert und wurde auch ein wenig reserviert. Ich tauschte einige Verben aus, damit der Verletzungsaspekt seinen Platz bekam, aber ich werfe ungern Besprochenes einen Tag vor dem Unterricht um. Und ich wusste genau, dass mir das eine halbe Nachtschicht zum Umbau der Materialien bescheren wird.

Um Viertel vor vier kam unsere Klasse und wurde zwei Stunden von zwei Kolleginnen beschult. Die Klasse ist sehr fordernd, einige Egos sind zu berücksichtigen, und sie pushen sich auch gegenseitig gern hoch. Deutsch als Fremdsprache, gerade für Berufsanfänger und zukünftige Studenten, ist ohnehin eine harte Nuss, aber diese Klasse ist sehr erfolgsorientiert und erwartet mehr als die Klasse mit B1/B2-Niveau der ersten zwei Wochen der Ausbildung.

Um sechs war der Unterricht zu Ende, wir machten ein Feedback in der Sechser-Runde plus zwei Teacher-Trainer bis um kurz nach sieben. Ich ging durch den kalten Abend nach Hause, wo ich mir erst einmal einen starken Kaffee machte und Couscous kochte. Dann setzte ich mich an den Schreibtisch und dort sitze ich sicherlich noch über den heutigen Tag hinaus bis in die frühen Morgenstunden.

Das WMDEDGT im Januar wird dann aller Voraussicht nach wieder aus Südamerika kommen. Die Reise habe ich mir verdient.

[Was schön war] #kw47/17.

Was war denn in der vergangenen Kalenderwoche eigentlich schön? Ich musste ein wenig kramen und suchen, aber manches erscheint eben nur auf den ersten Blick als belanglos. Auf den zweiten Blick sieht war es dann doch schön.

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Gutes Feedback auf meine Fortschritte in der Weiterbildung bekommen. Ich gehöre nicht zu den Lehrer-Naturtalenten, dafür fehlt mir das Rampensau-Gen, aber offenbar habe ich ein gutes Gespür, wie ich meine Schülerinnen packen kann, um ihnen die deutsche Sprache etwas spannender zu präsentieren. Nichtsdestotrotz finde ich es entspannter, Schüler zu unterrichten, die bereits die deutsche Sprache einigermaßen beherrschen und dann mit ihnen etwas wirklich kreativ zu erarbeiten. Mal sehen, ob ich das verwirklichen kann, was ich mir in meinem Köpfchen so zurechtgesponnen habe – es wird jedenfalls nicht eine reine Tätigkeit als DaF-Lehrerin sein…

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Lustige Chat-Unterhaltungen mit meinen Buenos-Aires-Damen gehabt. Es wäre schön, wenn wir uns doch trotz widriger Umstände auf vielen Ebenen im Januar oder Februar dort treffen könnten.

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Ob ich den Verehrer in Santiago treffen möchte, weiß ich noch nicht so recht. Es hat sich etwas verändert, jeder macht nun seins und bezieht den anderen nicht mehr in seinen Alltag ein. Nach sechs Monaten des Nichtsehens wäre es auch ein Wunder, wenn es sich anders entwickelt hätte. Andererseits: wir halten den Kontakt, täglich. Aber ob ich ihn sehen möchte, steht auf einem anderen Blatt. Abgrenzen, sortieren und entemotionalisieren ist jetzt angesagt.*

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Den Hula-Mann getroffen und seltsame Cocktails mit ihm getrunken. „Mata Hari“ und „Chico caliente“ entpuppten sich als durchaus trinkbar. Allerdings mag sich mir das Konzept Sellerie-Gin nicht recht erschließen.

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Auf einer kleinen Ausstellung gewesen und einen tieferen Einblick in die spirituelle Szene bekommen. Nicht meine Welt, diese Meditations- und Achtsamkeitslyrik, aber ein paar hübsche Schlüsselsätze habe ich mir einmal gemerkt. Man kann nie wissen, in welchen Momenten man ein „Du musst jemanden loslassen, damit du die Hände zum Geben öffnen kannst“ anbringen kann.

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Der Hula-Mann möchte mich wiedersehen.

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*Und dann hat er mich nach Redaktionsschluss noch einmal immens mit seiner Frage überrascht: „Wann kommst du? Ich möchte mir eine Woche frei nehmen, um mit dir zu reisen!“ Und etliche Dinge mehr, die wir in den vergangenen zwei Wochen aus den Augen verloren hatten. Ach, ach. Ob ich mein gestohlenes Herz wohl je wiederbekomme?

[Was schön war] #kw46/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war, auch diese Woche arbeitsanfallbedingt in gekürzter Version.

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Den Ex-Ex-Chef getroffen und ab Mitte Februar kommenden Jahres als Auftraggeber gewonnen. Ich falle in vielerlei Hinsicht in weiche Wolle und habe einen flexiblen Zeitrahmen, der es mir erlauben wird, auch einmal drei, vier Wochen am Stück woanders zu sein und von dort aus zu arbeiten. Nun fehlen mir noch zwei, drei andere Auftraggeber, die ich entsprechend akquirieren muss. Aber es entspannt ungemein, sich vorerst keine Gedanken um den Lebensunterhalt machen zu müssen.

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Am selben Abend einige andere Ideen gehabt, die mir für die Zukunft viel Spaß machen könnten. Mit den Buenos-Aires-Mädels gechattet und wieder das Gefühl gehabt, dass da draußen noch sehr viel auf mich wartet. Sei es, dass ich Menschen wieder treffen werde, mit denen das Sein einfach nur schön ist oder dass Aufgaben auf mich warten, die mehr bringen als nur Geld.

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Trotz einer sehr starken Erkältung inklusive Nebenhöhlen-Gedöns Unterricht gehalten und für gut befunden worden. Aber es muss nicht nochmal so sein. Kudos an Lehrer, die das machen, aber es ist keine Option, sich krank und mit Fieber vor die Klasse zu schleppen.

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Übernachtungsbesuch von einer Internet-Bekannten aus Frankfurt bekommen und lecker Pho Bo essen gegangen. Wie anders doch das Leben einer Single-Mum ist, und umso mehr Respekt und Hochachtung, wie sie das alles immer unter einen Hut bekommen! Leider war ich zu müde und krank, um wirklich gute Konversation zu machen.

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Den ganzen Samstag vor mich hingelitten, aber abends dann doch das Gefühl gehabt, ich müsse noch mal raus. Die spanische Freundin angepingt und vor ihrer Wohnung – wie gut, dass wir in der selben Straße wohnen! – abgeholt, um in einer Bar um die Ecke einen Cocktail zu trinken. Wir entschieden uns danach dann doch noch kurzfristig für den Besuch einer Party, das aber nur, weil diese drei Tramhaltestellen entfernt stattfand. Wir sind so bequem geworden. Die Party selbst war eher mau, aber den Ausblick von der Dachterrasse über das nächtliche Berlin kann man nur spektakulär nennen.

 

[Was schön war] #kw45/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war? Suchen Sie doch mal bei sich! Meine Auswahl ist derzeit etwas eingeschränkt…

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Die Woche begann mit der Einführung in einen straffen Fortbildungszeitplan und dessen Durchsetzung. Mein Input-Zentrum wurde in Null-Komma-Nichts zum Überlaufen gebracht. Das kann man einerseits als Überforderungsszenario sehen, andererseits aber auch als Herausforderung. Informationen kurz scannen, ablegen und später verarbeiten und vertiefen, mehr ging eben nicht in dieser Woche. Die wirkliche Herausforderung war, nicht zu kapitulieren und den Schülerinnen (ja, ich lerne derzeit unterrichten und musste auch gleich am zweiten Tag die erste Stunde halten) nicht zu zeigen, dass ich von Tuten und Blasen, ergo: Deutsch als Fremdsprache, keine Ahnung habe. Das scheint gelungen, denn ich bekam gutes Feedback.

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Hula-Mann und Verehrer gedanklich wie emotional vorübergehend auf Eis gelegt. Ich musste Prioritäten setzen und da fallen die Herren einfach mal hinten unter. Was schön daran ist? Es geht mir gut dabei.

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Mit zwei Mitstreiterinnen der Fortbildung Pho Bo essen gegangen und Interessantes aus deren Lebensläufen erfahren.

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Trotz des ganzen Stresses am Samstagabend tanzen gegangen und viel Spaß gehabt.