[Was schön war] #kw38/17.

Wie jede Woche der Rückblick auf die schönen Seiten des Lebens, beziehungsweise der vergangenen Kalenderwoche.

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Einen Amtstermin mit einer überaus freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiterin absolviert. Inklusive Kaffee aufs Haus und kleinen Hinweisen zum weiteren Fortgang des Verfahrens. Entspannte Atmosphäre, so hätte ich das nicht erwartet.

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Diverse Projekte weiterbearbeitet, um sie irgendwann vielleicht einmal umsetzen zu können. Diese unproduktive Phase muss bald ein Ende finden. Und das tut sie möglicherweise auch. Der Anruf eines Freundes gibt Hoffnung für ein äußerst spannendes Projekt.

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Das erste Mal seit der Schulzeit wieder in einem Chor gesungen. Ob diese Art Chor ein Dauerprojekt sein wird? Noch bin ich unschlüssig. Man singt bislang ohne Noten und in mir sehr fremden Sprachen. Dafür beim Spanischstammtisch für meine gute Aussprache gelobt worden. Die tägliche Konversation mit dem Verehrer hat zumindest meinen Sprachschatz aktiv gehalten. Den Verehrer-Schatz oder vielmehr das Schätzen desselben indes aktiv zu halten fiel in der vergangenen Woche etwas schwer. Viel Arbeit seinerseits, wenig interessantes Berichtenswertes meinerseits und damit verbundene Verflachung der Konversation – Langweile brauche ich nicht. Nun strengt er sich wieder an. Und ich mich auch ein bisschen mehr. Immerhin: fast sechs Monate ununterbrochene Kommunikation. Es wundert.

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Wie immer sehr schöne Abend- und Kaffeeverabredungen gehabt. Wie schön, dass es diese Menschen gibt.

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Mit dem Ex im Kino gewesen und mit ihm auf 17 Jahre Ex angestoßen. Und auf eine Sache, die uns beiden immer noch bisweilen schwer auf der Seele liegt, die man aber annehmen muss und das Leben hat nun mal nicht immer einen glücklichen Ausgang. Prost, kleiner Mann da oben in den Sternen.

[Was schön war] #kw37/17.

Wie immer zum Wochenende oder -beginn die Übersicht dessen, was in der vergangenen Kalenderwoche schön war.

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Zum Wochenbeginn sehr nett frühstücken gewesen. Dieses Internet und die darin lebenden Menschen sind in natura meistens noch netter, aufgeräumter und humorvoller als in ihren jeweiligen Web-Aktionsgebieten. Zum Wochenausklang in Frankfurt mit einem weiteren Internetmenschen getroffen. Das füllt das Herz ein wenig mehr.

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In die Heimatstadt gefahren. Als quasi Touristin durch die Stadt gelaufen und Fotos gemacht. Erstaunlich, wie sich die Stadt verändert hat! Die Innenstadtplaner haben einige Kardinalsfehler anderer im Krieg fast vollkommen zerstörter Städte wieder berichtigt und dabei in wesentlichen Elementen auf eine einheitliche und zeitlose Bauweise geachtet. Man kann diese fast schon skandinavische Neigung zu grauem Holz, viel hellem Kalkstein und dazwischen eingepassten bunten Glasflächen als etwas unpassend für eine hessische Stadt empfinden, die im Wesentlichen aus Nachkriegsbeton und Sandstein-Monumentalbauten besteht. Aber eine Verbesserung ist es allemal. Aufgehübscht, würde ich sagen. Ich bin ein bisschen versöhnt mit dieser Stadt am Main, die mir immer zu eng, zu kalt und zu grau war.

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Mit einer Schulfreundin getroffen, die ich seit 25 Jahren nicht mehr gesehen habe. Unsere Wege hatten sich ein wenig verlaufen, nachdem wir fast 13 Jahre enge Freundinnen und Nachbarinnen waren. Seltsamerweise haben wir in vielen Dingen die gleichen Entscheidungen getroffen, ähnliche Wege eingeschlagen und bisweilen unkonventionelle Lebensentwürfe entweder ertragen müssen oder angenommen. Ein schöner Nachmittag des Wiedersehens.

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Mit einem alten Schulfreund getroffen, Wein gesoffen und der Musik der 80er Jahre gefrönt. Das war ganz großartig und ich wünsche ihm und mir, dass wir uns nicht in Illusionen der Liebe verlieren. Man kann sich mit Zuwendungen begnügen, die nicht ausreichen, um das Herz auf Dauer zu füllen. Er mit seinem Lover nicht und ich… nun ja.

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Der kranke Vater erkennt mich nicht nur, sondern fragt mich auch nach meiner Reise. Ganz entgegen aller Erwartungen kommt er ein zweites Mal aus seinem Zimmer, um noch einmal zu fragen und mir zum Abschied einen Kuss zu geben. Es muss ihn viel Anstrengung gekostet haben. Kleine Abschiede auf Raten. Wir hatten nie genug Zeit und Raum füreinander.

Aber die Reiselust, die haben wir beide in den Genen.

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Das erste Mal auf dem Original Oktoberfest gewesen. Und sehr lieb unter die Fittiche genommen worden. Die klassische Wiesn-Gaudi mit Tanz auf den Bänken, Saufgelagen und Touristenballung habe ich mir daher noch nicht geben dürfen (müssen). Das kann ich mir ja nächstes Jahr antun. Dafür aber sehr lustig – wie immer mit Internetmenschen – Maß (in Maßen) getrunken, hervorragend gegessen und mein Dirndl ausgeführt. Ja, mein Dirndl. Das habe ich schon länger und ich darf das, ich bin da unten geboren.

[Was schön war] #kw36/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war, wie immer kurz zusammengefasst. Diese Woche sogar mit Poesie!

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Beim Spanisch-Stammtisch gewesen. Diese Stammtische finden – auch in deutscher Sprache – in vielen großen Städten der Welt statt und werden neben etlichen anderen Aktivitäten über eine Expatriate-Community organisiert. Es gibt also nicht nur Gelegenheit, sich in einer Fremdsprache zu üben oder mit Menschen in der Muttersprache zu unterhalten, während man, sagen wir, in Nairobi, Buenos Aires oder Montreal sitzt. Die zu diesen Events zusammenkommenden Menschen sind so bunt wie die Welt und haben genau den Touch Internationalität und bisweilen auch Durchgeknalltheit, den ich gerade brauche um zu überleben.

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Mit der spanischen Neu-Bekannten Kaffee trinken gewesen. Wir sprachen über Männer (sic!), das Alter (mein Gott, sie ist fast so alt wie ich und hat sich verdammt gut gehalten!) und Poesie. Nun gehört diese Literaturgattung nicht unbedingt zu meinen allerliebsten, und ich gestehe, früher habe ich sie sogar verachtet, weil unter Zeitverschwendung abgelegt. Aber Poesie kann auch eine fremde Sprache vertiefen. Und so habe ich – natürlich, natürlich – ein wenig in den Gedichten Pablo Nerudas geschmökert, des chilenischen Nationaldichters, dessen Haus Isla Negra an der Pazifikküste mir sehr gut gefiel. Über seine Frauengeschichten schweige ich lieber, da müsste ich sonst die Machismokeule rausholen und ihn postum damit erschlagen. Hier das wunderbare Sonett XVII, das mich aus Gründen besonders angesprochen hat:

„Ich liebe dich nicht, wie ich eine Rose aus Salz lieben würde,
einen Topas, einen Nelkenpfeil, der das Feuer entfacht:

ich liebe dich, wie man die dunklen Dinge liebt,
heimlich, zwischen Seele und Schatten.

Ich liebe dich wie die Pflanze die nicht blüht und die
in ihrem Innern andrer Blumen Licht versteckt,
und dank deiner Liebe lebt in meinem Leibe dunkel
das dichte Arom, das aufstieg aus der Erde.

Ich liebe dich und weiß nicht wie noch wann noch wo,
ich liebe dich geradezu ohne Fragen noch Stolz,
so lieb ich dich, weil anders ich nicht lieben kann,

vielmehr auf diese Weise, in der ich und du nicht sind,
so nah, dass deine Hand auf meiner Brust ganz mir gehört,
so nah, dass ich in meinem Schlaf deine Augen schließe.“

Ich hoffe, dies ist eine korrekte Übersetzung, denn ich habe keine andere dazu gefunden. Und? Hat es Ihnen gefallen?

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Spontan auf einer Veranstaltung der Berlin Art Week am Freitag und auf einer Open Gallery einer befreundeten Künstlerin am Samstag gewesen. Immer wieder faszinierend, diese Kunstweltmenschen.

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Viel gutes Fleisch gegessen. Aus mir wird keine Vegetarierin mehr.

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Einen kleinen Tritt in den Hintern bekommen. Auch dazu sind Freunde da.

[Was schön war] #kw35/17.

Schon zwei Wochen zurück in der großen Stadt und stets auf der Suche nach dem, was in der vergangenen Woche schön war.

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Den spannenden Plänen einer Freundin und ihres Mannes gelauscht. Ich bewundere sie dafür, dass sie beide den Mut haben, woanders noch einmal ein ganz neues Projekt anzufangen. In eine neue, völlig andere Umgebung zu wechseln und dort etwas aufzubauen, das sich vom bisherigen Alltag vollkommen unterscheidet. Andererseits: auf meiner Reise habe ich so viele Menschen getroffen, die ihrem Leben mit Mitte 50 und sogar weit darüber hinaus noch einmal eine komplett neue Richtung gegeben haben und damit sehr glücklich geworden sind. Ich finde es schön und melde mich hiermit schon einmal als Besuch am neuen Ort an.

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Mit einer Ex-Kollegin Wein getrunken und alte Geschichten herausgekramt. Was waren wir damals jung und hatten diese Unverfrorenheit, die man wohl in der Medienbranche und ganz besonders im großen Verlag braucht! Sie hat mit Wissen, Können, Machtbewusstsein und den richtigen Connections innerhalb des Verlags eine ziemliche Karriere hingelegt, die sicherlich weitergehen wird. Ich bin gespannt.

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Vom Zauberfriseur eine Frisur verpasst bekommen, die irgendwo zwischen französischer Chansonette und russischer Nutte changiert: deutlich dunkler und endlich der grässlichen roten Reflexe entsorgt, mit geradem Pony und guter Fülle zum wieder länger Wachsen lassen.

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Mich entschieden, das erste Mal in meinem Leben auf die Wiesn zu fahren. Zwei Verabredungen getroffen, weitere stehen noch aus. Vielleicht geht es auf dem Rückweg nach Berlin über Prag, wo ich schon lange nicht mehr war. Die Weltreise geht immer weiter, irgendwie.

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Einige Ideen für Projekte heruntergeschrieben. Ich bin noch nicht sicher, ob ich das wirklich kann. Man schenke mir den Mut und das Selbstbewusstsein von anderen, die fröhlich pfeifend durch die Welt wandern und davon ausgehen, dass diese nur auf sie gewartet hat. Das wäre schön, ist es aber nicht, weil ich weit davon entfernt bin. Alle Pläne und optimistischen Ansichten bekommen gerade Risse und bröckeln.

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In reger Konversation mit dem Schönen aus dem Internet gewesen. Leider habe ich dann doch ein wenig die Lust verloren, mich wirklich mit ihm zu treffen. Es wäre Zeitverschwendung, er ist mir nicht gewachsen.

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Mit dem Herzen ist wohl alles in Ordnung. Der Arzt findet es sogar besser in Schuss als beim letzten Mal. Gebrochen ist nach erster Sicht also nichts, auch wenn es manchmal ziept und schmerzt. Morbus Sehnsucht, ebenso irreal wie unsinnig. Gibt nur leider keine Medizin dagegen.

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Ob Reisen wohl hülfe?

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Sie sehen: ich bin zurück und die graue Wolke lauert in der Ecke, wartend auf den richtigen Augenblick, um mich einzuhüllen und die Farben der vergangenen Monate verblassen zu lassen. Das ist nicht schön. Vielleicht sollte ich diese Rubrik einfach einfrieren, bis mich die Sonne wieder hat.

WMDEDGT 09/17.

#WMDEDGT bringt einmal monatlich und immer am 5. den Tagesablauf ins Internet. Initiatorin des Ganzen ist Frau Brüllen. 

Gegen fünf wachte ich das erste Mal auf. Ich hatte mich so unschön in meine Bettdecke gewickelt, dass ich mein rechtes Bein nicht mehr bewegen konnte. Ich schlief nach der ordnungsgemäßen Entwickelung noch einmal ein, bis um kurz vor acht der Wecker klingelte. Ich trödelte ausgiebig im Bad herum und befand hinterher, dass der Duschkopf mal wieder eine Entkalkungsaktion verdiente. Logisch, dass dann gleich das gesamte Bad noch einmal gründlich geputzt werden musste.

Ich hatte um zehn eine Verabredung mit der heimurlaubenden Madame Modeste in einem Straßencafé unseres Viertels, wo es verlässlich günstiges und gutes Frühstück gibt. Draußen war es wärmer als gedacht, 20 Grad und Sonne, das darf gern noch bis in den Oktober so weitergehen. Ich lief die paar hundert Meter zum Café und freute mich, dass noch nicht alle Tische auf dem Gehweg besetzt waren. Kurz nach mir traf auch Madame ein, in ein leuchtend rotes Kleid gewandet. Das sollte sie öfters tragen, es steht ihr ausgezeichnet und lässt sie strahlen. Ich bestellte mir ein Käsefrühstück und Rührei, während Madame die deftige Weißwurstvariante verspeiste.

Gegen zwölf hatten wir ausgeratscht und ich fuhr zu meinem Lagerabteil, wo meine Kisten, Koffer und Kästen während der Reise untergebracht waren. Ich lud das Auto voll und schaffte immerhin die meisten meiner Schuhe, Kleider und einige Unterlagen in die Wohnung. Bevor ich wieder einräumte, mistete ich eifrig aus. 57 Paar Schuhe sind eindeutig zu viel. Viele hatte ich seit zehn, fünfzehn Jahren nicht mehr an und setzten aus rein nostalgischen Gründen Staub an. Ab in den Müll damit. Ausgelatschte Schuhe werden nicht mehr weitergegeben.

Um drei war ich auf einen Schlag so müde geworden, dass ich einen kleinen Mittagsschlaf auf dem Sofa einlegte. Ich schlief tatsächlich eine gute Stunde und wachte ein wenig belämmert vom Klingeln meines Handys auf. Die Freundin wollte wissen, ob wir am Wochenende ausgehen. (Wollen wir! Es gibt da draußen einen Cocktail mit unserem Namen darauf.)

Danach schob ich eine Trommel Wäsche in die Maschine und machte mich daran, den Balkon ein wenig aufzuräumen. Die Untermieterin war zwischenzeitlich zwei Wochen nicht in Berlin gewesen und das hatte den meisten der im vergangenen Jahr gezogenen Kräuter den Garaus gemacht. Was nicht weiter schlimm ist, aber dieses trockene Gestrüpp sah so traurig aus, dass ich es nicht länger ansehen wollte. Daher steht in dieser Woche bestimmt noch ein Besuch in einem Gartenbaumarkt an, Herbstblüher kaufen.

Gegen sechs machte ich mir einen Toast, nach dem ausgiebigen Frühstück hatte ich gar keinen Hunger mehr auf Mittagessen gehabt. Ich machte noch ein wenig Buchhaltung und bearbeitete E-Mails. Der Alltag hat mich langsam wieder. Meine drei interessierten Tinder-Herren wollten auch noch beantwortet werden und so ging die Zeit herum. Beim Aufräumen hatte ich meine alten Tarot-Karten wieder entdeckt, mit denen ich mir während eines Kreta-Urlaubs meine Cocktails im Hotel verdient hatte. Auch eine der Geschichten, die ich vielleicht dereinst einmal erzählen muss…

Den Rest des Abends verbrachte ich auf dem Sofa, schreibend und lesend. Der Fernseher hat für mich seit mehr als drei Monaten überhaupt keine Anziehungskraft mehr. Es läuft einfach nichts, was mich noch interessiert. Vermutlich ist es Zeit für Netflix oder Amazon Prime. Oder ich lasse es einfach. Reine Zeitverschwendung.

[Was schön war] #kw34/17.

Was war denn so in der vergangenen Woche nennenswert schön? Hier ein kurzer Überblick.

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Mich mit vielen Menschen getroffen und verabredet. Menschen, die mir das langsame Wiedereingewöhnen erleichtern.

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Die Eheprobleme der anderen vernommen. An die Zeit mit dem Mann gedacht und mich gefreut, dass wir es alles ausgehalten haben. Bis zum Schluss.

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Ein bisschen in der Gegend herumgeflirtet. Der Plan, den Verehrer mittels Tinderdates zu vergessen, scheint zwar noch nicht ganz aufzugehen, aber in der Zwischenzeit habe ich ein wenig geübt. (Auch, wenn er sich mit seinen steten Nachrichten und Nachfragen nicht vergessen machen will und ich so wehrlos bin dagegen. Wie aus dem Nichts kam die Ankündigung, dass er eine Reise nach Deutschland plant.)

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Die Wohnung wieder in Besitz genommen. Zwar hat die Untermieterin doch kein ganz so glückliches Händchen bei der Pflege meiner Pflanzen bewiesen – die Orchideen haben vor Freude geweint, als ich sie goss -, aber sonst ist alles so wie es war. Nur ich bin nicht mehr dieselbe.

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Vom Lieblingstürsteher des Cookie’s von vor zwanzig Jahren gleich wiedererkannt worden. Getanzt. Zur Diskokugel hinaufgeschaut und an alle gedacht, die dem Herzen nahe standen und die nun schon so lange verloren sind. Wir hatten so großartige Zeiten. Dancing the night away.

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Spontan auf einer Demo am Infostand ausgeholfen. Ich bin überzeugte Europäerin, und auch, wenn es nicht ganz so professionell und öffentlichkeitswirksam funktioniert (vielleicht sollte ich mich da mal einklinken? Obwohl ich eher nicht so eine Graswurzelerin bin), ist es eine gute Sache und hat mir Freude gemacht.

ZwischenWelt.

Im Englischen gibt es den schönen Ausdruck betwixt and between, über den ich vor vielen Jahren schon einmal im Altblog geschrieben hatte. Vieles im Leben wiederholt sich, und auch, wenn die damalige Situation eine ganz andere war, bin ich gerade sehr in einer Zwischenwelt, einem Zustand des Nicht-mehr-Seins und Noch-nicht-Werdens. Und eine kleine Metaebenen-Ähnlichkeit gibt es auch: damals hatte ich gerade Meike Winnemuths Reise um die Welt begeistert und sehnsüchtig mitgelesen, und nun geht es mir genauso wie ihr nach dieser Ausnahmezeit.

Schon der erste Abend in der eigenen Wohnung ließ mich ratlos zurück. Wer war die Frau, die hier früher wohnte, erst allein, dann mit dem kranken Mann und später wieder allein? Die, wie ich finde, einen ganz guten Geschmack besitzt und ein Händchen für die Inneneinrichtung, die aber auch viel zu viel Unnützes in den Regalen hat. Dafür sehr viele Bücher. Die eine Vorliebe für Kleider hat, für weiße Blusen (sechs! und die aus dem Lager sind noch nicht wieder im Schrank angelangt…). Deren ganze Wohnung ein Versuch zu sein scheint, sich ein stilvolles Zuhause zu schaffen, eines zum Freunde einladen, gut Essen und Trinken. Ein repräsentatives Heim für eine beruflich erfolgreiche Alleinstehende, die niemanden so recht mehr in ihr Leben lassen möchte, es sei denn, sie erlaubt es. Nach ihren Regeln.

Der Versuch, diese Frau zu orten und in mir wieder zu verorten, ist zum Scheitern verurteilt. Zu Beginn der Reise sagte die Freundin: „Du wirst eine Andere sein, wenn du zurück kommst.“ Ich lachte. Aber sie hat Recht behalten. Diese Frau von vor fast sieben Monaten bin ich nicht mehr. Reste finden sich; in der Liebe bleibe ich wohl für immer ein Einsiedlerkrebs, sonst hätte ich meine Koffer dauerhaft an einem anderen Ort ausgepackt. In Sachen emotionaler Schadensbegrenzung bin ich sehr gut trainiert.

Die Frau mit Plan A, B, C und der Notfallalternative D gibt es gerade nicht mehr. Oder doch? So viele Pläne, Projektideen und Luftballons schwirren in meinem Kopf umher. Alle mit dem Ziel, nicht mehr zu erstarren, lebendig zu bleiben und weiter zu lernen. Es wird ein langer Weg werden, bis ich wieder in mir angekommen bin. Vielleicht der beschwerlichste Teil dieser Reise, zu der ich an einem Februarsonntag aufbrach und die mir so viel gegeben hat, dass es für mehrere Leben reichen würde.

Wir werden sehen, wohin mich diese neue Reise führt.

[Was schön war] #kw33/17.

Was war denn in der vergangenen Woche schön? Kurz und knapp könnte ich sagen: die Heimkehr nach einer langen Reise. Denn anders als geplant wurde aus zwei Wochen Schottland nur eine. So ist das, wenn die Freundin spürt, dass eine weitere Woche allein Umherreisen keine gute Idee für Herz und Hirn gewesen wäre.

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In Glasgow gut gegessen und mit der Freundin viel über Vergangenheit und Zukunft gesprochen.

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In der Nähe von Edinburgh noch einmal sehr gut gegessen. Wer immer noch behauptet, man könne in Großbritannien keine kulinarischen Entdeckungen machen, hat noch keinen Salat von zweierlei Sorten Rote Beete mit Kresseschaum und Ziegenfrischkäse gegessen!

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Einen günstigen Flug bekommen und eine Stunde nach der Freundin nach Berlin zurückgeflogen. Dass mein Gepäck nicht mitkam, war zwar ärgerlich, aber nach zweieinhalb Tagen wurde meine Reisetasche ins Haus geliefert.

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110 Quadratmeter ganz für mich allein, bis meine Wohnung am Ende des Monats wieder frei ist – auch dafür habe ich die beste Freundin der Welt!

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Mit dem Ex und seiner Ex ausgegangen und überaus gute Musik gehört. Ganz wie vor fast zwanzig Jahren, als wir das Nachtleben von Berlin sehr intensiv gemeinsam erlebten.

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Bei Freunden wunderbar bewirtet worden und über Zukunftspläne gesprochen. Wir werden weiter sprechen. Es könnte sich etwas sehr Gutes daraus ergeben.

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Angepratert.

[Was schön war] #kw32/17.

Was in der vergangenen Kalenderwoche schön war – in der vorletzten Reiseedition. Danach gibt es vermutlich nur noch depressiven Content aus Berlin. Genießen Sie es also noch einmal.

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Durch NYC gewandert und mich über diese Stadt gefreut. Riecht bisweilen nach Bangkok, ist grüner als erwartet und irgendwie angenehm vertraut. Über Manhattan geblickt und gedacht: nun hattest du alles, was diese Reise dir bieten sollte. Sei zufrieden und dankbar für diese Zeit.

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Den Sprung über den Atlantik gemacht und das erste Mal seit einem halben Jahr wieder europäischen Boden betreten. Noch, möchte man meinen, denn Großbritannien hat sich ja entschieden, nicht mehr Europa sein zu wollen.

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Die Freundin am Flughafen in Edinburgh abgeholt. Sie hat mich am 12. Februar zum Flughafen in Richtung Weltreise gebracht und mich einmal die Woche angerufen, egal, wo ich gerade auf der Welt war. Gute Freundin.

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Mit zwei Twitterern in Edinburgh auf einen Gin & Tonic getroffen. Lustigen Abend verbracht, auch, wenn ich wegen der Umgebungsgeräusche nicht einmal die Hälfte des Gesprächs verstehen konnte.

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Durch die Highlands gefahren und eine Whiskyverkostung gemacht. Schmeckt mir immer noch nicht.

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Von der Freundin aus der beginnenden Depression geholt worden.

[Was schön war] #kw31/17.

Die Zeit des Reisens neigt sich langsam dem Ende entgegen und ich erinnere mich immer öfter an die schönen Momente und versuche, sie zu halten und nicht mehr zu vergessen. Als Vorrat für die grauen Zeiten, die wieder auf mich zukommen werden. Auch die vergangene Woche hatte wieder Schönes zu bieten. Das kommt alles in den Speicher.

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In Portland in einer Quasi-WG gelandet und mich so wohl gefühlt, dass ich spontan eine Nacht länger blieb. Es tat gut, mit kreativen, lustigen und weltoffenen Menschen auf gleichem Niveau zu sprechen. Und in einer ähnlichen Altersgruppe zu sein, mit ähnlichen Erfahrungen und Geschmäckern – die Kinder der 80er und 90er erkennen einander.

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Der Artikel wurde nun endlich veröffentlicht. Ich bin stolz auf mich, weil ich mich durchgebissen habe. Von der ersten Recherche auf spanischsprachigen Seiten bis hin zum Termin mit dem Chefredakteur, der mir die Idee und dann den Text begeistert abnahm. Und dann der eigentliche Termin, zuvor noch ein Interview mit einem Sidekick komplett in spanischer Sprache. Aus vielen Informationen die Fakten herausfiltern, die man wirklich präsentieren möchte und sollte. Die unwichtigen und persönlichen wie auch politischen Aussagen speichern, aber weglassen. Das Schreiben, das ebenso viel Spaß macht wie die eigentliche Recherche. Das war schön.

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Noch einige Strandtage in Rockport und Gloucester genossen, mir die Sonne auf den Brauch brennen lassen und nun ein hübsches Gittermuster dank des Strippenbikinis auf dem Rücken haben.

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Auf einem Boot gewesen, einfach nur nett gefragt, und der Captain hat mich gelassen und mir einiges erklärt. Ein besonderes Boot, das gefällt mir.

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In New York durch die Straßen gelaufen und mich wohl gefühlt. Meine Großstadtphobie ist vorbei. Die Bekloppten haben mich wieder.

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Mir spontan einen Pony geschnitten und mich ein bisschen neu erfunden. Mit Weichzeichner-Filter an Fotos herumgespielt und daraufhin mehr Komplimente von der Netzgemeinde bekommen als je zuvor. Wie leicht es doch ist zu manipulieren. Aber was soll’s – es sieht gut aus und macht jünger. Alt werden wir noch früh genug. Do it like Dorian Gray!