[Was schön war] #kw38.

Vorfreude auf den Familienbesuch im Weserbergland.

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Seit langer Zeit mal wieder in der Philharmonie gewesen. Ein edler Spender überließ mir seine Superplatz-Abokarte, und so konnte ich dem Dirigenten quasi auf die Finger schauen. Noch nie gehörter Honegger (überraschend anders), dazu Dutilleux (mit dem wurde ich nicht warm, obwohl sehr interessante Assoziation zu Jazz-Sessions) und Debussy (hinterließ ein frisches Gefühl im Kopf), dazu ein angenehmer und sachkundiger Abo-Nachbar – ich fühlte mich gut unterhalten und habe nun keine Bedenken mehr gegenüber moderner Klassik.

Einzig die frappierende Ähnlichkeit des Dirigenten mit einer lang vergessenen Ex-Affäre störte ein wenig. In Mimik, Gestik, den schmollend aufgeworfenen Lippen und den Basedowschen Augen ganz die von mir mehr oder weniger liebevoll Schildkröte genannte Affäre. Ich frage mich, wie es ihr wohl geht, in ihrer hanseatischen Heimat, in die sie zu ihrer Jugendliebe zurückgekehrt war. Einige meiner langjährigen Leser werden sich vielleicht erinnern. Wir hatten uns nicht gut getan, damals.

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Vor Freude in die Luft gesprungen, als ich die Nachricht des Chefs erhielt: meine Arbeit hat sich gelohnt – ein unsinniges Bauprojekt wurde mit großer Mehrheit abgeblasen.

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Mit den Freunden in großer Runde mehrfach das Ouzo-Glas auf den Mann erhoben, ganz in schöner, irischer Tradition: „to absent friends“, im Gedenken an schöne Zeiten. Es hat mich berührt, die Trauer in den Augen seiner Freunde zu sehen. Die Lücke in unseren Reihen und das Gefühl, dass er doch irgendwie da ist: in uns, in unseren Herzen, in unserer Erinnerung.

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Ein gutes Rib-eye-Steak gegessen. Woanders spontan zu einem ebenfalls guten Essen eingeladen worden. In der Freundesrunde exzessiv Gyros Zaziki gegessen. Ja, es wird offenbar immer wahrer: Essen ist die Erotik des Alters.

Kinder, Kinder.

In dieser Woche wurde ich spontan zum Abendessen in Familie eingeladen. Von den beiden Jungs im Teeniealter ist der jüngere wohl gerade sehr zwischen dem Noch-nicht-Teenager und Nicht-mehr-ganz-Kind. Er taxierte mich vorsichtig und unsicher, um herauszufinden, wer und wie ich denn wohl sei. Beim Beobachten der familiären Rituale und dem Lauschen der Pubertätsthemen fiel mir einmal mehr auf, wie wenig ich doch über Kinder oder junge Erwachsene weiß. Ich bin einfach irgendwann nicht mehr in Kontakt mit ihnen gekommen. Mein Patensohn ist im Grundschulalter und wir unternehmen dann und wann etwas gemeinsam, aber mehr eintauchen in diese jungen Leben konnte ich nie.

Mein Kind, das ich damals nicht bekommen konnte (und wollte), wäre heute 15 Jahre alt. Die anderen, nie gewachsenen, würden mit dem Patensohn gemeinsam Fußball spielen. Was würde ich ihnen mitgeben, wenn sie noch bei mir wären? Wie würden wir miteinander leben? Welche Themen hätten wir? Würden sie mich ebenso wahnsinnig machen wie ich meine Eltern?

Ich glaube, das Wichtigste was ich versuchen würde, ihnen zu vermitteln, wäre, dass sie keine Angst vor dem Leben und auch vor dem Tod haben müssen. Dass alle schlimmen Erlebnisse und Erfahrungen immer nur temporäre Ereignisse sind, die zwar wehtun und manchmal auch lange nachhallen, sie aber letztendlich vorbeigehen und von schönen Dingen überlagert werden. Dass Menschen nicht immer sehr nett zueinander sind, aber sie sich auf die Suche nach jenen machen sollen, die für immer und ewig sind. Und dass sie alles schaffen können, was sie wollen (vorausgesetzt, sie bleiben im halbwegs legalen Rahmen).

Als kinderloser Mensch wird man ja gern von Eltern darauf reduziert, dass man sich keine Meinung zu Sprösslingen oder Erziehungsfragen erlauben dürfe. Anne weiß ein Lied davon zu singen.kinder

Was mich daran erinnert: ich muss mir mal wieder den Patensohn schnappen und Trampolinspringen gehen, in ein Mitmachmuseum oder einfach auf umgestürzten Bäumen balancieren. Und ein bisschen an ihm herum erziehen. Auf Pfiffe reagiert er übrigens ganz ausgezeichnet.

[Was schön war] #kw37.

Nach einer langen Zeit der Trockenheit und hoher Temperaturen: endlich wieder Regen. Die Stadt riecht so gut nach einem Wolkenguss. Staunend standen alle Nachbarn auf ihren Balkons oder am Fenster und betrachteten die fallenden Tropfen wie ein seltenes Naturereignis. Was es doch hoffentlich trotz Klimawandels zukünftig nicht sein wird. Aber ich habe so meine Zweifel und denke über Landerwerb in der Uckermark und die Anpflanzungen von Olivenbäumen und Tomaten nach. Land wäre sehr schön. Land wird überhaupt unterschätzt.

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Eine Mail erreichte mich und erfreute mich mit ihren freundlichen und mitfühlenden Worten sehr. Sie erinnerte mich an eine wirklich lange zurückliegende Zeit. Bald 30 Jahre ist das her! Wir waren beide so jung damals und als wir zusammen nach Berlin gingen, brach unsere Liebe entzwei. Aber nichtsdestotrotz waren diese fast fünf Jahre mit meiner ersten großen Liebe der Grundstein für alles weitere.

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Der Kaiserin neue Kleider.

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„Die Mathematik der Anna Depenbusch“ wieder entdeckt. Ein Buch mit einer Widmung erhalten. Von der schönen Nachbarin zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen worden und mich mit einem hoffnungsvollen Schriftsteller unterhalten. Ich hoffe, er endet dereinst nicht als hoffnungsloser Romancier, aber ich befürchte es doch fast. Sein erster Roman soll übrigens von einem jungen Schriftsteller in Berlin handeln.

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Eine Freundin hat endlich einen Job gefunden. Unbefristet. Dass es sowas noch gibt.

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Wählen gegangen. Demokratie ist was tolles, das unterschätzen nur so schrecklich viele Menschen. Man kann eine Meinung haben und sich dafür mit einem schnöden Kreuz auf Papier einsetzen. Man muss halt dann auch damit leben, wenn’s blöd läuft und nicht jammern oder meckern. Aber grundsätzlich ist es sehr schön, dass wir das Wahlrecht haben. Es wäre nur bitteschön noch schöner, wenn sich mehr Menschen tatsächlich politisch engagieren würden. Sonst kommen wirklich nur karrieregeile Pfeifen auf politische Posten. (*fasst sich an die eigene Nase und tritt trotzdem nicht in eine Partei ein*)

Status.

Beim Nachlassgericht die Aufforderung: „Die Witwe beantragt…“. Erst reagiere ich gar nicht, bis ich realisiere, dass ja ich die Witwe bin. Das Selbstbild passt nicht zum – formalen – Fremdbild und zum Zivilstatus. Der Witwenstand ist etwas für alte Damen, die ihre Männer mit Würde unter die Erde gebracht haben und dann ihre letzten Lebensjahre im Kreise ihrer Bridge spielenden Freundinnen bei Likörchen und Sahnetorte verbrachten. Dachte ich immer. Nun aber Witwe, in mittleren Jahren, und viel zu früh, wie ich finde.

So wie meine Urgroßmutter und meine Großmutter vor mir. Meine Urgroßmutter war mit knapp fünfzig zur Witwe geworden, inmitten des beginnenden Wirtschaftswunders. Ihr Mann starb nach langer Krankheit, die ihn schon rechtzeitig dazu gebracht hatte, die gemeinsame Tochter als Juniorchefin heranzubilden. Meine Urgroßmutter musste als Seniorchefin das Unternehmen gemeinsam mit der Tochter leiten und tat dies sehr kompetent. In späteren Jahren waren ihre Salons inmitten einer sehr illustren Damenriege legendäre Themen auf Familienfesten – Likörchen immer inklusive.

Die Mutter meiner Mutter wiederum wurde bereits in den ersten Kriegstagen zur Witwe. Ihr Mann, ein Verwaltungsbeamter, dem man auf den vergilbten Schwarzweißaufnahmen schon an der Nasenspitze ansehen konnte, dass die Armee nichts für einen Feingeist wie ihn sein würde, fiel und hinterließ sie als kinderlose Mittdreißigerin. Sie war damals Sekretärin und verdiente ihre Brötchen selbst, bis sie meinen (verheirateten) Großvater traf und mit fast Vierzig doch noch Mutter wurde.

Beiden gemein ist die Selbstständigkeit, die sie in ihren Witwenstand mitnahmen. Weder die eine noch die andere Frau war auf die Witwenrente angewiesen, und beide lebten ihr Leben durchaus mit Freude und viel Neugierde weiter. Interessiert hätte mich, wie sie beide mit ihrem Status umgingen. Ich habe zwar bereits über das Witwenglück meiner Großtanten und Großmutter geschrieben, aber Weiterlesen

[Was schön war] #kw36.

In dieser Kalenderwoche hatte ich wenig Zeit darüber nachzudenken, ob etwas schön, mittelschön oder hässlich war. Der Chef wollte Zuarbeit von mehreren Kollegen haben und bekam sie einzig von mir. Raten Sie, wer dann die halbe Woche damit beschäftigt war, den eigentlich für die Zuarbeit Verantwortlichen hinterher zu rennen. Damit wenig Zeit für andere Gedanken. Ich hoffe, er bekommt bald seine/n persönliche/n Referentin/en.

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Meine Arbeit trägt erste Früchte. Man kennt mich nun im Städtchen. Die Menschen kommen auf meine Kolleginnen und mich zu und schenken uns ihr Vertrauen. Das Team – mein Team – ist ein gutes.

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Mit Freunden in einer Wein- und Tapasbar gesessen und den Sommerabend genossen. Mich mit Frau Casino zum Kino verabredet: Nick Cave-Doku, ich bin sehr gespannt, wie ein Künstler außerhalb der persönlichen Erfahrung mit Trauer und Tod umgeht. Wieder viele wundervolle kleine Nachrichten von Menschen erhalten, die sich um mich sorgen und kümmern. Längst vergessene Worte wie „Remmidemmi“ und „Kokolores“ gelesen. An dieser Stelle möchte ich auf die Seite „Bedrohte Wörter“ aufmerksam machen. Dort kann man solche melden, damit sie nicht ganz verschwinden. Kennen Sie eigentlich noch diese Wörter? Dann sind Sie offiziell alt, tut mir leid.

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Erste Reisepläne für Februar geschmiedet. Ich wollte immer schon mal nach Kambodscha, mir natürlich Angkor Wat ansehen, den Tonle See und ganz allgemein wieder einmal in die Welt Südostasiens eintauchen, die mir fremd und zugleich vertraut ist. Die beste Freundin überlegt nun mitzureisen, aber ich bin noch nicht sicher, ob wir uns über die gemeinsamen Kurzurlaube der letzten Jahre hinaus in europäische Städte und an die Ostsee mit solch einer Destination gut tun würden. Sie hat zwei Kinder und seitdem haben sich unsere Reiseformen, -ziele und -ansprüche doch ein wenig voneinander entfernt. Wir sprechen demnächst darüber. Die Vorfreude auf diese Reise und die anderen, folgenden verschönt mir so manche Stunde.

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Auf dem Balkon gesessen und dem Nachbarn gelauscht. Sein weiches Italienisch hört sich wunderbar an. Meine Sprachkenntnis aus einem Jahr Schulunterricht ist nicht mehr gut genug, um mehr als Bruchstücke zu verstehen, und ich frage mich, wo in Italien man so weich spricht, so elegant und ohne stakkatohafte Betonung. Diese Satzmelodien liebe ich! Überhaupt ist es ein Privileg, in einer Stadt zu wohnen Weiterlesen

[Was schön war] #kw35.

Franziskript und Mek haben immer mal wieder zusammengefasst, was für sie gerade schön war und ist. Ich finde das eine sehr probate Idee, die wirklich schönen Dinge und Erlebnisse zusammenzustellen, um sich gewahr zu werden, was für ein Glück auch in kleinen Momenten zu finden ist.

Was für mich in dieser Woche schön war? Doch, einiges. Trotz des unterschwelligen Gefühls der Unwirklichkeit, das in diese Zeit eingewebt ist.

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Am Dienstag habe ich nach sehr langer Zeit wieder einen Vortrag gehalten. Ich musste ein Konzept vorstellen, das möglicherweise bis 2021 Bedeutung haben wird. Meine Nervosität verschwand nach einigen Minuten, ebenso wie meine zu Beginn doch etwas klirrende Stimme. Am Ende stand eine Entscheidungsfrage an das Publikum. Wenn ich nicht noch seltene Lurche und Feldhamster oder Fledermäuse rauskramen muss, ist das ein dauerhaft schönes Gefühl, dass ich etwas bewegen kann.

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Die Musik auf der Trauerfeier war gut gewählt und wurde von der Trauerrednerin an den richtigen Stellen eingesetzt. Keine Requiem-Pampe, sondern einige Stücke, die den Mann ausgemacht haben. Brahms‘ 3. Sinfonie, daraus den 3. Satz. Dann zwei Klavierstücke von Carlos Ruiz Zafon, die er extra als Vertonung seines Buches „Der Schatten des Windes“ komponiert hatte. Den Choral „Vois sur ton chemin“ aus dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“, den wir beide sehr gern gesehen haben. Und dann ein Lied, das mich zum Lächeln brachte, das ganze vergangene Wochenende. Das ich immer wieder vor mich hinpfeifen musste, denn singen kann ich nicht gut: „Fly me to the moon“ in der Version von Julie London. Ich wünsche mir, dass viele Menschen dieses Lied hören und an eine Cabriofahrt an einem lauen Sommerabend denken, vielleicht über eine Landstraße, wenn es nach satten Feldern riecht, nach Weizen, Heu und einem kleinen bisschen erdiger Vorahnung auf den bald kommenden Herbst. Dann stellen Sie sich den glücklichen Mann vor, der das alles genießen kann. Diese Vorstellung und, ja, auch die Erinnerung daran, hat mich sehr glücklich gemacht. Es ist ein schönes Lied.

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Meine neue Vespa ist nicht nur schön, sondern auch sehr zuverlässig. Ein kleines, aber nicht zu unterschätzendes Glück in Zeiten des Öffentlichen Personennahverkehrs.

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Kleine, liebe Nachrichten von Menschen, die mich erkennen. Das ist schön.

Bauen und halten.

Es gibt Menschen, die sind sowas wie menschlicher Mörtel. Sie verbinden Einzelne zu einem Bauwerk, das stabil ist und trotz widriger Umstände nicht umkippt. Dann und wann kommen ein paar Steine dazu, verschönern und erweitern es, und so mancher steht dann außen vor und denkt sich: Wow, das sieht gut aus! Da möchte ich auch rein.

So einer war der Mann. „K. hat wieder Zucker in der Tasche“, sagte oft sein bester Freund, wenn dem Mann wieder einmal fremde Kinder, Frauen oder ältere Herrschaften zuliefen und ihr Vertrauen schenken wollten. Sie und alle seine Freunde, Freundinnen und Wegbegleiter mochten das, diese unaufdringliche, zugewandte Art. Sehr das Gegenteil von mir, der misstrauischen Krähe, die lieber beobachtete als dabei zu sein. Aber ganz nebenbei hat der Mann auch mich eingearbeitet – nicht gemauert – in das Bauwerk seiner, unserer Freunde und Freundinnen, die ja doch mitunter viel wichtiger sind als die Familie.

Die Trauerfeier war voll mit Menschen seines Bauwerks. Unsere Freundeskreise hatten sich im Lauf der letzten Jahre unmerklich verzahnt – nicht komplett, das war uns beiden wichtig, dass wir immer auch unsere „eigenen“ Freunde hatten. Dennoch wuchs das Bauwerk weiter an, sodass auch ich meine eigenen kleinen Stückchen daran mauern durfte. Ich unternahm etwas mit den Frauen und Freundinnen seiner liebsten Freunde, vier Männer, die sich schon zu Beginn des Studiums kennengelernt hatten und zwischen die kein Blatt Papier passte. Oft standen andere vor diesem Kleeblatt und wollten dazugehören, aber da war kein Platz mehr frei. Andere Freundschaften liefen eben dann außerhalb dieser Herrenrunde, waren aber nicht minder eng und sehr geschätzt. Die Freundschaften des Mannes wären ein Lehrstück der Gruppensoziologie gewesen!

Nun bin ich auf die kleinste soziale Einheit zurückgeworfen und frage mich, wie weit ich das Bauwerk stabil erhalten kann. Nicht nur um des Mannes Werk willen, sondern auch um meiner selbst. Ich möchte nicht auf die anderen Steine verzichten, die er doch mit Bedacht ausgesucht hat. Noch eint uns die Trauer um den Mann.

Kann ich den menschlichen Mörtel neu anrühren? Vielleicht mit anderen Zutaten, die das Bauwerk erhalten? Oder wird es zusammenstürzen, Stück für Stück bröckeln?

Bauen und halten, das wird wohl jetzt meine Aufgabe sein.

Nachlasssachen.

Wenn ein Mensch geht, bleibt nicht nur eine Leerstelle, sondern auch unendlich viel Verwaltungs- und Organisationskram. Den kann einem zumindest teilweise ein fähiges Bestattungsinstitut abnehmen (z.B. Sterbescheinbeantragung, Standesamts-, Krankenkassen- und Rentenabmeldung). Der große Rest bleibt aber den Hinterbliebenen. Es ist durchaus auch hilfreich, sich mit den Verwaltungsangelegenheiten zu befassen: es lenkt ab, schafft die nötige Distanz zum Verstorbenen oder entwickelt eine neue, respektvolle Erinnerungsnähe. Der Mann hat mir in den letzten Wochen und Monaten vor seinem Tod eine Jobübergabe der wesentlichen Dinge gemacht. Wir haben in den letzten Tagen noch einmal ganz offen über seine Wünsche bezüglich der Trauerfeier, der Bestattung etc. gesprochen. Es blieben wenige unbeantwortete Fragen. Das hat zumindest mir sehr geholfen. Nicht jeder Kranke oder Sterbende hat dieses Privileg, ebenso wie seine Angehörigen.

Dennoch bleiben etliche organisatorische Sachen, an die man nun wirklich nicht denken konnte oder die im Lauf der Zeit aufkommen und die in ihrer Gesamtheit durchaus überfordern können. Ich liste hier einmal exemplarisch einige auf. Vielleicht hilft es anderen in ähnlicher Situation.

  1. Nachlassberechnung und Vermögen zum Zeitpunkt der Hochzeit
    Ein Testament existiert, das ist schon mal hilfreich. Sind z.B. Pflichtteilsansprüche – das ist die Regel, wenn die Eheleute sich als Alleinerben eingesetzt haben und die Kinder (auch uneheliche aus früheren Beziehungen) daraus ihren Pflichtteil ableiten – vorhanden, muss das berechnet werden. Dazu kann man sich professionelle Unterstützung holen oder selbst berechnen. Ich habe mich für die Eigenberechnung entschieden. Woran man aber als Ehepartner im Falle der gesetzlichen Erbfolge, also ohne Testament, denken sollte: der Zugewinnausgleich wird vom Nachlasswert abgezogen, und dieser wird auch aus dem Kontenvermögen zum Zeitpunkt der Hochzeit berechnet. Nun habe ich zufällig feststellen können, dass die Vermögensfeststellung via Onlinebanking nur bis zu einem Zeitraum von zwei Jahren in die Vergangenheit reicht. Sie müssen sich also die Mühe machen, alte Kontoauszüge zu suchen oder sich mit ihrer Bank in Verbindung zu setzen.
  2. Versicherungen und ADAC, Trauerpost
    Teilweise schließen Versicherungen den Ehepartner gleich mit ein, z.B. Rechtsschutz. Hier müssten Sie überprüfen, ob Sie den Vertrag so fortführen können oder eventuell zu einer anderen Tarifform oder einer anderen Versicherung wechseln. Mein ADAC-Vertrag wurde zu gleichen Konditionen umgeschrieben, aber nun zu einem günstigeren Tarif. Da ich schon berufsbedingt ein großer Fan von Serienbriefen bin, empfehle ich, eine Liste mit den entsprechenden Adressen anzulegen und darauf ein Standardanschreiben mit der Information über den Sterbefall zu beziehen.Das Gleiche gilt für die Trauerpost. Ich habe mit dem Dienstleister vereinbart, Weiterlesen